Sporthalle heißt jetzt "Roselore Sonntag"

Viele Interessierte haben sich die neue Einrichtung in Geringswalde angesehen. Auch eine besondere Person war dabei.

Geringswalde.

Corona macht alles anders, vieles auch komplizierter und verlangt einiges an Improvisationstalent. Letzteres bewies Bürgermeister Thomas Arnold (parteilos) am späten Mittwochnachmittag: Er hatte den offiziellen Teil des kleinen Festes zur Fertigstellung der "Sporthalle Roselore Sonntag" kurzerhand ins Freie verlegt. Wer das Innere der Sportstätte auf dem Gelände der Diesterweg-Grundschule besichtigen wollte, wurde schubweise und in Filzschlappen eingelassen.

"Wir haben mit dem Bauprojekt später angefangen als die Arbeiten am Flughafen Berlin Brandenburg und sind eher fertig geworden", sagte der Stadtchef mit einem Schmunzeln. Wobei auch hier die Schwierigkeiten nicht ohne gewesen wären. "Noch bevor eine Berliner Firma den Sportboden einbauen konnte, war sie pleite." Arnold erinnerte auch an Zeiten heftiger Debatten, in denen eine Zweifelderhalle gefordert wurde. Doch die hätte locker das Doppelte gekostet.

Ein Gewinn für die Grundschüler: der in den Hallenkomplex integrierte Speiseraum. Der ersetzt seit Sommer vergangenen Jahres den in die Jahre gekommenen Flachbau.

Für Geringswaldes Ehrenbürgerin Roselore Sonntag wird der 23. September, wie sie sagte, unvergessen bleiben. Die 86-Jährige ist Namensgeberin der Sportstätte. "Eine Ehrung, die mich sehr berührt." Die einstige Spitzensportlerin und Olympiateilnehmerin von 1960 verwies auf die Anstrengungen, die unternommen worden waren, um das Projekt überhaupt stemmen zu können. "Das ist nicht selbstverständlich. Und ich wünsche mir, dass junge Geringswalder Sportler mit Spitzenleistungen etwas zurückgeben und vielleicht einmal selbst an Olympiaden teilnehmen und meine Heimatstadt bekannt machen."

Die im Februar 1934 in Geringswalde geborene Turnerin aus der ersten Riege des DDR-Sports hatte in den bewegten 1950er- bis in die 1960er-Jahre hinein allein zehn Meistertitel und sieben Silber- und Bronzemedaillen eingeheimst, war in nationalen wie internationalen und olympischen Wettkampfstätten zu Hause und kehrte nach einer aufregenden Karriere als Trainerin in der Sportstadt Leipzig Ende der 1980er-Jahre wieder nach Geringswalde zurück. Ihre Erlebnisse aus dieser Zeit hielt Roselore Sonntag in ihrer Autobiografie fest, die 2013 unter dem Titel "Wer sich so schön nach hinten dreht" erschien.

Indes nahm dieser Tag der offenen Sporthallentür weiter Fahrt auf. Wegbegleiter und Überraschungsgäste ließen ihre "Rosel" symbolisch hochleben. Pferdsprung-Europameisterin Ute Kahlenberg-Starke war mit Leipziger Trainerkollegen erschienen.

Und dann meldete sich Geringswaldes zweiter Vize-Bürgermeister Thomas Damm (FDP) zu Wort. Er habe schon vor Längerem mit dem Harthaer Karikaturisten, Maler und Bildhauer Gerhard Dörner einen Plan geschmiedet. "Du malst für die Rosi ein Bild." Und das wurde von der Namensgeberin feierlich enthüllt. In Acryl auf Leinwand ist nun im Speiseraum ihr Konterfei zu sehen, dazu eine Szene auf dem Barren. "Es wäre schön, wenn sich in Geringswalde wieder eine Turnerriege bilden würde", regte Roselore Sonntag an.

Möglich war der Neubau durch das von Bund und Land aufgelegte Programm Brücken in die Zukunft. Die Kommune steuerte rund 60 Prozent der Gesamtkosten von etwa 1,3 Millionen Euro bei.


Was Geringswalder Einwohner zur neuen Sportstätte sagen

Wolfram Berthold (66): "Die Sporthalle ist schön geworden. Und ich hätte nicht gedacht, dass die Halle innen so geräumig ist. Das hat mich überrascht. Gelungen finde ich auch die Lösung für Umkleiden und Duschen. Früher war man ja froh, wenn man wenigstens ein Waschbecken hatte. Und die Lage ist sehr komfortabel. Die Kinder müssen nun nicht mehr die Straße überqueren, um in ihre Turnhalle zu gelangen."

Jakob Band (20): "Alles hier ist so wunderbar neu. Und der gesamte Komplex mit Speiseraum ist definitiv sein Geld wert. Der Hallenbereich ist größer als im Altbau gegenüber. Damit dürften Kinder weitaus besser zurechtkommen. Und die Lage gleich auf dem Gelände der Grundschule ist ideal. Zwischen den Bedingungen in der alten Turnhalle, die ich auch noch kenne, und der neuen liegen Welten."

Gabi Inhoff (57): "Super Bedingungen für Schüler, die hier unterrichtet werden. Ich empfinde das neue Gebäude als absolute Bereicherung. Und ich hoffe, dass alles pfleglich behandelt wird. Ich war früher aktive Handballerin, trainiere allerdings nicht mehr. Aber was ich mir gut vorstellen könnte, wäre eine Badminton-Gruppe, die in der Halle spielen könnte. Der würde ich mich gern anschließen." (grün)

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