Schloss soll in München Käufer finden

Der Kreis hat das Wechselburg-Ensemble in einem Immobilienkatalog inseriert. Auf einer Messe in der bayerischen Landeshauptstadt läuft nun die Investorensuche. Bislang gibt es aber noch keine Interessenten. Dafür aber Reparaturbedarf.

Wechselburg.

"Wechselburg: Ein Schloss - eine Gelegenheit." Mit diesem Spruch wirbt der Landkreis in einem Immobilienkatalog für das seit 2004 leerstehende Gebäude. Das Landratsamt Mittelsachsen ist bereit, das Schloss zum symbolischen Preis von einem Euro zu verkaufen. Bedingung dafür: Der Käufer muss Investitionen garantieren. Bereits vorhandene Architekturleistungen und Nutzungskonzepte können bereitgestellt werden, heißt es in der Anzeige. Diese ist in einem Katalog zur Expo Real Immobilienmesse abgedruckt, die bis heute auf der Messe in München stattfindet.

Zu sehen ist ein Luftbild des Areals. Die Immobilie wird mit folgenden Worten angepriesen: "Schloss Wechselburg, gelegen im romantischen Tal der Zwickauer Mulde, sucht einen neuen Besitzer. Eingebettet in einen Landschaftspark, angrenzend an die bedeutende Basilika suchen wir für das Schloss Wechselburg Investoren."

Dazu stehen noch einige Fakten: Die Bruttonutzfläche beträgt 6720 Quadratmeter. Das Gelände sei medienseitig erschlossen, eine Außenfläche ist vorhanden. Abschließend steht ein Satz, der für potenzielle Käufer besonders wichtig sein dürfte: "Denkmalpflegerische Auflagen führen nicht zu einer Erhöhung der Baukosten."

Rund 12 bis 15 Millionen Euro würde die Sanierung des Schlosses kosten. Vor einigen Jahren wäre sie fast gelungen, Investoren waren gefunden. Aber dem Landkreis fehlte das Geld. 3 Millionen Euro auf sechs Jahre verteilt hätte er aufbringen müssen. Doch die Kreisräte gaben für maximal 1 Million Euro grünes Licht - für mehr fehlte der politische Rückhalt. Danach nährten Pläne eines europäischen Bildungszentrums im Objekt neue Hoffnungen - doch es blieb bei Lippenbekenntnissen. Auch schon Ende 2014 hatte es einen Rückschlag gegeben: Fördermittel des Bundes waren abgelehnt worden. Zudem hatte vor einigen Jahren auch die katholische Kirche das Interesse am Objekt verloren. Im Zuge des Missbrauch-Skandals um Mönche aus dem Wechselburger Mutterkloster Ettal distanzierte sich hinter den Kulissen auch der Freistaat Sachsen von der Idee eines Jugend- und Bildungszentrums, eine Förderung war vom Tisch.

Daher verfällt das Barock-Ensemble mittlerweile zusehends. Denn der Landkreis als Eigentümer könne nur für die nötigsten Unterhaltungsmaßnahmen aufkommen, so ein Sprecher. Lediglich Notreparaturen im Dachbereich sowie die Entfernung von Efeu werden noch im Herbst realisiert. Kosten: etwa 13.000 Euro. Für eine Sanierung fehle das Geld, ein Abriss stehe allerdings nicht zur Debatte - immerhin handele es sich um ein Kulturdenkmal, so der Sprecher. Konkrete Gespräche mit Interessenten habe es bis dato nicht gegeben, auf die Anzeige im Immobilienkatalog habe sich noch niemand gemeldet.

Der ehrenamtliche Schloss-Manager Werner Sieber rechnet auch nicht damit, dass sich noch Interessenten melden. "Ich bin Realist", sagte er gestern. Er und Wechselburgs Bürgermeisterin Renate Naumann (CDU) hoffen dennoch weiter, dass der Zerfall des ortsbildprägenden Gemäuers gestoppt werden kann. Bei Naumann haben sich vergangene Woche sogar zwei Interessenten aus Leipzig vor Ort nach dem Schloss erkundigt. Einer habe schon ein ähnliches Projekt gestemmt, so Naumann, die dem Duo den Kontakt zu Manager Sieber vermittelte. Allerdings hat dieser von den Interessenten bis gestern noch nichts gehört, sagte er. (mit döa)

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