Treibgut verunstaltet Talsperren-Idylle

Eine solche Verschmutzung des Stausees hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben - da sind sich Kenner einig. Unklar ist, woher diese Mengen Holz, Pflanzen und Müll kommen. Das Brisante: Es ist keine Lösung in Sicht.

Kriebstein.

Anita Kunze hat ihren Bungalow oberhalb der Kriebstein-Talsperre nun wieder bezogen, hilft im Baumhaus-Hotel beim Säubern, geht in der Talsperre schwimmen und fährt Boot. Doch was die rüstige Rentnerin aus Chemnitz in diesen Tagen an den Uferbereichen sieht, macht sie zornig. "So etwas habe ich in den ganzen 40 Jahren, in denen ich jetzt schon hier bin, noch nicht erlebt", schimpft sie.

Unmengen an Treibgut, darunter Äste und größere Stämme, ganze Inseln aus verhedderten Pflanzen, dazwischen Flaschen, Büchsen und anderer Unrat stauen sich in den Uferbereichen. An der Staumauer liegt bereits ein großer Teppich aus Treibgut. Woher das alles kommt und vor allem wie es beseitigt werden kann, ist zurzeit noch unklar.


"Am vergangenen Wochenende mussten sogar die Modellboot-Freunde ihre Veranstaltung abbrechen, da die Boote immer wieder im Treibgut stecken blieben. Der Unrat reichte bis in die große Fahrrinne", hat Anita Kunze beobachtet. Auf dem Campingplatz habe sie mit Besuchern aus Nürnberg gesprochen, diese seien enttäuscht vom Anblick der Talsperre gewesen. "Jetzt beginnen wieder die Aufführungen auf der Seebühne, nächstes Wochenende ist Pfingsten, für alle hier ist das doch eine Rufschädigung." Sie fordert daher von den Verantwortlichen, schnellstens zu handeln.

Einer, der sich verantwortlich fühlt, ist Thomas Caro, der Geschäftsführer des Talsperrenzweckverbandes. "Denn wir sind die Pächter der Wasserfläche", stellt er klar. Auch er muss zugeben, dass er so etwas in diesem Ausmaß seit Jahrzehnten nicht erlebt hat. "Ob es am Ostwind liegt, den wir seit zwei Wochen haben - ich weiß es nicht."

Sicher ist er sich, dass es in diesem Fall nicht einen, sondern mehrere Verursacher geben muss. "Wir haben ein Einzugsgebiet bis zum Fichtelberg", weiß der Geschäftsführer, der erst vor wenigen Tagen einen Baumstamm mit einem Schild vom Baumpark Ringethal im Wasser gesichtet hat. "Vor allem diese kleinen Inseln, die es angeschwemmt hat, gab es bisher noch nie in dem Ausmaß", so Caro.

Das große Problem sieht er aktuell darin, dass eine Beräumung der Ufer in diesem Umfang für den Zweckverband unmöglich ist. "Wir versuchen, den Hafen frei zu bekommen. Denn wenn ein Baumstamm in die Schiffsschraube kommt, könnte ein Riesenschaden entstehen." Der Bauhof sei deshalb bereits im Einsatz gewesen, um im Hafenbereich das Treibgut aus dem Wasser zu holen. Am zurückliegenden Wochenende hätten auch die beiden Hausmeister bereits Hand angelegt, um die Wasserfläche zu säubern. Mehr gehe aktuell nicht, Technik in dem Ausmaß wie sie benötigt werde, stünde dem Zweckverband nicht zur Verfügung.

Thomas Caro ist sich sicher, dass sich das Problem im Laufe der Zeit lösen könnte. Dann nämlich, wenn es wieder regnet, der Wasserpegel steigt und das Treibgut Stück für Stück weitertransportiert wird. Ähnlich sieht es auch Herbert Wastl, Sprecher der Innernzeller Firma Karl, der die Staumauer gehört und die das dortige Wasserkraftwerk betreibt. Das sei die "passive Variante", sagt er.

Die "aktive Variante" wäre, mit Räumbooten und Schiebeschildern den Unrat zu den Ufern zu befördern und diesen dann weg zu baggern. Aber dieser Aufwand - das gibt er zu - sei natürlich enorm hoch. "Es wird ja viel für den Tourismus an der Talsperre gemacht. Vielleicht ergibt sich auch hier eine Lösung", sagt Wastl. Das Wasserkraftwerk selbst habe keine Probleme, denn zwei Rechen würden den Einlauf von Unrat, der größer als zwei Zentimeter ist, freihalten.

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