Rochlitzer Retter üben jetzt an einer fast lebendigen Puppe

Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes hat 25.000 Euro in den Simulator gesteckt. Davon profitieren nicht nur die Notfallsanitäter.

Rochlitz.

Einen Zentner wiegt die Figur. Sie kann "Ja" und "Nein" sagen, husten und schreien, man kann ihr Kleidung anziehen oder eine Brille aufsetzen. Nur einen Spitznamen hat die Puppe noch nicht. "Der wird sich noch ergeben", sagt Dirk Weigand, Leiter der Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Rochlitz. Indes kommt es nicht darauf an, wie die Puppe heißt. Viel wichtiger ist ihre Funktion: das Training für den Notfall.

Seit kurzem verfügt der Rochlitzer DRK-Kreisverband über den Patientensimulator für den Rettungsdienst. Das Produkt einer norwegischen Firma hat 25.000 Euro gekostet. Eingesetzt werden soll die Puppe vor allem bei der Ausbildung zum Notfallsanitäter. Diese gibt es seit 2014, erklärt Weigand, der als Praxisanleiter die Ausbildung im Verband koordiniert. Die Kompetenzen des Notfallsanitäters gehen über die des Rettungsassistenten hinaus, so beim Verabreichen von Medikamenten. Bisher verfügte das DRK nur über Wiederbelebungspuppen, die man aus dem Erste-Hilfe-Kurs kennt. Die neue, anatomisch korrekte Puppe kann weit mehr.

Computertechnik vom Scheitel bis zur Sohle macht es möglich, dass der Kunststoffmensch lebensecht wirkt. Weigand streicht über die weiche Gesichtshaut des Simulators und beginnt zu erklären: Die Pupillen lassen sich austauschen, können so weit oder eng sein. Durch den Mund samt Zähnen lässt sich ein Tubus in die Luftröhre legen. Die Lippen können blau leuchten - ein Hinweis auf einen Mangel in der Sauerstoffversorgung. Die Zunge kann anschwellen, auch ein Luftröhrenschnitt kann geübt werden.

Im Oberkörper lassen sich zum Beispiel eine schnelle oder eine langsame Atmung sowie Kammerflimmern oder Herzstillstand einstellen. Ob ein Lungenflügel ausgefallen ist, hört der Übende per Stethoskop. Am Arm lässt sich ein Venenkatheter samt Flüssigkeit legen, außerdem gibt es austauschbare männliche und weibliche Genitalien, an denen geübt werden kann, wie ein Blasenkatheter zu legen ist. Puls- und Blutdruckmessung sind ebenso möglich wie das Abhören von Bauchgeräuschen oder das Bewegen der Beine.

Beim Training am Simulator "sind die Azubis völlig in der Szene drin und vergessen, dass es Plaste ist", sagt Dirk Weigand. Über ein kabelloses Gerät kann er verschiedene Situationen simulieren, per Headset der Puppe seine Stimme verleihen. Wenn sich Weigand außerhalb des Rettungswagens befindet, sieht er über eine Kamera im Fahrzeug, wie die Retter die Übung meistern. "Bis zu einer halben Stunde dauert eine Sequenz", sagt der 35-Jährige. Am Simulator wird auch Frederik Schönert trainieren. Der Niederwiesaer ist einer von drei Auszubildenden zum Notfallsanitäter beim Verband. "Das ist erst einmal ein komisches Gefühl an der Puppe. Aber man geht ernst ran", sagt der 17-Jährige.

Zum Einsatz kommen kann sie ab sofort für Weiter- und Fortbildungen des ganzen Personals. Im Rettungsdienst des Kreisverbandes, zu dem die Rettungswachen in Rochlitz, Geringswalde und Penig zählen, sind 57 Mitarbeiter beschäftigt. Das DRK Rochlitz hat im Jahr 4100 Notfalleinsätze und transportiert 7000 Patienten im Krankentransport.

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