Pilzschwemme: Experten raten zu Vorsicht

Die Natur meint es jetzt gut mit den Sammlern. Nach der Trockenheit sprießen die Pilze. Ein Experte bereitet sich daraus nicht nur eine Mahlzeit.

Lichtenau/Burgstädt.

Lange schien die Trockenheit des Sommers die Pilze auszubremsen. Die ersten kräftigen Regengüsse im Herbst reichten jedoch aus, um sie wenige Tage später sprießen zu lassen. Seither stehen die Chancen für Pilzsucher gut, im Wald, auf Wiesen, in Parks und Gärten erfolgreich zu sein. Stattliche Steinpilze, Maronen, Goldgelbe Lärchenröhrlinge, Riesenschirmpilze, Krause Glucke und auch Arten, die wie die Rotkappe oder Champignons sonst nur sehr selten anzutreffen sind, landen im Korb und später in der Pfanne. Die Guten von den Giftigen oder Ungenießbaren zu unterscheiden, ist dabei nicht immer leicht.

Der Lichtenauer Pilzberater Wolfgang Friese hat seit reichlich vier Wochen alle Hände voll zu tun. Die Zahl der Ratsuchenden aus Lichtenau, Burgstädt, Claußnitz und umliegenden Orten sei jetzt groß, sagt er. Manche haben ihr Sammelgut zum Prüfen gebracht, "andere erhoffen sich Auskunft zu Arten, die sie nicht sicher bestimmen können", so Friese. Aber er und seine "Pilzkollegen" hätten in diesem Jahr schon einiges Unheil verhindern können. Der dem Steinpilz ähnelnde Gallenröhrling etwa verderbe nur die Mahlzeit. "Manche Irrtümer bedeuten jedoch Lebensgefahr", erläutert er. Beispielsweise seien im Sammelgut Pantherpilze, Giftchampignons und Grüne Knollenblätterpilze aufgetaucht, so Friese. In den vergangenen Wochen seien zudem mehrmals Sachverständige in Krankenhäuser der Region gerufen worden, um dort anhand von Putzabfällen herauszufinden, welche Pilze Notfallpatienten verspeist hatten.

"Gibt es besonders viele Pilze, gehen mehr Menschen in den Wald und sammeln. Das führt zu einer erhöhten Rate von Vergiftungsfällen", sagt Friese. Oftmals handele es sich nach seiner Erfahrung dabei um keine echten Pilzvergiftungen. "Vielmehr werden für die üppige Pilzmahlzeit auch oft alte und von Schimmelpilzen befallene Pilze verwendet", so der Fachmann. In einzelnen Fällen lasse sich gar keine Ursache finden. "Manche halten es für möglich, dass Inhaltsstoffe der Pilze in Interaktion mit Medikamenten treten", sagt er. Erforscht sei das jedoch noch nicht.

Frieses Metier sind neben Speisepilzen, die er gart, trocknet oder einfriert, Arten, die sich zum Färben von Pflanzenfasern, Wolle und Seide eignen. Die Ausbeute in diesem Jahr will er für Kurse in dieser Technikverwenden. Als geschulter Pilzkenner leitet er zudem in der Naturschutzstation im Burgstädter Ortsteil Herrenhaide und für Regionalgruppen des Naturschutzbundes Pilzwanderungen. In der Station in Herrenhaide widmet er sich überdies der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Über die Initiative Junge Naturwächter hoffe er, zugleich geeigneten Nachwuchs an die Pilzberatertätigkeit heranzuführen, so Friese. Beim eigenen Sohn hat es bereits geklappt. Der heute 39-Jährige stehe Ratsuchenden trotz beruflicher und familiärer Verpflichtungen an seinem Wohnort in Flöha ebenfalls als Pilzberater bei.

Vater und Sohn sehen die ehrenamtliche Tätigkeit als wichtig an: Zum einen, um Vergiftungsfälle zu verhindern. Zum anderen seien Wissen und Sensibilität für die Natur Voraussetzung, um zu deren Schutz beizutragen. Im Landkreis Mittelsachsen gebe es dazu Schulungen. Wie Cornelia Kluge, Sprecherin im Landratsamt in Freiberg, mitteilte, gibt es im Landkreis Mittelsachsen derzeit 20 Pilzberater. Die Zahl sei seit Jahren weitestgehend konstant. Es müssten Schulungen mit Prüfungen und regelmäßige Weiterbildungen absolviert werden, doch es fänden sich immer wieder Interessenten, erklärt sie. 2018 gab es nach ihren Angaben - anders als von Friese in diesem Jahr geschildert - keinen Fall, in dem Pilzberater aus dem Landkreis von Krankenhäusern aufgrund von Pilzvergiftungen konsultiert wurden. In diesem Jahr trete jedoch insbesondere der giftige Pantherpilz sehr häufig auf, der mit einem Speisepilz verwechselt werden könne, so die Sprecherin. Sie rät zur Vorsicht.

Eine Pilzausstellung, die Wolfgang Friese mit organisiert, findet am Sonntag zum Tag des traditionellen Handwerks im Hainichener Ortsteil Riechberg statt. Treffpunkt für eine Pilzwanderung mit Friese ist am 3. November 14 Uhr an der Naturschutzstation im Burgstädter Ortsteil Herrenhaide.

Eine Liste der Pilzberatungsstellen gibt es im Internet unter folgender Adresse: https://www.landkreis-mittelsachsen.de/das-amt/neuigkeiten/pilzberatung-im-landkreis-mittelsachsen-2.html

Informationen zu Giftpilzen unter https://www.dgfm-ev.de/pilzesammeln-und-vergiftungen/sammeln-und-bestimmen

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