Rund 20.000 Bäume fallen

Stürme, Trockenheit und Schädlinge setzen auch dem Rochlitzer Bergwald zu. Mit schwerem Gerät rücken Forstarbeiter an, um die Schäden zu beseitigen. Doch die Fällungen stoßen bei Bürgern auf Kritik.

Rochlitz.

Ein Motorgeräusch ist zu hören, ein Sägen, Knacken und Krachen, und das minutenlang, unaufhörlich. Durch einen tonnenschweren Harvester, einer Baumfäll- und Zersägemaschine, fällt in der Nähe des Porphyrbruchs Fichte um Fichte. Auf einem Areal von 30 Hektar - was der Größe von 42 Fußballfeldern entspricht - werden Holzfäller bis Ende Februar im Rochlitzer Bergwald zugange sein. Nach Angaben des zuständigen Revierförsters Stefan Scholz müssen schätzungsweise 20.000 Bäume gefällt werden, in erster Linie Fichten, in geringeren Mengen Kiefern und Lärchen. In Summe gut 7000 Festmeter Holz. Außerdem müssen rund 200 Laubbäume geschlagen werden, hauptsächlich Buchen, aber auch Ahorne, Birken, Eichen und Eschen.

Die Zahlen schrecken Gerd Gößel auf. "Der Forst schlägt wieder zu", bemerkt der Rochlitzer, dem seit Jahren das Vorgehen des Staatsbetriebs Sachsenforst in den hiesigen Wäldern ein Dorn im Auge ist. Ein weiterer Rochlitzer spricht von einem Raubbau und Kahlschlägen, die unnötig seien und nur gemacht würden, um Geld in die Staatskasse zu spülen. Das sieht Gößel ähnlich. Was ihm besonders sauer aufstößt: Hunderten Laubbäumen geht es diesmal an den Kragen. "Auch eine absterbende Buche ist für die Fauna wichtig", sagt er.

"Die Altbuchen können sich leider nicht regenerieren", entgegnet Scholz. Die extreme Trockenheit der vergangenen beiden Jahre hat der Revierförster als Schuldigen ausgemacht. Schon allein um keine Menschenleben zu gefährden, müssen die teils stattlichen Bäume weichen. Er verweist auf die Verkehrssicherheit, die entlang von Straßen und Wegen zu gewährleisten ist.

Neben der Dürre setzten genauso Stürme und Schädlinge wie der Borkenkäfer dem Bergwald arg zu. Und so gleicht die Situation in der hiesigen Region der im Rest von Deutschland. Allerorten abgestorbene, umgeknickte und zerborstene Bäume. Dass deswegen seit Monaten Holz in rauen Mengen aus den Wäldern geholt werden muss, weiß Gerd Gößel. Daher zeigt er in Teilen Verständnis für die Arbeiten. Trotzdem mahnt er eine nachhaltige Forstwirtschaft an. "Ich kritisiere seit Jahren das Vorgehen im Bergwald, doch es ändert sich überhaupt nichts", ärgert sich der Rochlitzer.

Scholz hält dagegen: "Seit über 200 Jahren praktizieren die Förster am Rochlitzer Berg eine nachhaltige Forstwirtschaft mit dem Ziel, dass für nachfolgende Generation mindestens genauso viel Holz zur Nutzung bereitsteht wie heute für uns." Der Schutz der Natur sei für ihn eine Herzensangelegenheit. Die Fehler der Vergangenheit - zu DDR-Zeiten wurden laut Scholz, weil es kein anderes Pflanzgut gab, nur Fichten gesetzt - werden die Mitarbeiter des Sachsenforst zwar noch Jahre beschäftigen. Doch der Umbau läuft längst. Fichten werden weniger, Lärchen, Kiefer und Douglasien, Buchen, Eichen immer mehr.


Kommentar: Leute, pflanzt Bäume

Der Wald stirbt. Tausende Bäume im Bergwald sind kahl, vertrocknet, tot. Und die Förster müssen wie Bestatter die Gerippe beseitigen. Das schmerzt. Auch so mancher Baum, der auf den ersten Blick vital wirkt, soll gefällt werden. Wer vor diesem Hintergrund, ja bei immer heißeren und trockeneren Sommern den Klimawandel leugnet, dem ist nicht mehr zu helfen. Doch was tun? Reicht es aus, nicht mehr auf Fichte zu setzen und andere Baumarten, die besser mit Dürre und Stürme zurechtkommen, anzupflanzen? Wer weiß das schon. Aber der Versuch ist es wert. Zurecht forsten die Förster die Flächen im Bergwald wieder auf. Doch jeder einzelne von uns muss handeln, um den Klimawandel abzufedern. Leute, pflanzt Bäume und sorgt für mehr Grün, egal wo. Und noch etwas: Geht pfleglich mit der Natur um. Viele Menschen spazieren und wandern gerne im Bergwald. Dennoch gleicht der Wald an vielen Orten einer Müllhalde.

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