Suche nach der ostdeutschen Identität

Beim Verein Deckerberg in Mittweidahaben drei Theatermacher Quartier bezogen. Sie lassen sich Lebensläufe aus der Zeit nach 1990 erzählen - und bitten um Mithilfe.

Mittweida.

Burkhard Körner ist in die Stadt zurückgekehrt, die der Choreograf und Theatermacher schon vor gut 20 Jahren verlassen hat. Ihm liegt viel an seiner Heimat, und ihn stört das oft falsch gezeichnete Bild von Ostdeutschland. Reka Weniger aus Neubrandenburg und dem gebürtigen Texaner Noah Voelker geht es ähnlich. Und genau deshalb gehen sie 30 Jahre nach der Wende auf Spurensuche zur ostdeutschen Geschichte nach 1990 und ihren zahlreichen - noch nicht - erzählten Geschichten.

Ein Haus an der Schulstraße ist ihr neues Quartier. Dort ist seit einigen Wochen der Verein Deckerberg ansässig, und der bietet den Theatermachern im Salon "Original" die Umgebung, die sie für ihre Spurensuche benötigen. Eingeladen sind alle, die von ihrem Leben nach 1990 erzählen wollen - im "Laden der unerhörten Geschichten".


"In diesem Laden wollen wir die Menschen in der Stadt einladen, mit uns ins Gespräch zu kommen," erklärt Körner. "Es geht um die ostdeutsche Identität, die eigenen Erfahrungen des Wandels nach 1990 und die verschiedenen Perspektiven zwischen den Generationen. Mittweida ist die zweite Station der Theatermacher, den Auftakt gab es im April in Reka Wenigers Heimatstadt Neubrandenburg.

Das Team hat sich auch selbst Leute gesucht. So fand man an der Hochschule viele Gesprächspartner und interessante Biografien. Was aus all den Gesprächen mal wird, ist heute noch nicht absehbar. "Ausgehend von einem kurzen Text, einem Artikel oder auch einer eigenen, persönlichen Story wollen wir uns bislang nie erzählte Geschichten anhören," so Körner. Ein Diktiergerät läuft mit, auf Nachfrage auch eine Videokamera. Beides dient vor allem als Gedächtnisprotokoll. "Es sind schon viele gute Sätze gefallen", sagt Reka Weniger. Die könnten später auch mal Teil eines gemeinsamen Theaterstücks werden, denn das sei das langfristige Ziel.

Inhalt des Bühnenprojekts soll die ostdeutsche Identität sein. "Nach 1990 gab es so viele Umbrüche in den Lebensläufen, darüber wollen wir etwas machen", erläutert Reka Weniger. "Es sollen vor allem Geschichten vom Land und nicht aus Großstädten erzählt werden", ergänzt Körner. Die ersten Gespräche seien aufschlussreich gewesen. "Man hat manchmal das Gefühl, einige Leute haben nur auf so eine Möglichkeit gewartet und uns nun gefunden", sagt Reka Weniger.

Gesprächszeiten im Haus Schulstraße 11 in Mittweida sind von Dienstag bis Donnerstag jeweils von 14 bis 19 Uhr.

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