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Spende für die Tafel in Rochlitz: Gymnasiasten schenken Bedürftigen eine Freude

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Die Mädchen und Jungen einer siebten Klasse haben Plätzchen gebacken und Pakete gepackt. Am Dienstag überreichten die Schüler die Geschenke der Tafel. Dort durften sich bedürftige Familien über das kleine Präsent freuen.

Rochlitz.

Dienstag, 10 Uhr. Ein nasskalter Dezembertag. Vier Frauen stehen bei zwei Grad Celsius vor der Ausgabestelle der Tafel an der Hochuferstraße in Rochlitz. Sie sind in dicke Jacken gehüllt und tragen Wollmützen. Nach und nach kommen weitere Frauen und Männer hinzu - die Jüngsten Anfang 20, die Ältesten weit im Rentenalter. Eine hat einen Klappstuhl mitgebracht. Die Leute stellen sich in eine Schlange, tauschen sich aus über die Neuigkeiten in der Stadt, plaudern über Privates und mehr. Und sie warten darauf, dass wie jeden Dienstag die Tafel um 13 Uhr öffnet. "Manche kommen immer so früh", sagt Elly Martinek, die mit ihrem vierköpfigen Helferteam die Ausgabestelle betreut.

Weniger Spenden, aber mehr Bedürftige

Eher dürfen die Wartenden nicht in den Raum hinein, in dem bis 14.30 Uhr Kisten mit Lebensmitteln verteilt werden. Hygienevorschriften heißt es als Begründung. Aber auch ein reibungsloser Ablauf wird so garantiert. Denn drinnen können immer nur drei bis vier Leute gleichzeitig ihre Lebensmittel aus der Kiste in mitgebrachte Tüten, Rucksäcke und Rollkoffer umpacken. Vier Euro müssen die Bedürftigen laut Maxi Lippmann, die die Ausgabestellen der Tafel des Netzwerks Mittweida koordiniert, je Kiste zuzahlen. Champignons liegen heute unter anderem darin, Bohnen, Kartoffeln, Äpfel, Marmelade und Suppe in einer Folienrolle. Brot und Brötchen gibt es ebenfalls. Allesamt Lebensmittel, die Helfer der Tafel von Supermärkten, Bäckereien, Tankstellen und anderen Anbietern aus der Region die Tage zuvor an Spenden erhalten haben.

Was dem Netzwerk, dem Trägerverein der Tafel mit Ausgabestellen in Döbeln, Hainichen, Hartha, Mittweida, Penig, Rochlitz, Roßwein und Waldheim, zu schaffen macht: Die Inflation, die gestiegenen Kosten für Energie und Sprit, aber auch dass Supermärkte das Warenwirtschaftssystem effizienter gestaltet haben und somit weniger Lebensmittel für Spenden übrig bleiben. Ein weiterer Punkt: Die Anzahl der Bedürftigen steigt an, auch wegen der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Griffen im Dezember 2021 in Rochlitz 86 Menschen aus 53 Bedarfsgemeinschaften auf das Angebot der Tafel zurück, sind es nun 196 Menschen aus 115 Bedarfsgemeinschaften. "Der Anstieg ist ordentlich", sagt Lippmann.

Die Folge: Martinek und ihre Mitstreiter können je Bedarfsgemeinschaft nur eine Kiste abgeben. "Vor einem Jahr bekamen Familien zwei Kisten, aber das geht nicht mehr", erklärt Tafelmitarbeiter Roy Wähner. Trotzdem kann nach wie vor die größte Not gelindert werden. "Das hilft wirtschaften", sagt ein Hartz-IV-Empfänger, der seit dem Start der Tafel in Rochlitz im Mai 2020 hierherkommt. "Für einen allein reichen die Lebensmittel eine gute Woche", fährt er fort.

Siebtklässler packen Weihnachtsgeschenke und backen Plätzchen

Auch nächste Woche wird sich der Rochlitzer in die Schlange stellen. Eine Erklärung, warum die Leute überhaupt so früh aufschlagen, liefert Elly Martinek. "In seltenen Fällen mussten wir welche wegschicken." Schließlich werden Woche für Woche nur an die 40 Kisten angeliefert.

Am Nikolaustag reichten die Lebensmittel für alle Wartenden. Und nicht nur das: Die Kunden, wie die Tafelhelfer die Bedürftigen nennen, durften sich über eine kleine Überraschung freuen. Die Mädchen und Jungen der 7/1 des Gymnasiums überreichten am Vormittag an die Hilfsorganisation rund 30 Weihnachtspakete und ebensoviele Tüten mit Plätzchen. "Wir unterstützen privat die Tafel und haben überlegt, was wir Weihnachten machen können", sagt Deutschlehrerin Heike Lehmann. Rasch war die Idee geboren, "Familien, denen es nicht so gut geht" eine Freude zu bereiten. Ihre Schüler waren von dem Vorschlag begeistert. Während sich jeder Siebtklässler um ein Geschenk für ein Kind kümmerte, buk die Klasse während des Unterrichts gemeinsam Plätzchen. "Das hat den Teamgeist gestärkt", ergänzt Englischlehrerin Christin Müller. Und die 13-jährige Emilia Döring sagt: "Die Aktion finde ich gut, weil wir damit Leute unterstützen, die nicht so viel Geld haben und Familien helfen, ein schönes Weihnachten zu haben."acr

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