"Rund 400 Hilfesuchende im Jahr beraten"

Von der Freude, anderen Menschen zu helfen, und wie er dazu gekommen ist, berichtet Matthias Morgner vom Diakonischen Werk Rochlitz

Claußnitz.

Matthias Morgner ist tätig in der Behindertenhilfe des Diakonischen Werkes Rochlitz. Er betreut Angela Graichen, die nach einem Rückenmarksinfarkt gelähmt ist. Über seine Hilfe für die Claußnitzerin und seine Arbeit gibt er Babette Philipp Auskunft.

Freie Presse: Was steckt hinter der Arbeit der Behindertenhilfe?

Matthias Morgner: Unser Hilfsangebot ist breit gefächert. Die Beratungen beinhalten zum Beispiel Anträge zur Feststellung einer Behinderung, für einen Schwerbehindertenausweis oder Änderungen in jenem. Wir sind auch behilflich bei der Suche nach der bestmöglichen Wohnform und kommunizieren mit Behörden.

Warum bieten Sie die Behindertenhilfe an?

Um Betroffene und deren Angehörige zu beraten und Informationen zu Hilfen und Hilfsmitteln zu geben. Die Beratung der Angehörigen ist sehr wichtig, damit sie lernen, die Betroffenen zu akzeptieren und mit den verschiedenen Krankheitsbildern und Behinderungen umzugehen. Die Behindertenberatung ist einer der Grundpfeiler des Diakonischen Werkes Rochlitz.

Wie konkret sieht die Hilfe aus?

Wir sind von Montag bis Freitag erreichbar. Nach telefonischer Anmeldung gibt es umgehend einen Termin, der im Büro an der Bahnhofstraße 43 in Rochlitz wahrgenommen werden kann. Bei Bedarf machen wir Hausbesuche. Finanzielle Hilfen sind nur in geringem Maße möglich. So gibt es einen Nothilfefonds für das "tägliche Überleben" in Form von Lebensmittelgutscheinen.

Wie viele Klienten werden betreut?

2018 haben wir rund 400 Hilfesuchende sowie deren Angehörige beraten. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass weiterhin Beratungsbedarf besteht.

Eine der Betroffenen ist Angela Graichen. Wie unterstützen Sie sie?

In den letzten Monaten musste sie häufig Arztbesuche absagen, weil es dem Behindertenfahrdienst an einem Fahrzeug und/oder einem Fahrer fehlte. Meine derzeitige Hauptaufgabe besteht deshalb darin, ein Fahrzeug finanziert zu bekommen. Es soll individuell für Frau Graichen umgebaut werden. Dafür wurde beim Kommunalen Sozialverband ein Antrag gestellt. Das betrifft aber nur die Veränderungen im Auto. Der Kauf des Fahrzeugs selbst wird nicht gefördert. Frau Graichen hofft auf ein Wunder und wir setzen auf die finanzielle Hilfe Dritter. Eine Stiftung dafür ließ sich nicht finden.

Was schätzen Sie an Angela Graichen?

Sie ist eine Künstlerin darin, das schwere Schicksal mit Mut und Gelassenheit anzufassen. Sie beeindruckt mich und bringt bestimmt andere zum Nachdenken darüber, was denn eigentlich Glück ist. Ihr Glück ist, dass sie im Glauben verankert ist und auch von ihrer Kirchgemeinde getragen wird. Frau Graichen strahlt trotz allem Zuversicht und Lebensmut aus und möchte ein Lichtblick sein, für alle die ein ähnliches Schicksal erleiden müssen.

Was kann die Aktion "Leser helfen" über das Wirken der Diakonie hinaus leisten?

Unsere Würde liegt nicht in der Leistung, Arbeit und Erfolg, in Euro und Cent begründet, sondern in der Zuwendung Gottes. Es glauben mehr Menschen an Engel als an Gott. Denn Schutzengel kennen wir alle. Die Leser der "Freien Presse" können also durch ihre Spenden so ein Engel sein. Mit der Aktion "Leser helfen" wurde eine Möglichkeit geschaffen, auf Hilfsbedarf aufmerksam zu machen und tatsächlich auch etwas direkt für die betroffenen Menschen zu bewirken.

Was treibt Sie in Ihrer täglichen Arbeit an?

Manche nennen es Schicksal, andere Zufall. Ich glaube daran, dass mir Gott dies hat zufallen lassen. Seit 2006 bin ich im Diakonischen Werk Rochlitz beschäftigt. Vorher war ich als Kranführer tätig. Ich bin viel herumgekommen in den neuen und alten Bundesländern und habe dabei auch viel Leid von Menschen gesehen, Menschen, die Hilfe brauchten. In Zwickau, beim Bau einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, hatte ich das erste Mal intensiven Kontakt zu den späteren Nutzern der Einrichtung. Irgendetwas hat bei mir klick gemacht, als ich die Freude in den Augen derer sah, denen aufgrund ihrer Behinderung oftmals keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es war so viel Glück darin, dazu wollte ich beitragen. Also trennte ich mich von meinem alten Job. Meine Arbeit heute ist die Beratung von Menschen mit Beeinträchtigung. Es macht mir große Freude, wenn ich helfen kann.

Was wünschen Sie Frau Graichen?

Dass die Leser der "Freie Presse" ihren Wunsch nach individueller Freiheit nachvollziehen können und gerade in der bevorstehenden besinnlichen Zeit und der Zeit der Nächstenliebe durch eine kleine Spende das Fahrzeug mitfinanzieren. Ein Auto setzt sich von Zündkerze über Scheibenwischer aus vielen Teilen zusammen. Und viele Spenden können aus vielen Teilen ein Ganzes machen. Geld fällt nicht vom Himmel wie im Märchen, aber ich meine, es gibt genügend Engel, die das Bedürfnis verspüren, für Frau Graichen etwas Gutes tun zu wollen.

Wo können sich Behinderte und Angehörige im Kreis weiterhin Beratung und Hilfe holen?

Weitere Beratungsstellen befinden sich in den diakonischen Einrichtungen Freiberg und Flöha. Für alle Belange von Menschen mit Behinderung, setzt sich ebenfalls der Behindertenbeirat des Landkreises Mittelsachsen ein. bp

Spenden für Angela Graichen können Sie überweisen an: Verein "Leser helfen", IBAN: DE47 8709 6214 0224 4224 40, Stichwort: Frau Graichen oder unter: www.freiepresse.de/leserhelfen

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