Schützen tragen stolz die Vereinsfahne

Vereinstreffen mit Böllerschüssen und rauschende Schützenfeste - das alles gab es über Jahrhunderte in Geringswalde. Nachkriegswirren machten dem ein Ende. Bis etliche Enthusiasten die Tradition wieder neu befeuerten.

Geringswalde.

Sie sind nicht wenig stolz auf 20 Jahre Bestehen. Die Privilegierte Bogen- und Scheibenschützen-Gesellschaft Geringswalde prägt seit zwei Jahrzehnten das Vereinsleben der Stadt entscheidend mit. Diese Tatsache und die damit verbundene Erfolgsgeschichte sollen am Samstag gebührend gefeiert werden. Eingeladen sind Geringswalder Vereine und Schützenformationen der Region. "Denn wir stehen für die Pflege des Brauchtums, das in unseren Statuten festgeschrieben ist", sagt Vereinschef Torsten Johne.

Aufwind erhielt der Verein zudem Ende 2015, als das "Schützenwesen in Deutschland" von der Deutschen Unesco-Kommission in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. "Das ist uns Ehre und Verpflichtung zugleich", sagt Johne.


Die Idee, sich wieder neu zu formieren, entstand damals beim Bier in Hartwig Zöphels Pension "Am Zwinger" an der Erich-Zeigner-Straße. Am 9. Juli 1997, dem Gründungstag der neuen Gesellschaft, hatten bereits 13 Geringswalder ihre Mitarbeit an der Wiederbelebung signalisiert. Kontakte zu Vereinen wie denen aus Geithain, Göritzhain, Hartha, Milkau und Rochlitz wurden geknüpft, Erfahrungen gesammelt und eine Schießanlage auf dem Festplatz in Altgeringswalde installiert. Indes bewegten die Schützen schon Umzugspläne. "Ziel war mehr Zentrumsnähe", erklärt Johne. Und das sah einen Standort am Festplatz unmittelbar am Großteich vor. Der Verein verhandelte mit der Stadtverwaltung, gab Baugutachten in Auftrag, ließ die Statik prüfen, hatte Umweltauflagen zu erfüllen und letztlich 14 Ordner mit Papier im Aktenschrank. "Doch wir hatten es gestemmt. 2007 ging die Eröffnung über die Bühne", erinnert sich Johne. Seither finden Stadtmeisterschaften und Schützenfeste genau dort statt, wo Trubel herrscht und die Schützen auch wahrgenommen werden.

Vom Vorwurf des "wilden Geballers" oder einer bedenklichen Affinität zu Waffen distanzieren sich die Schützen. "Der Reiz besteht für mich in der Präzision, um die Scheibe oder Zepter, Apfel oder Krone des Vogels tatsächlich auch zu treffen", verdeutlicht Schatzmeister Matthias Steingräber. Aus seiner Sicht noch anspruchsvoller gehe es beim Bogenschießen zu.

Und Torsten Johne ärgert es, wenn in unregelmäßigen Abständen auf den Schießsportbegeisterten herumgehackt wird. "Nach den furchtbaren Amokläufen von Erfurt und Winnenden wurde das Waffengesetz novelliert. Und trotzdem gerieten wir ins Visier von Kritikern, die keine Ahnung haben, welchen strengen Kriterien wir unterliegen." Die Hürden für Waffenbesitz seien hoch. Zunächst müsse der Interessent wenigstens ein halbes Jahr Mitglied im Verein sein und über zwölf Monate praktische Übungen im Schießbuch nachweisen. "Die Sachkundeprüfung fußt auf einem Katalog, der über 700 Fragen umfasst", macht Johne klar. Und ehe eine Waffenbesitzkarte ausgegeben würde, prüfe die Untere Waffenbehörde im Landratsamt die Unbedenklichkeit und der Sächsischer Schützenbund das Bedürfnis des Antragstellers. Und nicht zuletzt sei ein genormter Waffenschrank zwingend vorgeschrieben.

Die Privilegierte Bogen- und Scheibenschützen-Gesellschaft Geringswalde feiert das 20-jährige Bestehen am 29. April ab 13.30 Uhr im Festzelt am Großteich. 14 Uhr beginnt das Vogelschießen, ab 19 Uhr das Abendprogramm. Für 22 Uhr ist ein Feuerwerk geplant.


Erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1484 zurück

Das Schützenwesen hat in Geringswalde eine lange Tradition. Die erste urkundliche Erwähnung der Schützengesellschaft datiert auf das Jahr 1484. 1498 bestätigt der Meißner Bischof auf Schloss Wurzen den von der Geringswalder Schützengesellschaft gestifteten Altar zu Ehren von St. Sebastian und St. Fabian sowie die dazugehörige Stiftung.

1788 bauen die Schützen ein Schießhaus auf der Schützenwiese (heutige Freifläche vor dem Feuerwehrdepot). 1898 werden Schützenhaus und Schießstände an die Schillerhöhe verlegt und damit aus Sicherheitsgründen weg von der 1893 eröffneten Eisenbahnstrecke.

1907 muss an den Schießständen erneut für mehr Sicherheit gesorgt werden. Grund: Eröffnung des König-Friedrich-August-Turmes.

1934 wird die Schützengesellschaft in den "Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen" eingegliedert und verliert die Eigenständigkeit.

Das letzte Schützenfest wird 1940 gefeiert und der Verein 1948 aus dem Register gelöscht.

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