Sonderschau zeigt Sorge um eleganten Greifvogel

Dem Rotmilan droht aus mehreren Richtungen Gefahr. Über das Leben des gefiederten Jägers klärt eine neue Ausstellung auf der Rochsburg auf.

Kathrin Hillig, Geschäftsführerin der Mittelsächsischen Kulturgesellschaft (r.), und Petra Riemann, Mitarbeiterin für Artenschutz bei der Deutschen Wildtier Stiftung, informieren sich in der Schau auf der Rochsburg über das Leben des Rotmilans.

Für Sie berichtet: Babette Philipp

Auf dem linken Teller liegen eine Wiener, ein Brötchen mit Käse, Salat und ein Dessertstück. Rechts daneben ist für den Rotmilan gedeckt: Insekten, eine Maus, ein Fisch, Regenwürmer, ein Kleinvogel. Im Gegensatz zum Menü für den Menschen wird das für den Rotmilan zunehmend weniger. Der Greifvogel findet nicht mehr genügend Futter. Warum das so ist und was man tun müsste, damit der gefiederte Jäger weiterhin überleben kann, erfahren Besucher in einer am Wochenende eröffneten Sonderausstellung auf der Rochsburg.

Eine Besonderheit ist das kleine Verbreitungsgebiet des Rotmilans. Es gibt ihn nur in Europa. Mehr als die Hälfte der Rotmilane brütet sogar in Deutschland. Dabei hat die Anzahl der brütenden Paare seit den 1990er-Jahren um mehr als ein Drittel abgenommen. Das wird in der Schau dargestellt. Sie wurde vom Deutschen Verband für Landschaftspflege, dem Dachverband Deutscher Avifaunisten und der Deutschen Wildtierstiftung gestaltet. Unter dem Motto, unter dem auch die Ausstellung auf der Rochsburg steht, "Land zum Leben für den Rotmilan", wollen sie dessen Zukunft sichern.

Unter anderem durch genügend Beutetiere auf den Äckern. "Durch die Monokulturen finden Greifvögel kaum noch etwas zu fressen", erklärt der Rochsburger Museumschef Lutz Hennig. "Es müssten Blühstreifen zwischen die Felder, in denen sich Insekten ansiedeln. Die wiederum sind Nahrung für Kleinsäuger wie Mäuse und alle zusammen Futter für den Rotmilan", so Hennig weiter. Eine der Botschaften der Ausstellung sei, die Felder so zu bewirtschaften, dass es den Wildtieren und damit letztlich dem Mensch gut geht. Die Ausstellung zeigt nicht nur Speiseplan und Verbreitung des Rotmilans, sondern auch sein prächtiges Gefieder. Kleine Audiosequenzen ergänzen die informativen Schautafeln.

Eine überdimensionale Postkarte zieht das Auge des Betrachters an. Sie zeigt eine blühende Landschaft in südlichen Gefilden. Adressiert ist sie an Rolf und Resi Rotmilan, geschrieben von Ronny, der im Winterquartier Spanien gut angekommen ist. Das ist nicht selbstverständlich. "In südlichen Ländern gelten die Greifvögel als Trophäen und werden abgeschossen", so Hennig. Also eine weitere Gefahr für den Rotmilan. Eine dritte geht von Windkraftanlagen aus. "Die Flächen um die Anlagen werden nicht bewirtschaftet, der Rotmilan sucht dort sein Futter und kommt dabei nicht unter, sondern in die Räder", erläutert Hennig. 36 Prozent der Opfer von Windkraftanlagen seien Greifvögel, von denen wiederum ist mehr als ein Viertel der Rotmilan. Die Gefahr bannen könne man unter anderem durch Schutzabstände zu den Horsten, in denen die Vögel nisten. Solche Abstände - zwischen 1000 und 1500 Meter - sind, wie die Ausstellung zeigt, in fast allen Bundesländern vorgegeben. Nur in Brandenburg und Sachsen nicht. "Windkraft ja, aber so, dass sie für Tiere keine Gefahr darstellt", fasst Hennig die Botschaft zusammen.

Er habe die Ausstellung vergangenes Jahr auf Rügen gesehen und fand sie sehr gut. Da der Rotmilan gerade in Mitteldeutschland angesiedelt ist, sei es auch passend, die Schau hier zu zeigen. "Wir haben als Museum auch einen Bildungsauftrag und wollen in diesem Sinne auf Probleme aufmerksam machen und Lösungswege aufzeigen", sagt Hennig. Es gehe darum, für dieses Thema zu sensibilisieren, aber auch den Menschen zu zeigen, was die einheimische Natur alles biete und wie verbreitet, aber auch gefährdet die Rotmilane sind.

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