Pflegeeltern: Wir sind glücklich mit unserer Entscheidung

Heike und Sylvio Weigel geben dem von Geburt an kranken Felix ein Heim. Seit mehr als acht Jahren kümmern sie sich um ihn.

Oberbobritzsch.

Ob er im großen Garten über Stock und Stein springt oder in seinem Zimmer Abenteuer erlebt, immer braucht Felix jemanden, der bei ihm ist, der mit ihm spielt, an den er sich anlehnen kann. Das ist ein Teil jenes Krankheitsbildes, mit dem der Neunjährige seit seiner Geburt zu kämpfen hat. Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS), eine vorgeburtliche Schädigung des Gehirns und innerer Organe, gab ihm eine schwere Herzerkrankung, eine geschädigte Lunge und einige Verhaltensstörungen mit auf den Lebensweg. Dazu zählen Hyperaktivität, Konzentrationsschwierigkeiten sowie ein sozial-emotionales Unvermögen. Allein sein ist ungemein schwierig für ihn.

Von seinen Pflegeeltern Heike und Sylvio Weigel, die ihn, seit er ein halbes Jahr alt war, zu einem Teil der Familie gemacht haben, muss immer jemand in seiner Nähe sein. Weshalb jetzt auch Spenden gesammelt werden für einen Assistenzhund, der diese Aufgabe zu einem gewissen Teil übernehmen soll.

Wie kam es, dass sich die Weigels dieser Aufgabe, Pflegeeltern zu sein, stellten? Zwei mittlerweile erwachsene Töchter hatten sie schon, als sich 2006 etwas überraschend ein drittes Kind ankündigte. Sohn Lukas kam mit deutlichem Altersunterschied zu den Schwestern auf die Welt. "Unser Grundgedanke war, dass er nicht allein aufwachsen sollte", erklärt Heike Weigel. Mit einer weiteren Schwangerschaft war aber nicht mehr zu rechnen. So kamen Weigels auf den Gedanken, ein Kind in Pflege zu nehmen. Eine Zeitungsanzeige war der Auslöser, sich mit dieser Absicht an den Landkreis zu wenden. "Als erstes haben wir einen Pflegeelternkurs gemacht", erinnert sich Heike Weigel. Ein polizeiliches Führungszeugnis musste vorgelegt werden und auch die Lebensverhältnisse der Familie wurden in Augenschein genommen. Dann geschah erst einmal nichts mehr. Obwohl Pflegeeltern gesucht wurden, hieß es für die Weigels zunächst einmal warten. 2011 wandten sie sich an die zuständigen Stellen, die dann einen Fehler einräumen mussten. Von nun an ging aber alles sehr schnell.

Im Januar 2012 kam es zum Gespräch über Felix. "Ich wollte gern, dass es ein möglichst junges Kind ist", erzählt Heike Weigel. "Mein Mann lieber, dass es etwas älter sei." Doch insgesamt sei man unvoreingenommen hingegangen. Man erzählte ihnen dann von Felix und seinen schweren Krankheiten, machte darauf aufmerksam, dass es nicht einfach sein würde. Das Paar erbat sich Bedenkzeit. "Schließlich haben wir zugestimmt", erzählt Felix' Pflegemutter. Wäre sie noch einmal schwanger geworden, hätte es auch kein Wunschprogramm gegeben, dann hätte sie das Kind auch so gewollt, wie es in ihr herangewachsen wäre, einschließlich der Möglichkeit, dass es nicht gesund sein könnte, sagt sie. Auch ein vorheriges Anschauen von Felix lehnten sie ab. So wie er war, wollten sie ihn zu sich nehmen.

Der Junge blieb nicht das einzige Pflegekind. Später kam noch ein Mädchen hinzu, das jetzt fünf Jahre alt ist. Vor allem für Heike Weigel bedeutete all dies, dass sie sich ganz auf diese Arbeit konzentriert. Eine Weiterbildung als Erziehungsberaterin hat sie dafür gemacht. "Man musste sich sehr viel anlesen", gesteht sie. Sie und ihr Mann sind mit ihren Entscheidungen glücklich. Sie geben den Kindern ein Heim und ein glückliches Leben. "Es ist bei uns wie in einer ganz normalen Familie", stellen sie fest.

All jenen Paaren, die sich mit einem ähnlichen Gedanken tragen, ein Kind in Pflege zu nehmen, geben sie noch einen kleinen Rat mit auf den Weg: "Man muss es in sich spüren, dass man das machen will."

Service: Wenn Sie helfen wollen, können Sie über den Verein "Leser helfen" spenden. IBAN: DE 4787 0962 140 22 44 22 44 0. Betreff: Spendenprojekt "Felix". Alle Informationen zu den Projekten und zum Spenden finden Sie in unserem Online-Spezial unter: www.freiepresse.de/leserhelfen

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