Starke Herren gastieren in Seelitz

Wer glaubt, man könne Moritzburger Hengste nur in Moritzburg bestaunen, der irrt. Fünf Pferde sind in dieser Woche in Seelitz eingetroffen und bleiben bis Juli. Die Tiere sollen bei Stuten aus ganz Sachsen für Nachwuchs sorgen.

Seelitz.

Noch ein bisschen unruhig stehen die fünf Hengste in ihren Boxen, aber sie haben ihre Quartiere auch gerade erst nach langer Anreise bezogen. "Die Tiere müssen sich zunächst mal eingewöhnen, drei von ihnen sind zum ersten mal bei uns", sagt Helmut Kuhring. Er ist Gestütsoberwärter der Moritzburger Außenstelle in Seelitz, wo bis Mitte Juli die fünf Zuchthengste aus dem sächsischen Landesgestüt stationiert sind. Mit seinem Kollegen Bernd Richter leitet er die Deckstation, sorgt für die Pferde und kümmert sich um alle Angelegenheiten rund um die Deckung.

Die Tätigkeit von Kuhring und Richter beinhalte viel Beratung, zudem kümmern sich beide um Stuten, die für eine Deckung mehrere Wochen in der Station untergebracht werden können. Pferdezucht hat in der Region eine lange Tradition. In Landwirtschaft und Bergbau waren die Tiere früher unabdingliche Arbeitshelfer, heute werden sie vorrangig als Sport- und Freizeitreitpferde gezüchtet. "Wir haben in Mittelsachsen wirklich viele an der Zucht, am Reit- und Fahrsport interessierte Menschen", sagt Kuhring.

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Angebunden an die Reitanlage von Andreas Lorenz, Präsident des Landesverbandes für Pferdesport, befindet sich in Seelitz seit 2004 eine von neun Deckstationen in Sachsen. Lorenz züchtet in seiner Stallanlage selbst acht bis zehn Fohlen im Jahr. Die Außenstelle des Landesgestütes Moritzburg ist in seinem Reiterhof eingemietet. Das heißt, wer seiner Stute einen langen Anfahrtsweg nach Moritzburg ersparen will, kann sie auch in Seelitz decken lassen. Hier werden die Pferde vorrangig per Natursprung gedeckt. Das heißt, der Hengst besteigt die Stute auf natürliche Art. Das kostet den Kunden in der Seelitzer Deckstation zwischen 220 und 450 Euro. "Wir können aber auch künstlich besamen. Aufgrund der modernen Kommunikationswege kann man sich heute viel leichter über das Angebot an Deckhengsten informieren. Wenn ein anderes Tier gewünscht wird, fordern wir den Samen an und decken die Stuten dann künstlich", erklärt Kuhring.

"Züchten heißt, in Generationen denken." Die Arbeit mit den Pferden brauche viel Geduld und müsse auch Hobby sein, sagt Kuhring. Eine Stute ist elf Monate lang trächtig, das Fohlen kann nach drei Jahren beritten und zur Zucht verwendet werden. "Durch diese zeitintensive Arbeit lernen wir viele Menschen kennen, führen schönen Gespräche und stehen den Kunden beratend zur Seite - manchmal nicht nur beim Thema Pferd", so der gebürtige Ebersbacher. Seit 40 Jahren geht Helmut Kuhring seiner Tätigkeit als gelernter Pferdewirt und Gestütsoberwärter nach. "Ich hab schon Großväter mit ihren jungen Enkelkindern kennengelernt - die kommen immer noch vorbei, aber inzwischen fahren die Enkelkinder die Großeltern im Auto."

Die Hengstpräsentation in Seelitz findet am 10. März, 10 Uhr in der Reithalle am Waldhotel statt. Eintritt für Erwachsene 4 und für Kinder 3 Euro. Durch die Veranstaltung führt Dr. Kati Schöpke, Landesstallmeisterin in Moritzburg, und stellt die insgesamt acht Pferde vor. Im Juli gehen die Tiere zurück ins Landgestüt.


Die Geschichte des sächsischen Landgestüts Moritzburg

Seit 1828 besteht das Moritzburger Landesgestüt. Eingerichtet wurde es auf Erlass des damaligen Königs Anton von Sachsen. Die Zucht begann mit 38 stalleigenen Deckhengsten, den sogenannten Landbeschälern. 1873 fokussierte sich der Stall auf die Zucht der deutschen Reitpferdrasse Oldenburger, die auch landwirtschaftlich genutzt werden konnte. Seit 1886 führt das Gestüt ein eigenes Zuchtregister und seit Mitte des 20. Jahrhunderts stellt das Landgestüt Moritzburg seine Deckhengste auch für das Land Thüringen, nach dem das vormals zuständige Landgestüt Kreuzvorwerk in Sachsen-Anhalt geschlossen wurde. Derzeit führt das Gestüt Moritzburg 98 Hengste vom Deutschen Sportpferd über Rheinisch-Deutsches Kaltblut bis zum Haflinger.

Vom 16. bis 18. August finden in Moritzburg das Bundeschampionat für schwere Warmblut-Fahrpferde sowie das Fahrponychampionat statt.

Am 7., 15. und 21. September präsentiert das Gestüt alle Landbeschäler in den bekannten Hengstparaden. (cbo)

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