Schlaisdorfer Familie lebt ihren Traum

Anja und Rocco Uhlemann züchten schottische Hochlandrinder. Dabei haben sie ein besonderes Modell entwickelt, das Kunden und Tiere eng verbindet. Jetzt haben sie auch einen eigenen Hofladen.

Schlaisdorf.

Für ihren Traum hat Anja Uhlemann ihren vorherigen Job bei einem Telekommunikationsausrüster aufgegeben. Sie und ihr Mann Rocco, der nach wie vor bei einem Energieversorger arbeitet und somit Landwirt im Nebenerwerb ist, kauften sich einen Bauernhof in Schlaisdorf und nannten ihn "Unser Gut". Seit 2015 züchten sie schottische Hochlandrinder, starteten damals mit zwei Kühen und einem Bullen. Mittlerweile haben sie 30 Tiere an drei Standorten.

"Wir hatten in Callenberg ein Haus gebaut und zwei Kinder bekommen. Sie sind jetzt zwölf und acht Jahre alt. Es war unser großer Wunsch, noch mal etwas Neues zu beginnen", erinnert sich die 47-Jährige, die aus Zwickau stammt. Im Lunzenauer Ortsteil Schlaisdorf wurden sie fündig, kauften vor sieben Jahren einen Bauernhof, wo Anja Uhlemann auch eine eigene Töpferwerkstatt betreibt. Dort stellt sie nicht nur selbst die kleinen Kunstwerke her, sondern veranstaltet auch Events und Töpferabende. Vor allem aber haben sie und ihr 49-jähriger Mann Rocco, der aus Lichtenstein stammt, sich für die Zucht von schottischen Hochlandrindern entschieden. "Es sind robuste Tiere, sie sind megaschön und sehr zahm", meint Anja Uhlemann. Da artgerechte Haltung und vor allem Transparenz für die beiden Landwirte einen hohen Stellenwert haben, entschieden sie sich für das "Rinderleasing"- ein Modell, über das die späteren Käufer ganz nah mit den Tieren verbunden sind. "In den westlichen Bundesländern wird es schon angeboten, hier bei uns ist es noch eher selten", sagt Rocco Uhlemann.

Und wie funktioniert es? "Jeder kann sein eigenes Tier - von der Auswahl des Kalbes, wenn es etwa sechs Monate alt ist, über die Aufzucht bis zur Schlachtung - persönlich begleiten", erklärt Rocco Uhlemann. Es sei kein "Leasing" im rechtlichen Sinne, sondern für alle, die nicht selbst ein Rind aufziehen können, eine gute Möglichkeit, alle Stationen einer artgerechten Haltung mitzuverfolgen. Dabei übernehme der Landwirt die Aufzucht und Pflege des Tieres, das stets im Herdenverband bleibe. Die Käufer zahlen monatlich eine Kaufpreisrate, können nach Absprache auch jederzeit "ihr Tier" besuchen und alle Stationen der Aufzucht mitverfolgen. "Wer nicht selbst kommen kann, dem schicken wir gern ein Foto", ergänzt Anja Uhlemann.

Aufgrund der Menge des Fleisches bei der Schlachtung biete es sich an, dass sich drei bis vier Familien oder mehrere Gleichgesinnte zusammentun. "Der schwerste Bulle, den wir bislang hatten, brachte 320 Kilogramm auf die Waage", erklärt Rocco Uhlemann. Nach mindestens 24 Monaten könne jeder selbst entscheiden, wann das Rind geschlachtet werde. Die Schlachtung erfolge in Callenberg bei Hohenstein-Ernstthal. Da die Familie unmittelbar in Nähe ihres Hofes in Lunzenau nicht genügend Pachtland bekam, befinden sich 23 Rinder - also die Mehrzahl - in Uhlsdorf bei Wolkenburg. Dadurch gebe es kurze Transportwege und so wenig Stress für die Tiere. Drei weitere Bullen weiden unweit des Hofes auf einer Wiese, die anderen vier Tiere in Klein Schlaisdorf. Nachfragen nach diesem Leasing-Modell gebe es bereits. Die am weitesten entfernte kam erst kürzlich aus Hamburg, wo ein Interessent auf die Lunzenauer Familie via Internet aufmerksam wurde.

"Mit unserem Hofladen geht es nun erst richtig los", freut sich Anja Uhlemann. Etwa 70 Kunden waren zur Eröffnung vor wenigen Tagen gekommen. "Wir waren angenehm überrascht." Jeweils freitagnachmittags und samstagsfrüh werden Fleisch- und Wurstwaren dort verkauft. "Wir arbeiten mit weiteren Partnern zusammen und wollen noch mehr regionale Produkte ins Sortiment aufnehmen", meint die Landwirtin. Auf 40 Tiere will Familie Uhlemann ihren Bestand künftig erweitern und bis zehn Schlachtungen pro Jahr durchführen.


Das schottische Hochlandrind gilt als robuste Rasse - Anzahl der Rinder allgemein rückläufig

Herkunft: Das schottische Hochlandrind (Highland-Cattle) stammt aus dem Nordwesten Schottlands und von den Hebriden - einer schottischen Inselgruppe. Sie ist die älteste registrierte Viehrasse und reicht zurück bis ins Jahr 1884. Ursprünglich gab es zwei Rassen - die normalerweise schwarze und etwas kleinere, die auf den Inseln des nordwestlichen Schottland lebte, sowie eine eher rötliche und etwas größere Rasse aus den abgelegenen Highlands. Heute wird die Rasse weltweit in vielen Ländern gezüchtet. Die ersten Hochlandrinder wurden 1975 nach Deutschland eingeführt, in den Vereinigten Staaten werden sie bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts genutzt.

Eigenschaften: Durch Züchtung wurden beide Rassen eins und erlangten die heute vorherrschende rot-braune Färbung. Das kleinwüchsige und relativ leichte Hochlandrind gilt als gutmütig, robust und langlebig, es eignet sich für die ganzjährige Freilandhaltung. Die langen und sehr symmetrischen Hörner sind in der Regel geschlechtsspezifisch unterschiedlich geformt. Bei Bullen haben sie typischerweise eine kräftige, waagerecht nach vorne gebogene Form. Bei den Kühen sind die Hörner meist deutlich länger und weit ausladend nach oben gebogen. Das schottische Hochlandrind liefert mittelrahmige Milch und cholesterinarmes Fleisch.

Anzahl: In Sachsen ist die Anzahl der gezüchteten Rinder (allgemein) von über 1,1 Millionen Tieren im Jahr 1990 auf gut 455.000 (Stand Mai 2020) zurückgegangen. Das geht aus dem Bericht des Statistischen Landesamtes hervor. Mit 76.500 Tieren wurden die meisten Rinder im Landkreis Mittelsachsen gehalten. (ule)

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