Stadt Penig will in alter Brauerei wieder Bier brauen

Ein Teil der Gebäude soll abgerissen, der andere zu einer kleinen Braustätte mit Kulturzentrum umgebaut werden. In der ersten Sitzung des neuen Stadt-rates will die Verwaltung dazu die Stimmung testen.

Penig.

In Penig könnte künftig wieder Bier gebraut werden. Denn die Stadt ist ihrem Wunsch, das ehemalige Brauereigelände zu kaufen und das Areal städtebaulich aufzuwerten, ein ganzes Stück nähergekommen. Nach der Insolvenz der Peniger Spezialitätenbrauerei im Jahr 2013 und dem anschließenden Kauf durch die Brauhaus Hartmannsdorf GmbH gammelt der Gebäudekomplex an der Brauhausgasse vor sich hin und verfällt. Das soll sich ändern.

"Es hat Gespräche gegeben, und der Verkauf ist nun ein Thema", sagte Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU) der "Freien Presse". Seit längerer Zeit gab es von der Stadt immer wieder Anfragen bei Brauhaus-Chef Ludwig Hörnlein. Der hatte gegenüber der "Freien Presse" erklärt: "Wenn es ein sinnvolles Konzept gibt, bekommt die Stadt von mir jegliche Unterstützung."


Offenbar ist es nun soweit, denn zur konstituierenden Ratssitzung am morgigen Donnerstag hat der neue Stadtrat etwas Konkretes auf dem Tisch. Er soll über den Kauf des Brauereigeländes beraten. "Wir wollen das alles transparent gestalten und erst einmal herausfinden, wie es die Stadträte sehen", so Eulenberger, der wie Hörnlein auch Mitglied des Brauvereins Penig ist.

Auch wenn derzeit noch nicht über Preise gesprochen werden soll, so steht laut Stadtratsvorlage ein Kaufpreis von 230.000 Euro für das 2958 Quadratmeter große Areal im Raum. Weiterhin soll eine Kaufoption getroffen werden, damit der Brauverein die Ausrüstung des Sudhauses erwerben kann. "Ziel ist, in unserer Stadt eine kleine Hausbrauerei zu etablieren, damit wir unser Bier nicht mehr in Chemnitz brauen müssen", sagt Eulenberger.

Doch das sei nicht der Hauptgrund. Vorrangig gehe es darum, das Quartier städtebaulich zu entwickeln. Denn nach dem Abriss des maroden Gebäudekomplexes rechts der Brauhausgasse, das nach Einschätzung der Verwaltung einen "städtebaulichen Missstand" darstellt, könnten die Grundstücke an der Brückenstraße attraktiver gestaltet und besser erschlossen werden.

Im Brauerei-Teil auf der linken Seite, wo sich das alte Brauhaus und das Sudhaus befinden, könnte die kleine Brauerei entstehen, die dann der Brauverein betreibt. Die nötige Technik ist in großen Teilen noch vorhanden. Über ein Nutzungskonzept - ob mit Heimat- und Brauereimuseum, Bibliothek, Ärztehaus, Haus der Generationen oder anderen Einrichtungen - werde später zu reden sein.

Sitzung des Peniger Stadtrates am Donnerstag, 22. August, 18.30 Uhr im Ratssaal. Am Ende ist eine Bürgerfragestunde geplant.


Von Bierverkostung bis Führungen - Brauerei als beliebte Veranstaltungsstätte

Das Sudhaus der einstigen Peniger Brauerei an der Brauhausgasse ist auch aktuell ein beliebter Treffpunkt. Anlässlich des Stadt- und Brauereifestes, das Penig am 7. September feiert, wird es dort auch wieder Führungen geben. Mitglieder des Brauvereins laden dazu ein, zudem kann man Craftbeer-Sorten verkosten.

Als Ausweichlösung nutzt der Brauverein zurzeit die Technik und die Erfahrung der Stonewood-Braumanufaktur in Chemnitz. Bereits zum Stadtfest im vorigen Jahr haben Vereinsmitglieder dort ein Festbier gebraut. Auch andere Festbiere so für den Weihnachtsmarkt und für Fasching wurden dort hergestellt.

Das Bierbrauen hat in Penig eine lange Tradition. 1485 wird der Stadt das Braurecht gewährt. 1886 kauft Ferdinand Georg Forberger das Brauhaus. Später wird es ein Betriebsteil des VEB Mittweidaer Löwenbräu. Auch die Familie Hösl schafft es nicht, die Brauerei am Leben zu erhalten und beantragt 2013 Insolvenz. (ule)

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