Sven Petry: "Ich bin einer, der die Ruhe behält"

Der Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz hat einen neuen Superintendenten - Er erwartet viel Redebedarf bei bevorstehenden Entscheidungen

Leisnig.

Dr. Sven Petry wird bald für rund 30.000 Christen die Verantwortung tragen. Der 44-jährige gebürtige Westfale löst Amtsvorgänger Arnold Liebers ab, der nach knapp 38 Jahren im Dienst für die evangelische Kirche in den Ruhestand gegangen ist. Marion Gründler sprach mit dem promovierten Theologen über seine Pläne, seine Sicht auf das Amt und die Herausforderungen, vor welchen die Kirche heutzutage steht.

Freie Presse: Herr Superintendent Petry, zunächst Glückwunsch zum Wahlausgang!

Sven Petry: An der Stelle muss ich kurz bremsen: Zunächst steht noch die offizielle Einführung aus, um als Superintendent angesprochen zu werden. Die Kirche kennt da klare Regularien. Gleichwohl ein formaler Akt, der noch fürs Frühjahr geplant ist. Wie auch meine Einführung als Pfarrer in der Leisniger Kirchgemeinde. Denn noch stehe ich in meiner Gemeinde in Tautenhain im Dienst.

Und wenn Sie die Formalien hinter sich haben?

Geht es etwa um, ich sage mal, etwa so profane Dinge wie die Dienstwohnung in der Leisniger Superintendentur, die noch hergerichtet werden muss. Plan und zugleich Hoffnung ist der Umzug im Sommer und ein Dienstbeginn im September. Konkret heißt das: Wir brauchen Platz für meine Frau Ellen White und unsere beiden gemeinsamen Kinder, die hier in "Vollzeit" leben werden. Hinzu kommen meine vier Kinder aus erster Ehe, die jeweils die halbe Woche bei uns verbringen.

Also jede Menge freiwillig gewählter Umbruch?

Der Wechsel der Pfarrstelle ist in der evangelischen Kirche nichts Ungewöhnliches. Ich bin jetzt im elften Jahr in Tautenhain, bewege mich somit mit dem Neubeginn im Turnus. Und ich wurde gefragt, ob ich mir etwas Übergemeindliches vorstellen kann. Und das kann ich durchaus. Hinzu kommt, dass mir die Region um Rochlitz, Wechselburg und Erlau nicht fremd ist, gehört sie doch zum inzwischen aufgelösten Kirchenbezirk Glauchau-Rochlitz, zu dem auch Geithain zählte. Weniger vertraut ist mir das Oschatzer und Döbelner Gebiet. Deshalb werde ich demnächst eine Rundreise starten, um ein Gefühl für die Dimensionen zu bekommen.

Diese Tour könnte sich hinziehen.

Durchaus. Denn der heutige Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz hat rund 30.000 Gemeindeglieder in 24 Kirchgemeinden, die in 30 Pfarrstellen gegliedert sind. Das Gebiet erstreckt sich von Oschatz im Norden bis Taura im Süden. Die Geografie ist das eine. Doch das eigentliche Kennenlernen wird für mich eher so aussehen, in den Kirchen zu predigen. Und dann nicht nach dem Motto 'Runter von der Kanzel - und tschüss'. Mir sind Gespräche in der jeweiligen Gemeinde immens wichtig.

Obwohl das Amt eines Superintendenten doch stark von Verwaltungsarbeit geprägt ist.

Sicher. Und die scheue ich auch nicht. Zumal ich den Eindruck habe, dass sich Verwaltung und das, was die Menschen bedrückt, gar nicht so sehr voneinander unterscheiden. Wir erleben das in Form des Strukturwandels in der Kirche. Hier ist die Vermittlerrolle des Superintendenten gefragt. Und Entscheidungen, auch wenn die nicht immer im Konsens getroffen werden. Dann geht es eben nicht nur um Verwaltung, sondern zugleich um Seelsorge. Und es wird viel Redebedarf geben, gerade, wenn es sich bei erster Draufsicht um unpopuläre Entscheidungen handelt. Dazu muss ich hören, was die Menschen bewegt. Das ist meine Intension mit Blick auf die kommende Zeit.

Die Ihnen sicher einiges an Entschlusskraft abverlangen wird.

Ich bin einer, der die Ruhe behält, auch wenn etwa bei heftigen Debatten die "Hütte brennt". Eher drehe ich dann noch zwei, drei Gesprächsrunden, ehe ich eine Entscheidung fälle. Das sollte man nicht mit mangelnder Durchsetzungskraft verwechseln. Ich lege mich selten von vornherein auf einen Weg fest. Eher suche ich mit entsprechender Gelassenheit den möglichst besten.


Westfale wird in Sachsen heimisch

Dr. Sven Petry wurde 1976 im lippischen Lemgo geboren. 1995 entschied er sich für die Aufnahme eines Theologiestudiums an der kirchlichen Hochschule Bethel in Bielefeld. Nach seiner Promotion 2007 begann Petry in Sachsen sein Vikariat und wurde 2009 in der St. Mauritius-Kirche Oberfrankenhain im damaligen Kirchenbezirk Rochlitz ordiniert.

Petry ist Vater von vier Kindern aus erster Ehe mit Frauke Petry, der früheren AfD-Chefin. Mit seiner zweiten Ehefrau Dr. Ellen White-Petry hat er zwei Kinder.

2017 erschienen von Sven Petry Publikationen wie "Fürchtet euch nicht. Warum nur Vertrauen unsere Gesellschaft retten kann". (grün)


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.