Turm wird für Rapunzel und seinen Zopf herausgeputzt

Statt der Märchenfigur sind derzeit Bauarbeiter an dem kleinen Gebäude an der Zugbrücke von Schloss Rochsburg zu Gange. Nach historischem Vorbild wird saniert, um der Bauwerk seinen Charme wieder zurückzugeben.

Rochsburg.

Eigentlich hat der kleine Turm, der Besucher auf der Rochsburg empfängt, keinen Namen - und keine Funktion. "Er ist eine später zum Schloss zugefügt worden, als eine Zierde und ein Stück Romantik", sagt Schlossherr Andreas Quermann. Das war um das Jahr 1620 herum. Seither ist das Gebäude Wind und Wetter ausgesetzt, in den 1980er-Jahren wurde letztmals etwas an ihm gebaut, unter anderem wurden Dach und Fassade in Ordnung gebracht. Nun ist der Rapunzelturm, der von Besuchern so genannt wird und von dem zum märchenhaften Jahresausklang auch Rapunzels dicker Zopf hängt, das letzte Stück des Schlosses, das äußerlich saniert wird.

Mitte Mai ist damit begonnen worden. Dachstuhl und Haube sind bereits denkmalgerecht saniert. "Dann wird mit Schiefer neu eingedeckt", so Quermann. Wie eine Sprecherin des Landratsamtes, in dessen Regie die Arbeiten laufen, mitteilt, ist auch loser Putz abgebrochen. Derzeit wird er neu aufgebracht. "Das geschieht anhand historischer Befunde", erklärt Andreas Quermann. "Der Putz wird also mit dem Material und in der Farbigkeit wie ursprünglich restauriert. Zudem werde die umlaufende Galerie, die nicht mehr tragfähig ist, nach historischem Vorbild erneuert. Kommenden Monat sollen Hüllen und Gerüste fallen und die Besucher den Turm in seiner Schönheit von einst wieder sehen können. Laut Landratsamt kostet die Wiederherstellung rund 250.000 Euro.

Die Außensanierung des Schlosses läuft seit Mitte der 1980er-Jahre. Nach Kernburg, Wehrmauer, Bergfried, Wirtschaftsgebäude und Kapelle ist auch ein Besucherzentrum neu gestaltet worden. Das Gebäude neben dem Turm war schon Mitte der 1990er-Jahre dran mit der Sanierung. Doch die Schäden im dortigen Dachstuhl waren größer als gedacht. So wurde der Turm aus Kostengründen erst einmal zurück gestellt - bis heute.

Bei der nun stattfindenden Sanierung geht es nur um das Äußere. "Im Inneren des Turms ist nur ein Treppenhaus", erklärt Quermann. Das werde heute nicht mehr genutzt, sei früher aber wahrscheinlich eine Möglichkeit gewesen, trockenen Fußes vom Schloss bis zum Tor zu kommen. Falls irgendwann auch im Inneren des Turms eine Sanierung stattfinde, könne er sich eine Nutzung auch nur als einen Fluchtweg vorstellen, so Quermann.

Doch zunächst müsse das Augenmerk auf der äußerlichen Instandsetzung liegen. "Die Sanierung ist dringend notwendig. Der Turm war so marode, dass er in nicht allzu langer Zeit in sich zusammengefallen wäre", meint Quermann. Zum Beweis und als Ausstellungsstücke für das Museum hat er zwei Balken gesichert. "Sie sind etwa 30 mal 30 Zentimeter stark und komplett morsch", sagt der Museumschef.

Nach der Instandsetzung des Rapunzelturms stünde noch die Sanierungder Stützmauern im Zwingerbereich an sowie die Erneuerung des Pflasters auf den Höfen. Im Inneren müsse die Elektrik komplett erneuert und eine Brandmeldeanlage installiert werden. Zudem sollte eine Heizung ins Schloss. Momentan werde noch mit Kohle gefeuert.

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