Tuba & Co. gemixt mit viel Spaß

Vor 50 Jahren hatte das Jugendblasorchester Göritzhain seinen ersten Auftritt. Gleichzeitig besteht die Feuerwehrkapelle seit 90 Jahren. Ein Grund zum Feiern, finden die Musiker - und erinnern an tolle Zeiten.

Göritzhain.

Es war September 1967, als sich ein Mädchen und sieben Jungen der 5. Klasse der damaligen Göritzhainer Schule zum Jugendblasorchester des Dorfes zusammenfanden. Sie alle waren einem Aufruf ihres Kunstlehrers Hans Seifert gefolgt - und sie alle konnten kein Blasinstrument spielen. Doch bereits ein halbes Jahr später, am Vorabend des 1. Mai 1968, hatte das Jugendblasorchester Göritzhain seinen ersten Auftritt vor dem Rathaus.

"Es ging sozusagen von Null auf Hundert", erinnert sich Dietmar Irmscher, ein Mitglied der ersten Stunde und heute musikalischer Leiter der Feuerwehrkapelle Göritzhain. "Zu unseren ersten Titeln gehörten das ,Steigerlied', ,Blaue Wimpel im Sommerwind' und ,Brüder zur Sonne zur Freiheit', aber auch ganz unpolitische Stücke wie ,Ännchen von Tharau' oder das Rondo von Tielman Susato", fügt Gaby Hentschel hinzu. Während sie Trompete spielt und auch singt, beherrscht Irmscher neben Trompete die Tuba und das Tenorhorn.

Anlass für den Aufruf zur Gründung eines Jugendblasorchesters war das 40-jährige Bestehen der Feuerwehrkapelle, für die man Nachwuchs heranbilden wollte. "Außerdem gab es in Lunzenau schon ein Jahr vor uns ein Jugendblasorchester, geleitet von Werner Goldammer. Unser Bürgermeister meinte damals, so etwas sollten wir auch machen", erzählt Gaby Hentschel. Um die musikalische Leitung der jungen Truppe kümmerte sich damals der Lunzenauer Musiker Walter Flemming.

In der ersten Zeit hieß es aber, Noten zu lernen. Und diese erste Zeit zog sich ganz schön lange hin. "In der DDR war es nicht so einfach, Instrumente für uns zu beschaffen. Wir waren ungeduldig, weil wir bis Weihnachten immer noch keine Tute in der Hand gehabt hatten", sagt Irmscher. Und dann, als sie da waren, habe man sich zwar ein Wunschinstrument aussuchen können, doch ob man es spielen konnte, entschieden die beiden Leiter. "Da hieß es eben ganz fix ,Du bist zu klein für die Tuba und spielst Trompete'", erinnern sich die beiden Musiker, die heute in der Feuerwehrkapelle spielen.

An ihre Zeit im Jugendblasorchester, das immer relativ schnell Nachwuchs bekam und zu Glanzzeiten in den 1970er- bis in die 1990er-Jahre um die 40 Mitglieder hatte, denken die beiden gern zurück. So manche Episode ist unvergessen. "Bei einem Auftritt dachte ich, ich hätte eine Wiederholung in einem Stück verpasst und spielte sie deshalb - so lange, bis mich der Dirigent zum Abbruch zwang. Ich war trotzdem der Meinung, dass ich der einzige war, der richtig gespielt hat", erzählt Irmscher. Gaby Hentschel sind die Weltfestspiele 1973 noch immer sehr präsent. Und das nicht nur wegen des Musikmachens. "Es gab Verpflegungspäckchen. Da waren Eier drin, die waren nicht nur hart, sondern auch grün", sagt sie lachend.

Das Jugendblasorchester habe gerade im Vorfeld der Weltfestspiele viele Probelager gehabt. "Hat uns allen gefallen, außerdem hieß das, dass wir teilweise von der Schule befreit wurden", berichtet die 63-Jährige. Eigentlich sei fast an jedem Wochenende ein Auftritt gewesen, unter anderem waren die Göritzhainer bei der Internationalen Gartenausstellung IGA und der Landwirtschaftsausstellung Agra. "Wir hatten immer Spaß und ich freue mich schon, wenn ich am Wochenende ehemalige Mitglieder wiedersehe", sagt Irmscher. "Da gibt es mit Sicherheit jede Menge zu erzählen", ergänzt seine Bläserkollegin.

Das Jugendblasorchester gibt es nicht mehr. Aber die Feuerwehrkapelle spielt noch - und das nunmehr seit 90 Jahren. "Ein gutes Zusammentreffen mit dem ersten Jugendblasorchester-Auftritt vor 50 Jahren und ein Grund zum Feiern, meinten wir", sagt der ebenfalls 63-jährige Irmscher. Viele Mitglieder des Jugendblasorchesters waren später in die Feuerwehrkapelle des Ortes gewechselt - Dietmar Irmscher 1972, Gaby Hentschel ist nach einer längeren Pause seit 2000 wieder dabei.

Gegründet wurde die Feuerwehrkapelle 1928, damals mit zehn Mitgliedern. Heute spielen in dem Klangkörper 17 Musiker, elf stammen noch aus dem ehemaligen Jugendblasorchester. Geprobt wird einmal in der Woche, Auftritte gibt es im ganzen Landkreis, um die 40im Jahr. Im Repertoire sind vor allem deutsche Märsche und tschechische Polken. "Wir spielen aber auch gern moderneres wie Schlager", sagt der musikalische Leiter. Wie viele Orchester hat auch die Feuerwehrkapelle Nachwuchssorgen. "Wir sind sehr interessiert an neuen Spielern. Es wäre schön, wenn sich ein engagierter Kunst- oder Musiklehrter findet, der Jugendliche ausbildet. Einfach so, wie damals", wünscht sich Irmscher, der sicher ist, dass das seine Mitstreiter auch so sehen.


Musik und Feuerwehr prägen das Festwochenende

Freitag

19 Uhr: Nach einer musikalischen Eröffnung mit kurzer Festrede ist Disco mit ToCro angesagt. Es findet außerdem ein Treffen aller jetzigen und ehemaligen Mitglieder des Jugendblasorchesters und der Feuerwehrkapelle Göritzhain statt, zu dem Jedermann willkommen ist. Geplant ist auch der Auftritt von Überraschungsgästen.

Samstag

15 Uhr: Konzert der Feuerwehrkapelle Göritzhain und der Montagssänger aus Lunzenau. Zudem gibt es auf dem Göritzhainer Sportplatz für Jedermann Spiel und Spaß rund um das Thema Feuerwehr.

20 Uhr: Tanzparty mit den Prinzenbergern aus Adorf im Vogtland.

Sonntag

11 Uhr: Frühschoppen mit den Blasorchestern Niederbobritzsch, Lunzenau und Göritzhain

15 Uhr: Fußballspiel Rotation Göritzhain gegen eine Überraschungsmannschaft.

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