Schulleiterwechsel: Erlauer Eltern ist bange vor Schulanfang

Mit Traurigkeit und Wut haben Familien von Grundschülern in Erlau auf die Versetzung von Eric Kaltschmidt nach Hainichen reagiert. Kritik richten sie ans Schulamt.

Erlau.

Mit ungewissem Blick schaut Denny Jonies aus Milkau auf die nächsten Wochen, wie er sagt. Wer wird am 11. August die Schulanfangsfeier für seinen Sohn an der Erlauer Grundschule gestalten? Wie wird der Unterricht abgesichert? Wird es eine Fußball-AG geben, die sein Kind besuchen kann? Der 41-Jährige weiß es nicht. Hintergrund ist der Wechsel des Erlauer Schulleiters Eric Kaltschmidt an die Grundschule in Hainichen.

Die Personalie war erst kurz vor den Ferien öffentlich bekannt geworden. Nach zwei Jahren als Leiter in Erlau wurde Kaltschmidt vom Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) an die Grundschule in Hainichen versetzt. Ab August wird er dort Chef sein, zunächst für ein Jahr. Frei wurde die Stelle, weil Schulleiterin Grit Eichner ab August die Mittweidaer Pestalozzi-Grundschule führt. Eichner wird zusätzlich die Schulleitung in Erlau übernehmen. Dabei würden sie die Lehrer vor Ort unterstützen, so das Lasub.

Kaltschmidt war auch Klassen- und Sportlehrer, hat ein Ganztagsangebot aufgebaut. Es gab Pläne, mit der Gemeinde die Zusammenarbeit von Schule und Hort auszubauen. "Die Gemeinde wollte etwas mit ihm anschieben, da wird ein Strich durchgemacht", sagt Jonies. Er frage sich, wie von Mittweida aus die Leitung einer zusätzlichen Schule gelingen soll, schließlich sei der Direktorenposten in Erlau bislang eine Vollzeitstelle gewesen. Über den Wechsel erst zwei Tage vor den Ferien zu informieren, sei eine "riesengroße Schweinerei".

Auch Katja Göbel aus Milkau, deren jüngere Tochter zuletzt die vierte Klasse in Erlau besuchte, ist wütend. In einer E-Mail, die der "Freien Presse" vorliegt, hat sie sich am 29. Juni ans Lasub gewandt. "Sie haben es geschafft, am letzten Schultag [...] eine Gemeinde, deren Angestellte, Lehrer und Schüler der Grundschule und deren Eltern in Schockstarre zu versetzen und somit viele Tränen fließen zu lassen", schreibt sie. Weiter fragt sie: "Ist es unerträglich für das Schulamt, wenn eine kleine Grundschule funktioniert, sich über zwei Jahre etwas aufbaut, Eltern, Lehrer und Schüler miteinander toll zusammenarbeiten?" Sie habe Bekannte und Freunde, deren Kinder eingeschult werden und die völlig ratlos auf die Schuleinführung blicken, schreibt die 43-Jährige. Bisher liege ihr keine Stellungnahme vom Lasub vor, sagte sie gestern.

Die Mail sei im Lasub eingegangen, bestätigt Referentin Michaela Bausch auf Nachfrage der "Freien Presse". Sie sei der Behördenleitung zur Kenntnis gegeben worden. Zu Göbels Kritik äußerte sich das Amt nicht. An der Erlauer Schule werden laut Lasub ab dem neuen Schuljahr 86 Kinder unterrichtet. "Freie Presse" fragte, wer die Schulanfangsfeier leiten wird, wie viele Lehrer und ob es einen Sportlehrer geben wird. Dazu das Amt: Die Schule habe sechs Lehrkräfte, einschließlich dem abgeordneten Schulleiter. Mit Kaltschmidt habe man vor seiner Abordnung detaillierte Absprachen getroffen. Dazu zählten die Gestaltung des Schulanfanges und die Absicherung des Sportunterrichts.

Zunächst sei vorrangig, dass der normale Schulbetrieb erhalten bleibt, so Erlaus Bürgermeister Peter Ahnert. Dann müsse überlegt werden, welche Ganztagsangebote erhalten bleiben. Am Ziel, die räumlichen Kapazitäten der Schule mehr für den Hort zu nutzen, halte die Gemeinde fest. Es gebe dazu einen Termin beim Landesjugendamt.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...