Schulbusse überfüllt - Eltern kritisieren Verkehrsbetrieb

Derzeit fahren keine Chemnitzbahnen nach Burgstädt. Die dafür eingesetzten Busse sind zu klein. Die Citybahn hat jetzt reagiert.

Chemnitz.

Nach Kritik wegen überfüllter Schulbusse auf der Strecke zwischen Chemnitz und Burgstädt lenkt die Citybahn ein. Ab 17. Juni sollen bei den Fahrten 6.40 Uhr ab Chemnitz und 13.32 Uhr ab Burgstädt an Schultagen jeweils zwei Busse unmittelbar hintereinander eingesetzt werden. Das sagte ein Sprecher des Verkehrsverbundes Mittelsachsen. Möglich werde das durch den gleichzeitigen Wegfall der Fahrten 6.07 Uhr ab Chemnitz und 14.12 Uhr ab Burgstädt. Diese Fahrten seien bislang nur von sehr wenigen Fahrgästen genutzt worden. Die Online-Fahrpläne würden dahingehend korrigiert. Außerdem will die Citybahn Fahrgäste persönlich informieren.

Um 7.40 Uhr beginnt im Burgstädter Gymnasium der Unterricht. Viele der rund 720 Schüler kommen aus den umliegenden Orten, so auch Lilly-Rose Hähne, die die sechste Klasse besucht. Die Zwölfjährige wohnt in Wittgensdorf. Eigentlich besteht eine günstige Verbindung mit der Chemnitzbahn C 13. Doch seit zwei Wochen verkehren Busse zwischen Chemnitz und Burgstädt wegen Bauarbeiten am Eisenbahnviadukt über die Blankenauer Straße. Für die Schulkinder wurde ein Zusatzbus eingesetzt, damit diese pünktlich in Burgstädt ankommen.


"Pünktlich ist der Bus", sagt Mutter Lysann Hähne. Aber das Fahrzeug sei viel zu klein für die vielen Schulkinder. "Die Kinder müssen auf den Treppen und im Türbereich stehen", fügt die 41-Jährige hinzu. Das sei ein erhebliches Sicherheitsrisiko. "Was passiert, wenn der Bus plötzlich bremsen muss?" Sie habe mit anderen Eltern eine Fahrgemeinschaft gebildet und bringe ihre Tochter an manchen Tagen mit dem Auto nach Burgstädt. Aber die meisten Eltern sind berufstätig und können die Kinder nicht abholen. "Nach Schulschluss ist die Situation noch schlimmer", sagt Hähne. Zu den Schülern gesellten sich noch weitere Mitfahrer, so ältere Menschen mit Rollatoren oder auch Eltern mit Kinderwagen. "Am Dienstag war die Situation so prekär, dass die Kinder schon auf dem Armaturenbrett des Busses saßen", erzählt die Wittgensdorferin. Janet Koch bestätigt die Situation. Ihre Tochter geht in die siebente Klasse. Sie habe an einem Tag die Schüler gezählt. Der eingesetzte Reisebus - viel kleiner als ein Gelenkbus - komme am Bahnhof Wittgensdorf-Mitte schon zu 70 Prozent gefüllt an. Dort seien 32 Kinder eingestiegen. Am Oberen Bahnhof kämen dann noch zwischen 20 und 25 Kinder hinzu. "Und da fahren Abiturienten gar nicht mit, sonst wären es noch mehr", sagt Koch.

Ihre Tochter habe erzählt, dass der Busfahrer die Kinder noch angeschimpft habe, sie sollten "sich nicht so anstellen und bissel zusammenrutschen", zitiert sie die Aussagen. Sie habe gehört, dass am Donnerstag ein Kind wieder aussteigen musste, weil die Türen nicht geschlossen hätten. Nach zehnminütiger Hin- und Herschieberei habe es wieder einsteigen dürfen. "Das sind doch keine Zustände, muss erst etwas passieren?", fragt sie ärgerlich.

Was die beiden Frauen aber noch auf die Palme bringt, sei die Tatsache, dass die Citybahn als Betreiber der Chemnitzbahn auf Anfragen und Beschwerden nicht reagiert. "Erst als ich die ,Freie Presse' informiert habe, kam eine Antwort per Mail", sagt Lysann Hähne. Darin heißt es: "Wir sind mit dem Busunternehmen im Gespräch, um eine bessere Lösung zu finden." Größere Busse könnten aber nicht eingesetzt werden, da nicht überall eine Durchfahrt gewährt sei. Aus diesem Grund seien auch die Taktzeiten im Schülerverkehr verdichtet worden.

"Aber wo diese Engstellen sind, wird nicht beantwortet", sagt Janet Koch, die eine gleichlautende Antwort erhalten hat. Bei mehreren Anrufen und Bitten für einen persönlichen Kontakt sei sie immer wieder vertröstet worden, sie solle eine E-Mail schicken. Am Kontakttelefon habe Lysann Hähne die Antwort erhalten: "Seien Sie doch froh, dass der Bus überhaupt eingesetzt wird."

Citybahn und Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) sind für den Schienenersatzverkehr sowie die Schülerbeförderung zuständig. "Wir bedauern die Unannehmlichkeiten", sagt VMS-Sprecherin Jeanette Kiesinger. Die Probleme seien bekannt. Bei der Citybahn lägen sieben schriftliche Beschwerden vor. Von dem Kind, das am Donnerstag aussteigen musste, habe sie noch nichts gehört.

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