Schöne Post statt schlichter Rechnungen - ein Leitfaden

In digitalen Zeiten ist die Kommunikation schnell, aber auch flüchtig geworden. Eine Geringswalderin möchte mehr Ästhetik in die Briefkästen bringen.

Geringswalde.

Wer kennt das nicht? Die grauen Umschläge vom Finanzamt oder unpersönliche Flyer mit schriller Werbepost, gestreut "An alle Haushalte". Und immer seltener fischt man eine bunte Ansichtskarte aus Urlauben, die andere machen, aus dem Briefkasten.

Das muss nicht so bleiben, regt die Geringswalder Grafikdesignerin Tabea Heinicker an. Mit Co-Autorin Michaela Müller aus dem nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach hat sie dieser Tage ein Buch herausgebracht, das eine Fülle nützlicher Tipps enthält, wie man selbst als Anfänger den handgeschriebenen Brief oder eine Postkarte in ein kleines Schmuckstück verwandeln kann.

Dabei sind die Möglichkeiten nahezu grenzenlos. Sie reichen auf rund 190 Seiten vom selbst geschnitzten Siegel bis zum Bildbrief mit unterschiedlichen Schreibtechniken, vom individuell gestalteten Etikett bis zur gebundenen Reise-Post-Mappe. Die Publikation "Schöne Post" enthält zudem Anleitungen fürs Buchbinden, Drucken, Falten und Zeichnen.

Für Tabea Heinicker war es ein, wie sie sagt, großer und berührender Moment, als kürzlich die Belegexemplare bei ihr eintrafen. Denn die zurückliegenden Monate waren alles andere als leicht. 2019 hatten beide Postkünstlerinnen ihr Manuskript beim Haupt Verlag Bern eingereicht und den Winter hindurch bis ins Frühjahr straff an der Umsetzung gearbeitet. "Als dann Corona ein Thema wurde, befand sich das Buch gerade in der finalen Phase. Schulen und Kitas hatten geschlossen, und alles spielte sich hier zuhause ab."

Kurzerhand zog die Mutter von drei Kindern mit dem Computer und allen Utensilien aus ihrem Atelier ins Wohnzimmer um, half den beiden Großen - 13 und neun Jahre alt - bei Hausaufgaben, beschäftigte ihren sechsjährigen Sohn, und klemmte sich zugleich hinter das Layout von "Schöne Post". Jede einzelne Seite wurde von beiden Künstlerinnen druckreif in den Verlag geliefert. "Eine Herausforderung, die in Verbindung mit dem Lockdown nach zwei, drei Wochen erst so richtig spürbar wurde und mich an Grenzen brachte", gesteht die 45-Jährige. "Was passiert hier eigentlich", habe sie sich oft gefragt.

Inzwischen ist Tabea Heinicker dabei, sich neu zu sortieren. Sitzt die Grafikerin nicht an der Gestaltung ihres nächsten Buches, arbeitet sie die sogenannten Brot- und Butter-Aufträge ab: Flyer, Prospekte und Plakate. Das sei alles andere als leicht hier in der Provinz, wie sie bemerkt. Ihre Stammkundschaft komme auch eher aus den umliegenden Metropolen. Dabei war Leipzig als ostdeutsche Wahlheimat durchaus eine Option für die gebürtige Nordrhein-Westfälin. Lange habe sie das Leben in der Großstadt allerdings nicht durchgehalten. "Ich lebe lieber auf dem Land. Denn wann sieht man in Leipzig schon mal einen Sonnenuntergang?"

Ihre Community - also ihre Gemeinschaft - im Internet bedeutet für Tabea Heinicker Entspannung und künstlerische Weiterentwicklung zugleich. Über die Internetseite "post-kunst-werk.de" treffen sich ambitionierte Hobbykünstlerinnen virtuell, die sich unter Anleitung im Gelatine- und Siebdruck üben oder Musterpapiere herstellen. Jeweils im Frühjahr, Sommer und Advent laufen Projekte, für die sich Interessierte anmelden und mitmachen können.

Neben ihrer eigentlichen Arbeit ist Tabea Heinicker seit Jahren mit einem Teil des Ganztagsunterrichts an der Evangelischen Grundschule in Seelitz betraut. Ihre Erfahrungen etwa beim Zeichnen weiterzugeben, kann sich die Geringswalderin gut als nützlichen Leitfaden für andere vorstellen.

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