Storch-Quartett bekommt einen Namen

Vor fünf Wochen sind vier Junge auf einer Esse in Burgstädt geschlüpft. Bisher war unklar, ob sie überleben können.

Burgstädt.

Als Kai Schaarschmidt seine Leiter am etwa 25 Meter hohen Schornstein im Gelände des Busunternehmens an der Chemnitzer Straße ansetzt, fliegt ein Storch aus dem Nest. "Keine Angst", sagt der Storchenbeauftragte von Mittelsachsen. Er nähert sich leise und behutsam dem Nest. Die Inspektion sei notwendig, denn die Tiere müssten durch einen Ring registriert werden. "Damit erhält jeder sozusagen seinen Namen", fügt der 45-Jährige hinzu. Konkret heißt das: Auf einem Stahlring sind die Buchstaben BW und die Ziffern 61 bis 64 eingetragen sowie die Namen Hiddensee und Germania. Die Buchstaben verliefen dem Abc entsprechend im Register fortlaufend, die Beringungszentrale ist auf Hiddensee und die Zahlen sind für die vier Jungen bestimmt, die sich im Nest befinden.

Nach 15 Minuten hat Schaarschmidt Gewissheit: Alle vier Vögel haben überlebt. "Und sind gut genährt", ergänzt der Hobbyornithologe, der als Zimmermann arbeitet. Eigentlich würden sich Störche flach hinlegen, wenn Gefahr drohe. "Das Totstellen nennt man Akinese und dient zum Schutz", erklärt er. Doch wahrscheinlich habe sich das Quartett stark gefühlt, denn zwei Jungen hackten nach ihm. Den Ring habe er mittels Zange oberhalb des Fersengelenks angebracht. Dieses sogenannte Intertarsalgelenk haben alle langbeinigen Vögel. Wenn sie ein Bein strecken, schnappt das Gelenk ein, ähnlich wie ein Taschenmesser. So steht der Vogel sicher, ohne einzuknicken, erörtert der Experte das Phänomen des auf einem Bein stehenden Storches.


Und warum müssen die Vögel beringt werden? Früher wurde nur vermutet, wohin die Vögel zum Überwintern fliegen. Seit dem 19. Jahrhundert wurde der Vogelzug gründlich erforscht. 1899 kennzeichnete der Däne Hans Christian Mortensen erstmals die Vögel mit nummerierten Metallringen. Seitdem entwickelte sich die Beringung zu einer wichtigen Methode zur Erforschung der Vögel. Durch die Ringe könnten die Vögel jederzeit identifiziert werden. Aufgrund von Rückmeldungen von anderen Ornithologen werde festgestellt, wann sich die Tiere wo aufhalten, so beim Vogelzug gen Süden, auf Rastplätzen, bei der Nahrungssuche, beim Brüten.

So habe Schaarschmidt auch gewusst, dass der Burgstädter Storch seit drei Jahren auf der Esse nistet. Doch erstmals bekam er jetzt mit seiner Partnerin Nachwuchs - mit Vierlingen ein Rekord im Landkreis. Als eine der ersten hatte Simone Heyl vom Busunternehmen die Störche entdeckt: "Wir sitzen zur Mittagspause in der Nähe und haben das Klappern gehört." Für die Firma sei der Nachwuchs ein gutes Omen, weil auch die Mitarbeiterzahl steige.

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