Verlassenes Haus verschandelt Hirtenberg

Einmal mehr kommt der Eigentümer einer Brache in Geringswalde seinen Pflichten nicht nach. Die Anwohner ärgert das.

Geringswalde.

Wind fürchtet Frank Harnisch besonders. Denn dann peitschen die Bäume vom Nachbargrundstück mit Macht auf das Dach seines Hauses. Im Garten des Gebäudes Hirtenberg 4 - eine Immobilie der Unternehmensgruppe Lakis mit Sitz im nordrhein-westfälischen Krefeld - hat sich über die Jahrzehnte ein kleiner Wald breitgemacht. "Einer der Haselnussbäume liegt bei Sturm dann direkt auf meinem Dach und schrammt über die Bedeckung", ärgert sich der Geringswalder. Man warte förmlich darauf, bis Löcher klaffen.

Das will Harnisch nicht länger hinnehmen. So hatte er versucht, dem Wildwuchs selbst zu Leibe zu rücken. Erfolglos. "Zugang bestünde lediglich über das darüberliegende Grundstück", sagt er. Doch von dort aus zu arbeiten und die Bäume einzukürzen, das ging nicht. Es handelt sich um ein fremdes Grundstück. Das Areal des Reihenhauses über den Hausflur zu betreten, hält Harnisch für zu gefährlich. "Wer weiß, was dann vom maroden Dach nach innen stürzt. Die gesamte Konstruktion scheint instabil." Was ihm auch Sorge bereitet: "Wenn Wind aufkommt, flattert es im Innern ganz gehörig." Das sei schon unheimlich, da auch keiner wisse, wie lange der Verbund in sich halte und nicht das Dach komplett in sich zusammen rutsche. Das Reihenhaus steht seit etwa Anfang der 2000er-Jahre leer. Nachdem sich Unbekannte auf der Suche nach Buntmetall in den Räumen herumtrieben haben und die Fensterscheiben eingeschlagen wurden, ergriffen Harnisch und ein weiterer Hirtenbergbewohner 2015 die Initiative und vernagelten die Eingangstür und Fenster im Erdgeschoss mit Pressspanplatten. Es sei ihnen bewusst gewesen, dass sie sich an fremdem Eigentum vergriffen. "Doch das mussten wir riskieren, ehe vielleicht jemand Feuer legt in dem leicht zugänglichen Haus."

Ein Vorgehen, dass Immobilieneigentümerin Lakis tolerierte. Mittlerweile hat das Unternehmen auch im Obergeschoss und ich Dach die Fenster verschlossen. In Krefeld ist der instabile Zustand des Gebäudes bekannt. "Wir versuchen die Immobilie zu verkaufen", teilt Sprecher Marc Peters mit. Gleichwohl gebe man sich keinen Illusionen hin. Trotz veröffentlichter Telefonnummer hätte es seit Jahren keine Nachfrage gegeben. Peters will nun einen Hausmeisterservice aktivieren. "Zumindest sollen die Bäume eingekürzt werden", kündigt er an.

Aktuell beobachtet das Landratsamt etwa 250 Brachen, die die Bauaufsichtsbehörde jährlich kontrollieren müssen und von denen in absehbarer Zeit eine Gefahr ausgehen könnte. Laut Sprecherin Cornelia Kluge musste die Behörde in diesem Jahr bei zehn maroden Gebäuden aktiv werden, um Gefahrenquellen auszuschließen. "Dabei gibt es regional keine Unterschiede", so Kluge weiter. Das Problem einstürzender Häuser und Eigentümer, die sich nicht um ihre Immobilien kümmerten, ziehe sich durch ganz Mittelsachsen.

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