Schloss Wechselburg: Interessent setzt Frist bis 31. Dezember

Ein Dresdener Investor will die Immobilie zu einem Hotel, einem Pflegeheim oder einem Gesundheitszentrum umbauen. Unklar ist, auf welchem Weg künftige Gäste das Schloss dann erreichen.

Wechselburg.

Die Verträge liegen bereit, doch die Unterschriften fehlen noch immer. Der vom Landkreis beabsichtigte Verkauf des Wechselburger Schlosses an den Investor Rolf Leube aus Dresden gestaltet sich offenbar schwierig. Der Kaufinteressent hat dem Landkreis nun eine Frist gesetzt: Sollte man sich bis 31. Dezember nicht mit allen Beteiligten einigen können und der Kauf abgeschlossen sein, werde er die Verhandlungen abbrechen. "Wenn es bis dahin nicht klappt, ist das Projekt für mich abgehakt", so Rolf Leube im Gespräch mit der "Freien Presse". Uneinigkeit herrscht seinen Angaben zufolge vor allem bei der Frage, über welchen Weg das Schloss zukünftig erreicht werden kann.

"Das ist ein schwieriges Unterfangen", so Leube. Denn das Gebäude sei zwischen Basilika und Kloster "eingekesselt". Tatsächlich schließt sich die Wechselburger Basilika direkt an die Schlossmauern an. Ursprünglich gab es auch eine Verbindung zwischen beiden Gebäuden. Auch das Benediktinerkloster grenzt unmittelbar an das Schloss. Das Torhaus, das zum Gesamtkomplex gehört, und der Klostergarten schließen sich ebenfalls direkt an.


"Es werden auf Grund der engen nachbarschaftlichen Grundstücksverflechtungen noch Gespräche mit Kloster, Bistum und Förderverein Torhaus geführt", teilte das Landratsamt auf Nachfrage dazu mit. Wie Pater Maurus, Prior des Wechselburger Klosters, erklärte, habe ein Architekt von der Wechselburger Gemeindeverwaltung den Auftrag erhalten, Pläne über mögliche Wege zum Schloss zu erarbeiten. "Das Ergebnis warten wir ab."

Hintergrund der Debatte über die Frage der Zufahrt ist die spätere Nutzung, die Rolf Leube im Sinn hat. Wie er berichtet, gebe es drei Ideen: eine Gesundheitseinrichtung, ein Pflegeheim oder ein Hotel. "Favorisiert wird ein Gesundheitszentrum, welches es in dieser Form weltweit noch nicht gibt", sagte er ohne weiter ins Detail zu gehen. Zur genauen Summe, die er in das Gebäude investieren möchte, äußerte sich Rolf Leube nicht konkret. "Die Billigvariante wären 10 Millionen Euro, die Luxusvariante beginnt bei 30 Millionen Euro", sagte er.

Rolf Leube erklärte im Gespräch mit der "Freien Presse" weiter, dass die Verhandlungen zum Kauf des Schlosses die längsten seien, die er bislang über eine Immobilie geführt habe. "Wir haben im Februar 2018 begonnen. Ich dachte eigentlich, dass es schneller geht." In der Landkreisbehörde spielt man den Ball allerdings zurück: "Seit März liegt ein unterschriftsreifer, von einem Notar ausgearbeiteter Vertrag vor", teilte Sprecher André Kaiser nur mit.

Die Frage, welche Alternativen es für das Schloss gibt, sollte der Investor abspringen, ließ die Kreisverwaltung unbeantwortet. Im Kloster aber macht man sich dazu bereits Gedanken. "Das Kloster arbeitet an einem konstruktiven Vorschlag. Sobald er steht, wird er dem Landkreis unterbreitet", so Pater Maurus.

Werner Sieber, ehemaliger Geschäftsführer der Schlösser Augustusburg und Lichtenwalde sowie der Burg Scharfenstein, hat sich lange ehrenamtlich um das Wechselburger Schloss gekümmert. "Es wäre für die Region ein unschätzbarer Gewinn, wenn das Schloss saniert wird", sagte er. Den Zustand des Gebäudes mit seinen Angaben zufolge rund 6000 Quadratmeter Nutzfläche kennt er gut: "Es ist fünf vor zwölf. Vor allem das Dach und viele Fenster sind marode, teilweise rankt Efeu ins Schloss", erklärte Sieber. www.freiepresse.de/schlosswebu


Einst Domizil für Krankenhaus

Im 18. Jahrhundert wurde vom Freiberger Baumeister Johann Gottlieb Ohndorff auf dem Keller des alten

romanischen Klosters das Schloss errichtet und 1756 im barocken Stil vollendet. Es war Residenz des Grafen Carl Heinrich Alban von Schönburg.

Zu DDR-Zeiten kam das Schloss in Besitz des Staates, war in den 50er- und 60er-Jahren eine TBC-Heilstätte, später ein Kinderkrankenhaus. Bis 2005 war das Schloss Fachkrankenhaus für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Mittweidaer Klinik LMK.

1998 verkaufte der Landkreis Mittweida Teile des Schlosses an das Kloster Ettal. Auch an den restlichen Gebäudeteilen hatte das Kloster Interesse, sagte schließlich aber ab. (fpe)

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