Statt Baumverbrennen nun Wintergrillen und Neujahrsfest

Ausgediente Weihnachtsbäume dürfen nicht mehr ohne Weiteres in Flammen aufgehen. Ein neues Sachsen-Gesetz regelt das Verbrennen von Nordmann-Tanne, Kiefer & Co. anders. Viele Orte wollen sich die Neujahrstreffen aber nicht nehmen lassen.

Rochlitz.

Neues Jahr - neue Regeln. Laut sächsischem Kreislaufwirtschafts- und Bodenschutzgesetz dürfen Weihnachtsbäume nur noch nach bestimmten Regeln verbrannt werden. Auch für sogenannte Brauchtums- und Traditionsfeuer gelten strengere Prämissen. Laut Landratsamts-Pressesprecher André Kaiser sind diese Feuer künftig nur dann noch genehmigungsfähig, wenn sie "von in der Ortsgemeinschaft verankerten Glaubensgemeinschaften, Organisationen oder Vereinen ausgerichtet werden und bei einer öffentlichen Veranstaltung allgemein zugänglich sind".

Zudem muss es sich um eine Veranstaltung handeln, die wiederkehrend stattfindet, von kommunaler Bedeutung und bei den Einwohnern fest verankert ist sowie von vielen Bewohnern besucht wird. Ein solches Brauchtums- und Traditionsfeuer dürfe nur die Kommune genehmigen. Verbrannt werden darf nur naturbelassenes, trockenes Holz. Wer dennoch pflanzliche Abfälle verbrennt, muss mit Bußgeld rechnen. Das in den Jahren zuvor in vielen Orten veranstaltete Weihnachtsbaumverbrennen gehört somit der Vergangenheit an.

Peniger Stadtrat genehmigt Traditionsfeuer: In Penig ist das Weihnachtsbaumverbrennen tabu. Vereine machen jedoch aus der Not eine Tugend. Sie lassen sich den Neujahrsspaß nicht nehmen - auch ohne Baumverbrennen. So veranstaltet der Förderverein Chursdorf am 11.Januar auf dem Sportplatz einen Neujahrsempfang mit Weihnachtsbaumweitwurf. Die Feuerwehr Penig und der Feuerwehrverein führen am selben Tag ein Wintergrillen auf dem Spritzenhof durch. Und der Förderverein der Obergräfenhainer Wehr veranstaltet am 11. Januar ein Neujahrsgrillen auf dem Sportplatz. Wie Ordnungsamtsleiter Gert Benndorf in der letzten Ratssitzung des alten Jahres sagte, habe die Anzahl der privaten Feuer in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Akzeptanz in der Nachbarschaft sei wegen des Funkenflugs und wegen der Gefahren bei Trockenheit jedoch gesunken. Wer seinen Weihnachtsbaum entsorgen möchte, der könne ihn am 10. Januar, von 9 bis 16 Uhr im Bauhof am Markersdorfer Weg 2 in Penig oder bis Ende der zweiten Februarwoche im Wertstoffhof im Gewerbegebiet Wernsdorf abgeben.

Mehrere Brauchtumsfeuer hat der Stadtrat allerdings genehmigt, so die Osterfeuer in Arnsdorf/Amerika, Markersdorf, Tauscha und Langenleuba-Oberhain, die Hexenfeuer in Penig, Niedersteinbach und Obergräfenhain sowie das Martinsfeuer der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Penig am 11. November.

Rochlitzer veranstalten Wintergrillen: Die Rochlitzer Feuerwehr hält an ihrer Tradition fest und organisiert für den morgigen 4. Januar auf dem Hof des Depots ein Wintergrillen. "In den Jahren zuvor führten wir ein Weihnachtsbaumverbrennen auf der Bleiche durch, aber das gibt es ja nun in dieser Form nicht mehr", sagt Feuerwehr-Sprecher Heiko Dost. "Wir waren in den Jahren zuvor auch schon immer restriktiv, was die Traditionsfeuer angeht", erklärt Mario Rosemann, Hauptamtsleiter in der Rochlitzer Stadtverwaltung. Die Kommune wolle deshalb die bisherige Regelung beibehalten und pro Ortsteil und Jahr ein solches Brauchtumsfeuer genehmigen. Dabei seien aber Auflagen und Regelungen zu beachten.

Geringswalde hält am Brauchtum fest: Ein Fest kurz nach Neujahr hat in Geringswalde Tradition. "Wir halten am Brauchtum fest", erklärt Ortswehrleiter Uwe Lübke als Vertreter der organisierenden Feuerwehr. Statt ausrangierter Weihnachtsbäume, die sich einst am Depot am Klosterbach türmten, wird am 11. Januar Scheitholz in einer Feuerschale lodern. Auch der Name ändert sich. Fortan heißt die Veranstaltung Neujahrsfest. Dass sich in dieser Hinsicht die Gesetzlichkeiten geändert haben, sieht Bürgermeister Thomas Arnold (parteilos) mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Einerseits war es eine schöne Tradition. Andererseits missbrauchte mancher das Neujahrsfeuer, um seinen Heckenschnitt gleich mit zu entsorgen. Das bedeutete für die Vereinsmitglieder zusätzlichen Aufwand und am Lagerfeuer Qualm und Gestank durch undefinierbare Bestandteile." Die jetzige Lösung begrüßt der Stadtchef. "Es geht um die Geselligkeit und darum, die Arbeit der Ehrenamtlichen der Wehr populär zu machen."

Lunzenauer Bauhof holt Bäume ab: In Lunzenau hat der Feuerwehrverein am 11. Januar zum Neujahrsauftakt mit Traditionsfeuer eingeladen. "Für jeden mitgebrachten Weihnachtsbaum gibt es einen Glühwein gratis", heißt es in der Ankündigung. "Auch wir müssen uns an die neuen Regelungen halten. Die Bäume werden nicht verbrannt, sondern durch unseren Bauhof abgeholt und geschreddert", so Bürgermeister Ronny Hofmann (CDU). Um die Tradition nicht einschlafen zu lassen, werde trockenes Holz auf einer Feuerschale verbrannt. Gut findet er die neuen Regeln nicht: "Bei allem Umweltbewusstsein - zeitgemäß sind diese nicht."

Erlau genehmigt Verbrennen der Bäume: Im Erlauer Ortsteil Crossen führen der Förderverein der Feuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr am 18. Januar ein Weihnachtsbaumverbrennen auf dem Feuerwehr-Parkplatz durch. Zudem laden der Verein "Initiative für Erlau" und "Club Schwarze Tulpe" am 25. Januar am Feuerwehrgerätehaus Erlau zum Weihnachtsbaumverbrennen ein. "Es darf nur naturbelassenes, trockenes Holz auf einer gesicherten Feuerstelle verwendet werden", sagt Bürgermeister Peter Ahnert (parteilos). Er sieht darin Traditionsfeuer, die einmal pro Saison in jedem Ortsteil veranstaltet werden dürfen. "Und das gilt nur für Vereine, die auch dafür haften, wenn Bestimmungen nicht eingehalten werden."

Entsorger verweist auf Wertstoffhöfe: Wie der Entsorger EKM mitteilt, können abgeschmückte Weihnachtsbäume in haushaltsüblichen Mengen bis 8. Februar kostenfrei in den Wertstoffhöfen des Landkreises abgegeben werden. (mit grün)

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