Sozialservicegesellschaft für zweite Welle gerüstet

Besuche im Rochlitzer Altenheim sind wieder möglich, auch die Tagespflegen sind geöffnet. Ein Alltag wie vor Corona herrscht aber in den Einrichtungen noch nicht.

Rochlitz.

Die Situation in den Einrichtungen der Rochlitzer Sozialservicegesellschaft (SSG) hat sich normalisiert. Familienangehörige gehen im Altenpflegeheim an der Mathesiusstraße längst wieder ein und aus. Auch die Tagespflegen in Erlau und Rochlitz sind in Betrieb. Das städtische Tochterunternehmen ist mit seinen 150 Mitarbeitern bisher gut durch die Coronakrise gekommen. "Wir hatten Verdachtsfälle in den Reihen des Personal, aber alle Tests waren negativ", erklärt Bräunlich.

Nur kleinere Einschnitte sind aktuell aufgrund der Pandemie zu spüren. So müssen sich zum Beispiel Besucher an- und abmelden. "An der Rezeption haben wir die Öffnungszeiten um eine Stunde auf 18 Uhr verlängert", sagt Bräunlich. Am Wochenende und an Feiertagen ist jetzt ebenfalls jemand da, damit die Gäste das entsprechende Formular ausfüllen können. Der Bedarf nach diesem neuen Service ist offenbar vorhanden: An einem Samstag im Juli erhielten 46 Heimbewohner Besuch. Außerdem ist die Cafeteria vorerst noch bis Ende August geschlossen. Und selbstverständlich gelten, wie SSG-Chef Knut Bräunlich betont, die allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln, wie etwa das Tragen von Mundschutz.

Ein weiteres Zeichen, dass sich die Lage entspannt hat: Traf sich ab Mitte März ein rasch zusammengestelltes Corona-Krisenteam dreimal pro Woche, tauscht sich die Gruppe zurzeit einmal wöchentlich aus. "Es war für alle eine extrem harte Zeit", bilanziert der SSG-Geschäftsführer und meint damit, neben den Bewohnern, die über Wochen keine Besuche empfangen durften, auch das Personal. "Wir hatten ja von heute auf morgen zu", fährt Bräunlich fort. Damit zielt er auf eine Entscheidung der Landespolitik ab. Um alte Menschen vor einer Corona-Ansteckung zu schützen, hatte die Staatsregierung am 20. März unter anderem die Schließung von Tagespflege-Einrichtungen ab den 23. März angeordnet. Die Führungsspitze der Sozialservicegesellschaft handelte sofort und rief noch am Wochenende alle Angehörigen an. Dass die Tagespflege zumachen musste, wirkte sich genauso auf die gut zehn Mitarbeiter aus. "Unser Ziel war es, Kurzarbeit zu vermeiden. Das hat geklappt", so Bräunlich. "Einige haben übergangsweise Aufgaben in anderen Bereichen unternommen, wenige haben von sich aus gekündigt." Momentan führt der SSG-Chef Gespräche, um die freien Stellen zu besetzen.

Zwar war es eine harte Zeit, aber eine lehrreiche. Bräunlich sieht sich für eine zweite Welle und mögliche Einschränkungen gut gerüstet. "Wir haben wichtige Erfahrungen gesammelt. Auf die können wir im Fall der Fälle zurückgreifen." Damit die Heimbewohner in Zeiten des strikten Besuchsverbots Kontakt zu ihren Liebsten halten konnten, setzte die SSG auf Video-Telefonie. Zudem wurde am Muttertag ein erstes Wiedersehen zwischen Bewohnerinnen und Angehörigen ermöglicht, die im Eingangsbereich durch eine Plexiglasscheibe getrennt waren.

Außerdem greifen Vorsichtsmaßnahmen: Von den 87 Plätzen im Altenheim und in der Kurzzeitpflege sind aktuell nur 77 belegt - und dass, obwohl die Nachfrage danach eigentlich groß ist. "Wir können aber so, falls ein Coronafall auftritt, betroffene Bewohner isolieren", sagt Bräunlich. Zurzeit lässt der SSG-Chef zudem klären, wohin seine Mitarbeiter in den Urlaub fahren. "Hält sich jemand in einem Risikogebiet auf, muss er dies an den zuständigen Bereich melden." Und nicht zuletzt sind in diesem Sommer bis auf den technischen Bereich keine Ferienarbeiter beschäftigt.

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