Peniger Beschäftigungsmodell weckt Interesse im Kanzleramt

Die Metallbaufirma LAB Leuteritz löst ihr Fachkräfteproblem auf eigene Weise und bietet allen Mitarbeitern attraktive Arbeitszeitmodelle. Das hat sich bis nach Berlin herumgesprochen.

Penig.

Es sind gleich mehrere schwarze Limousinen, die auf den Hof der Peniger LAB Leuteritz Anlagenbau GmbH rollen. Politprominenz von Bund, Land, Kreis und Stadt, die neugierige Fragen stellt - das hat Firmenchef Paul Schuschan so noch nicht erlebt. Was der 30-Jährige, der die Firma 2018 kaufte, in den zurückliegenden Monaten auf die Beine stellte und was er mit seinen Mitarbeitern noch vor hat, ist mittlerweile sogar auf das Interesse der Bundesregierung gestoßen.

Aus einer der Staatskarossen steigt Annette Widmann-Mauz. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration im Bundeskanzleramt sei, wie sie sagt, durch Berichte in der "Freien Presse" auf die Firma aufmerksam geworden. Von Paul Schuschan erfährt sie, dass die LAB Leuteritz demnächst die Mitarbeiterzahl von 60 auf 70 erhöhen wird. Denn das Peniger Unternehmen, das Stahlbauten vom Carport bis zum großen Logistikzentrum fertigt sowie Metallzäune, Bühnen, Fluchttreppen, Ställe und Ausrüstungen für Landwirtschaftsbetriebe, aber auch Fördertechnik für die Milchviehfütterung herstellt, werde am 1. Oktober in Ueckeritz an der Ostsee eine neue Fertigungsstätte für Landtechnik eröffnen.

"Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern viele Partner, können so die Agrargenossenschaften besser unterstützen und haben künftig kurze Wege zu unseren Kunden in Norddeutschland", erklärt Schuschan. Im Unternehmen werden dann auch sechs Mitarbeiter tätig sein, die ausländische Wurzeln haben. Sie kommen aus Russland, Tunesien, Syrien und Tschechien. Zudem werden im September zwei Leute mit Migrationshintergrund bei LAB ein Praktikum beginnen. "Wer sich einfügen will, für diese Menschen machen wir uns stark", macht Schuschan deutlich. Es habe zwar nicht bei allen funktioniert. Aber diejenigen, die mittlerweile eingestellt sind, würden sich große Mühe geben und seien in der Belegschaft akzeptiert. Das Thema Fachkräftemangel sei daher bei LAB kein großes Problem, denn es gebe eine enge Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und dem DRK.

Über die Neugersdorfer Schulungsstätte Techno-Metall Michalk, die auch in Chemnitz tätig ist, würden Flüchtlinge qualifiziert und fit gemacht für den Einsatz in Unternehmen. Die Nachfrage zeige, dass sein Unternehmen attraktiv sei. "Denn wir bieten allen Mitarbeitern eine betriebliche Krankenversicherung und Altersvorsorge an, bezuschussen Kita-Plätze und anderes mehr", so Schuschan.

Zudem gebe es verschiedene Arbeitszeitmodelle. Der Betrieb brauche motivierte Mitarbeiter, denn ab September stünden viele Aufträge an, die abgearbeitet werden müssten. Ziel für dieses Jahr: 7,5 Millionen Euro Umsatz.

Um das Thema Fachkräftemangel geht es auch bei einer Diskussionsrunde nach dem Betriebsrundgang. Laut Widmann-Mauz fehlen in den nächsten 30 Jahren bundesweit Arbeitskräfte in zweistelliger Millionenhöhe. "Wir brauchen diese Leute, um unseren Wohlstand zu erhalten", spricht die CDU-Politikerin Menschen mit Migrationshintergrund an. "Integration ist aber keine Einbahnstraße", sagt Landrat Matthias Damm (CDU). Es gebe auch "eine Bringschuld". Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) räumt ein, dass es Vorbehalte gebe. "Aber derjenige, der sich anstrengt, muss die Chance haben, hierzubleiben." Und gegen jene, die sich nicht an die Spielregeln halten, müsse stärker durchgegriffen werden, fordert Schmidt.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Marco Wanderwitz, der den Betriebsbesuch organisiert hatte, habe festgestellt, dass es drei Kategorien von Unternehmern gebe, die Erfahrungen mit ausländischen Arbeitskräften gemacht hätten. "Es gibt welche, die es versucht haben. Die übergroße Zahl der Firmenchefs aber ist positiv überrascht. Und es gibt diejenigen, die sagen: Das mache ich nicht. Doch die vertun eine Chance." Was Penig betrifft, so könne seine Stadt die Firmen unterstützen, indem beispielsweise Wirtschaftsstammtische angeboten werden, bei denen sich Unternehmen vernetzen können, sagt Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU).

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