Verein schließt Peniger Sozialkaufhaus

Das in Mittweida ansässige Netz-Werk zieht sich aus dem Objekt an der Chemnitzer Straße zurück. Für die Tafel und weitere Angebote für Bedürftige soll ein anderes Gebäude gefunden werden. Die Stadt sucht mit.

Penig/Mittweida.

Gebrauchte Möbel, Geschirr, Einrichtungsgegenstände und mehr - immer noch haben Einwohner mit geringem Einkommen die Möglichkeit, im Peniger Sozialkaufhaus "Möbelwert" an der Chemnitzer Straße preisgünstig einzukaufen. Doch ab Oktober soll dieses Angebot für sozial benachteiligte Menschen wegfallen. Denn der Betreiber - der Verein Netz-Werk aus Mittweida -, der sich seit einem Vierteljahrhundert für Bedürftige in der Region engagiert, sieht sich gezwungen, seine Sozialeinrichtung an diesem Ort am Peniger Stadtrand aufzugeben.

Das Gebäude gehört einem in Chemnitz ansässigen Autohaus-Betreiber. "Wir sind hier eingemietet, das Objekt ist jedoch sehr preisintensiv", sagt Netz-Werk-Geschäftsführerin Anne Katrin Koch. Sie bedauert den Schritt, das Sozialkaufhaus aufgeben zu müssen. Doch es sei dem Verein zunehmend schwerer gefallen, das Angebot aufrecht zu erhalten. "Die Möglichkeit, Umsätze zu generieren, ist leider sehr begrenzt", sagt die engagierte Vereinschefin. "Wir haben versucht, das finanziell hinzubekommen, doch wir mussten ständig Geld zuschießen. Nun müssen wir leider den wirtschaftlichen Cut machen, um uns zu konsolidieren", so die Vereinschefin.


Das Kaufhaus "Möbelwert" wird somit am 30. September schließen. Doch es gibt Pläne, die Tafel und die im Objekt angebotenen Beratungsleistungen für die Wiedereingliederung ins Berufsleben weiterzuführen. "Wir als Stadt können nur Weichen stellen. Aber wir sind um eine Lösung bemüht, um die Tafel zu erhalten", sagte Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU) zur jüngsten Stadtratssitzung. Wie Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt auf Nachfrage der "Freien Presse" erklärte, stehe man mit dem Netz-Werk bezüglich des Weiterbetriebs der Tafel in Kontakt. Wie sie andeutete, sei bereits ein Ersatzobjekt im Gespräch - ein Laden in der Peniger Innenstadt, wo künftig die Tafel untergebracht werden kann. Doch dazu würden die Verhandlungen zurzeit noch laufen.

"Es gibt bereits ein gutes Angebot", kann die Netz-Werk-Chefin bestätigen. Da noch genügend Zeit sei, ist sie sich sicher, dass eine Alternative zum jetzigen Standort gefunden wird.

Seit den 1990er-Jahren gibt es die Tafel für Bedürftige in Penig. 2013 war sie vom Alten Schloss in das Gebäude des Sozialkaufhauses "Möbelwert" umgezogen. Seither fungiere die Peniger Tafel als reine Ausgabestelle. Verpackt und portioniert werden die Lebensmittel in Mittweida, so Anne Katrin Koch.

Mit dem Umzug der Tafel in die Peniger Innenstadt sollen - außer dem Sozialkaufhaus - die anderen Hilfsangebote, wie beispielsweise die Beratungsleistungen, und die Ausgabe der Aktivierungsgutscheine für den Arbeitsmarkt aufrecht erhalten werden, so das Ziel des Vereins.


In vielen Bereichen aktiv

Fünf Sozialkaufhäuser: Derzeit betreibt der Mittweidaer Verein Netz-Werk fünf Sozialkaufhäuser an den Standorten Mittweida, Döbeln, Penig, Freiberg und Chemnitz. Die Peniger Einrichtung soll Ende September aus Kostengründen geschlossen werden.

Seit 1993 aktiv: Das Netz-Werk qualifiziert, beschäftigt und berät seit 1993 arbeitslose Menschen in eigenen Werkstätten und Beratungsstellen, mit dem Ziel der verbesserten Teilhabe an Arbeitswelt und Gesellschaft.

Angebote rege genutzt: Jährlich nutzen mehr als 2000 Hilfebedürftige der Region die vielfältigen Angebote. Neben Beschäftigung und der Bereitstellung integrativer Arbeitsplätze betreibt das Netz-Werk Tafeln sowie Beratungsstellen für Erwerbslose an verschiedenen Standorten.

Firmen und Privatkunden: Der Verein unterbreitet Beschäftigungsangebote verschiedenster Art. Auch die Alltagsbegleitung für Senioren gehört zum Spektrum. Gesucht werden daher Interessenten, die sich ehrenamtlich innerhalb dieser Aufgabe engagieren wollen. (ule)

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