Retter riskieren Gefahr von Stromschlägen

Damit Einsatzkräfte bei Unfällen sofort wissen, ob ein Auto einen Elektroantrieb hat, fordern Feuerwehren Hinweise am Kennzeichen. Weiterbildungen zum Umgang mit neuartigen Fahrzeugen im Ernstfall sind noch selten.

Penig.

Ein Unfallauto brennt, die Feuerwehr muss löschen, muss Verletzte aus dem Auto befreien. Handelt es sich um ein Elektrofahrzeug, könnten sich die Retter selbst in Gefahr bringen, sie könnten durch Stromschläge oder explodierende Batterien verletzt werden. Auch in Mittelsachsen werden daher Forderungen an die Politik und die Autoindustrie nach einer Gefahrenkennzeichnung für E-Fahrzeuge lauter.

"Solch eine Kennzeichnung wäre sehr zu begrüßen", meint Thomas Cramer, Gemeindewehrleiter in Penig. Seiner Meinung nach müsste es verbindlich sein, dass Elektrofahrzeuge das "E" im Nummernschild tragen. Das sei ausreichend, denn eins von den beiden Kennzeichen sei bei einem Unfall fast immer noch zu erkennen. In der Praxis seien seine Kameraden bisher allerdings noch nicht in solch eine Situation gekommen. "Wir hatten 2017 mal Vertreter von Envia M mit einem Elektrofahrzeug bei uns, um unsere Führungskräfte zu diesem Thema am Gerät zu schulen", so Cramer. Das Thema müsse seiner Meinung nach aber immer wieder in die Ausbildung aufgenommen werden, vor allem bei Wehren, die in der technischen Hilfe aktiv sind.

Perspektivisch gesehen, würde es auch René Schröter sehr begrüßen, wenn eine solche Kennzeichnungspflicht käme. "Da würden wir ganz anders an ein solches Unfallfahrzeug rangehen", sagt der Chef der Mittweidaer Feuerwehr. Er muss aber auch zugeben, dass ein solcher Vorfall bislang bei Einsätzen eher selten war. "Wir sind mal zu einem Unfall mit einem gasbetriebenen Auto gerufen worden. Da haben wir aber gewusst, dass es sich um ein solches handelt."

Das Verkehrsunternehmen Regiobus habe die Kameraden bereits an Hybridfahrzeugen geschult, aber an reinen E-Autos bislang noch nicht. "Wenn die E-Mobilität mal auf den Vormarsch kommt, dann wird es durchaus zu einem Problem", meint Schröter. Extra Schulungen seien derzeit nicht geplant. Es sei aber üblich, dass derartige Neuerungen innerhalb des allgemeinen Dienstes erklärt werden. Gut fand der Feuerwehrchef eine gemeinsame Übung mit der Hochschule Mittweida, bei der ein solches Szenario einmal praktisch durchgespielt wurde. "Wir wollen in diesem Jahr gern eine solche Aktion noch einmal in Angriff nehmen."

Bei der Flöhaer Feuerwehr ist die geforderte Fahrzeug-Kennzeichnung derzeit noch nicht das große Thema, gibt Wehrleiter Matthias Richter zu. "Beschäftigt haben wir uns schon damit, haben uns auch mal etwas zeigen lassen." Es habe aber noch keinen Einsatz gegeben, bei dem die Kameraden mit einem verunglückten Elektroauto in Berührung gekommen wären. "Wenn wir mal andere Erfahrungen machen sollten, dann müsste man die Ausbildung auf diesem Gebiet intensivieren", fordert er.

Schulungen seien erst mal kein Fehler, meint Nico Geißler, Stadtwehrleiter in Brand-Erbisdorf. Es habe auch schon welche gegeben. Er kann sich aber nicht erinnern, dass seine Kameraden bisher schon einmal mit einem solchen Fall im Einsatz konfrontiert wurden. "Wir sind uns des Themas bewusst. Und das betrifft ja nicht nur E-Autos, sondern auch Elektrofahrräder", so der Feuerwehrchef. Vor allem, wenn die Akkus beschädigt wurden, mache das die Brandbekämpfung schwierig. Allgemein aber kenne man sich aus. "Wir wissen, wo wir hinschauen müssen und worauf man achten muss."

Dass sich das Einsatzspektrum der Feuerwehren erweitern wird, daran hat der stellvertretende mittelsächsische Kreisbrandmeister, Steffen Kräher, keinen Zweifel. "Eine solche Ausbildung wird an der Landesfeuerwehrschule und in den örtlichen Feuerwehren künftig berücksichtigt werden müssen", da ist er sich sicher. Hilfreich sei schon jetzt die sächsische Feuerwehr-App, auf der sich die Kameraden durch Eingabe von Fahrzeugtyp oder Kennzeichen über Gefahren informieren können. Was die Forderungen an die Politik und die Industrie betrifft, so meint er: "Derzeit ist die Kennzeichnung der Fahrzeuge noch ein frommer Wunsch."

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