Studenten: Einzelappartements im Trend

Drei oder vier Leute in einer Bude? Für immer mehr junge Leute ist die WG keine Alternative mehr. Das Studentenwerk Freiberg reagiert darauf.

Freiberg/Mittweida.

Seit drei Jahren wohnt Hans Böcker aus Bärenstein bei Oberwiesenthal im 2014 sanierten Studentenwohnheim in der Heinrich-Heine-Straße 11 in Freiberg. "Ich wollte unbedingt ein Einzelappartement", erzählt der 22-Jährige, der Geophysik an der Bergakademie studiert. "Wasser, Strom und Internet sind im Mietpreis enthalten. Und ich bin in der Nähe anderer Studenten", zählt er die Vorzüge auf. Auch Sebastian Claus findet sein Zimmer sehr schön, auch "wenn es etwas teurer ist", als die WG in der Stadt. Der 19-jährige aus Chemnitz, der Geotechnik und Bergbau studiert, schätzt die ruhige Lage.

"Der Wunsch der Studenten nach Einzelappartements ist groß", berichtet Thomas Schmalz, Geschäftsführer des Studentenwerks Freiberg, das die Studenten der TU Bergakademie Freiberg und der Hochschule Mittweida betreut. Doch nur etwa 20 Prozent der 1002 Wohnheimplätze in der Bergstadt sind Einzelappartements. Das Wohnheim an der Heinrich-Heine-Straße 11 ist eines von zwei Häusern, das komplett diese Wohnform anbietet. Deshalb sollen weitere 77 Zimmer in dem derzeit leerstehenden Wohnheim Heinrich-Heine-Straße 13 hinzukommen. Und auch bei der in einigen Jahren geplanten Sanierung des Wohnheimes 1 Am Schwanenteich in Mittweida werden laut Schmalz voraussichtlich Einzelappartments entstehen.

Derzeit konzentriert sich das Studentenwerk aber auf die Sanierung des Wohnheims in Freiberg. "Momentan sind wir im Ausschreibungsverfahren für die Architekten", erklärt der Geschäftsführer. Er hofft, dass im Sommer 2020 der Bau beginnen kann und im Wintersemester die Studenten einziehen. Wie viel die Sanierung kosten wird, ist derzeit unklar. Aber: "Die Kosten für das Haus 11 betrugen 3,8Millionen Euro, für das Haus 13 werden sie wohl ein ganzen Stück höher werden", sagt Schmalz. 100.000 Euro schieße der Freistaat zunächst dieses Jahr für die Planungskosten zu. Weitere Zuschüsse seien für nächstes Jahr angekündigt, wie hoch diese sein werden, stehe noch nicht fest.

Doch Thomas Schmalz ist froh, dass das Thema Wohnheimsanierung im Freistaat überhaupt auf die Tagesordnung gebracht wurde. "Derzeit gibt es 6 Millionen Euro für die Sanierung von Wohnheimen und Mensen in ganz Sachsen. Das klingt zwar nicht viel. Aber es ist immerhin etwas, angesichts dessen, dass es jahrelang gar nichts gab", so der Geschäftsführer. Wunsch der sächsischen Studentenwerke sei, dass der Freistaat 50 Prozent der Kosten übernehme.

Zumindest bei der Sanierung des Hauses 13 in Freiberg wird dieser Wunsch wohl noch nicht erfüllt. Dennoch möchte das Studentenwerk moderne Wohnheimplätze schaffen und hat auch schon konkrete Vorstellungen. Zurzeit versprüht das in den 50er-Jahren gebaute Haus den Charme typischer DDR-Wohnheime. "Früher gab es hier je ein Arbeitszimmer und einen Schlafraum für zwei bis drei Studenten", berichtet Thomas Schmalz. Die künftigen Einzelappartements, die zwischen 14 und 16 Quadratmetern groß sein werden, sollen Dusche mit Glastür, kleine Kochecke, Sanitärzelle, Schreibtisch und Kleiderschrank enthalten. Geplant seien im Keller ähnlich wie im Haus 11 zudem Gemeinschaftsräume, wo sich die jungen Leute treffen oder gemeinsam kochen können.

Wenn das Haus in Freiberg fertig ist, steht das Wohnheim 1 Am Schwanenteich in Mittweida oben auf der Sanierungsliste des Geschäftsführers. "Die letzten Arbeiten sind dort vor 1990 passiert", erklärt Schmalz. Die Zimmer - teilweise sind es sogar Durchgangszimmer - seien nicht mehr auf der Höhe der Zeit. "Wir wollen auf jeden Fall die Grundrisse verändern", sagt er. Wann das Gebäude tatsächlich in Angriff genommen werden kann, kann er heute noch nicht sagen.


Mehr Bewerber als Plätze

Leben und Studieren an einem Ort - geht das? Darüber sprach Ute George mit dem Geschäftsführer des Studentenwerks, Thomas Schmalz (Foto).

Freie Presse: Wie sind die Wohnheimplätze in Freiberg und Mittweida nachgefragt?

Thomas Schmalz: Wir haben in Freiberg 1002 Plätze. Davon wurden im Wintersemester 316 neu bezogen. Insgesamt gab es aber 722 Bewerber. In Mittweida stehen den Studenten 500 Wohnheimplätze zur Verfügung. Für das Wintersemester haben sich 536 Studenten für die 136 freien Wohnheimplätze beworben.

Die Wohnheimplätze reichen also nicht für alle Interessenten?

Ja, wir haben mehr Bewerber als Kapazitäten und mussten Absagen erteilen. Wobei die Zahl der Bewerber sowohl in Freiberg als auch in Mittweida relativ gesehen werden muss. Viele junge Leute bewerben sich an mehreren Studienorten, schreiben sich letztlich aber nur an einer Hochschule ein.

Wie kann das Studentenwerk den abgelehnten Bewerbern helfen?

Wir finanzieren studentische Hilfskräfte, die als Wohnungs-Scouts bei der Suche auf dem privaten Markt behilflich sind. Außerdem arbeiten wir auch mit den privaten Anbietern zusammen. ug

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