Schwerer Start ins Schulleben

Im Landkreis sind mehr als sechs Prozent der Schulanfänger zu dick. Die Amtsärztin rät zu mehr Bewegung im Freien.

Rochlitz.

Wenn Mitte August rund 3000 Abc-Schützen in Mittelsachsen ihre Schullaufbahn beginnen, dann tragen etwa 200Kinder nicht nur ihre Zuckertüte nach Hause, sondern auch zu viel Körpergewicht mit sich herum. Die mittelsächsische Amtsärztin Annelie Jordan stellte bei den Einschuluntersuchungen 2016/17 fest, dass 6,4Prozent der 2668 Schulanfänger übergewichtig und 4,2 Prozent adipös, also krankhaft fettleibig sind (Schuljahr 2015/16: 2629 Einschüler - davon 5,4 Prozent übergewichtig und 5,1 Prozent adipös). Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor.

Seit Jahren bleibt die Anzahl der Kinder, die zu viel Gewicht auf die Waage bringen, etwa gleich hoch, beziehungsweise steigt kontinuierlich an. "Die hohe Zahl an übergewichtigen oder adipösen Schulanfängern ist ein deutschlandweites Problem. Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle, wie mangelnde Bewegung und falsche Ernährung", erläutert die Amtsärztin.

Bei den Schulaufnahmeuntersuchungen werden Körpergewicht und Körpergröße der Schulanfänger gemessen. Daraus errechnet sich der Body-Mass-Index (BMI). Er wird für jedes Kind erfasst. Liegt der Wert dabei über einer bestimmten Grenze, muss sie feststellen, dass das Kind übergewichtig ist. "Die Eltern werden dann darauf hingewiesen und es erfolgt direkt eine Beratung zu möglichen Ursachen und Handlungsempfehlungen", erläutert die Ärztin. Liegt der BMI-Wert so hoch, dass sie sogar Fettleibigkeit diagnostizieren muss, erhalten die Eltern eine Facharztüberweisung.

"Die weitere individuelle Betreuung und Behandlung der übergewichtigen und adipösen Kinder obliegt dann den Kinder- und Fachärzten", erklärt Jordan. Krankenkassen bieten mit Gesundheitsförderungsprogrammen in Kitas und Schulen Möglichkeiten, die auf Bewegung, Ernährung und allgemeine Lebensgewohnheiten gesundheitsfördernd einwirken. Daneben unterstützt das Gesundheitsamt die Erziehungs- und Bildungseinrichtungen mit Projekten. Neben der gesunden Ernährung und Lebensweise müsse gesteigerter Wert auf eine regelmäßige körperliche Betätigung gelegt werden. Nicht nur der Sportunterricht in der Schule, auch die Bewegung in der Freizeit sei wichtig. "Allgemein gesprochen, haben wir aber schon gesunde Kinder in Mittelsachsen", fügt Annelie Jordan hinzu. Jedoch stelle sie bei den Untersuchungen immer wieder Defizite fest. "Neben Sprachentwicklungsauffälligkeiten sind das auch Störungen der Fein- oder Grobmotorik sowie Sehschwächen. Das setzt sich schon über viele Jahre fort," so die Ärztin.

Dabei werden die Kinder bereits ab dem Vorschulalter regelmäßig amtsärztlich untersucht. Das sogenannte Entwicklungs-Screening der Vierjährigen wird zwei Jahre vor Einschulung durchgeführt. Bei den Vorschulkindern in der Kita werden die Sinnesorgane (Seh- und Hörfunktion), die Sprache, die Grob- und Feinmotorik, die Aufgabenerfassung sowie Ausdauer, Konzentration und Wahrnehmung getestet. "Ziel dabei ist es, entwicklungsauffällige Kinder herauszufinden und diese in einer entsprechenden Therapie, zum Beispiel mit Integration in der Kita oder häuslicher heilpädagogischer Frühförderung zu unterstützen. Damit soll eine frühzeitige Förderung auf den Weg gebracht werden, damit einer termingemäßen Einschulung nichts entgegensteht," sagt die Amtsärztin.

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