Verurteilter Neonazi gibt erneut heimlich Konzert in Lunzenau

Zeugen meldeten der Polizei, an einem Abend im Februar "Sieg-Heil"-Rufe gehört zu haben. Ein Landespolitiker spricht von bis zu 150 Konzertbesuchern.

Lunzenau.

Auffällig viele Autos nahe eines Grundstücks, Zeugen, die die Polizei alarmieren und berichten, dass sie "Sieg Heil"-Rufe gehört haben - in Lunzenau fand offenbar ein Konzert des rechtsradikalen Liedermachers "Lunikoff" statt. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der Berliner Neonazi Michael Regener. Nach Informationen aus dem sächsischen Innenministerium war es nicht sein erster Besuch in der Stadt.

Die Polizei erklärt auf Nachfrage der "Freien Presse", dass man Erkenntnisse habe, dass am 24. Februar auf einem Privatgrundstück eine "rechtsmotivierte Musikveranstaltung" stattfand. Gegen 20.50 Uhr seien entsprechende Hinweise eingegangen. "Durch Hinweisgeber wurde bekannt, dass aus dem Objekt ,Sieg Heil'-Rufe zu hören waren", so Polizeisprecher Andrzej Rydzik. Mehrere Beamte seien zu einem von Zeugen genannten Grundstück gefahren. Allerdings hätten die Polizisten keine Geräusche gehört. "Auffällig war jedoch eine größere Anzahl von Pkw, die in der Nähe abgestellt waren. Gegen 22.45 Uhr konnte durch die Polizisten festgestellt werden, dass Personen das Objekt sukzessive verließen."

Torsten Kleditzsch

Die Nachrichten des Tages:Der „Freie Presse“-Newsletter von Chefredakteur Torsten Kleditzsch

kostenlos bestellen

Michael Regener ist in den vergangenen Jahren mehrfach in Lunzenau aufgetreten. Er war schon am 18. Februar 2018 in der Stadt und hatte einen sogenannten Liederabend veranstaltet. Das teilte das Innenministerium auf Nachfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz mit. Ein Konzert soll es auch im Oktober 2013 in Lunzenau gegeben haben. Auch in anderen Orten Sachsens gab er Konzerte. Am 3. Februar dieses Jahres fand, wie die Polizei bestätigte, ein Konzert in Annaberg-Buchholz statt; ein Jahr zuvor im Januar eins in Johanngeorgenstadt. 2018 war er auch einer der Musiker, die bei einem Rechtsrockfestival in Ostritz auftraten.

Valentin Lippmann, Landtagsabgeordneter der Grünen, beschäftigt sich schon länger mit den Aktivitäten des Musikers. "Michael Regener ist einer der bekanntesten und aktivsten Neonazi-Liedermacher in Deutschland. Er pflegt gute Kontakte nach Sachsen, insbesondere nach Leipzig und tritt jedes Jahr mehrfach in Sachsen auf", sagt er. Er geht davon aus, dass am 24. Februar dieses Jahres 100 bis 150 Teilnehmer das Konzert in Lunzenau besucht haben. Die Polizei bestätigt das nicht. "Lunzenau kann als etablierter Treffpunkt der Neonazi-Szene angesehen werden", sagt Lippmann.

Lunzenaus Bürgermeister Ronny Hofmann (CDU) erklärt, dass er erst durch die Anfrage der "Freien Presse" von dem erneuten Besuch des Berliners erfahren habe. Der werde seiner Meinung nach von Privatleuten eingeladen. Da der Besuch in einem Privatgebäude stattfand, könne man das nicht verhindern.

Das Landratsamt hält sich bedeckt. "Wir haben Kenntnis von extremistischen Aktivitäten im Kreis und somit auch von einigen Veranstaltungen", teilt Sprecherin Cornelia Kluge mit. Man stehe mit anderen Behörden in Verbindung, um präventiv zu agieren und Möglichkeiten zu erörtern, damit solche Veranstaltungen nicht stattfinden. "Wir bewegen uns in einem engen rechtlichen Rahmen. Das bedeutet, dass es auch leider vorkommt, dass wir eine Veranstaltung nicht unterbinden können", sagt die Sprecherin. "Ich erwarte vom Landkreis, dass das Bauaufsichtsamt genau hinschaut und prüft, ob dieses in Privatbesitz befindliche Objekt die bau- und nutzungsrechtlichen Auflagen für solche Veranstaltungen erfüllt", sagt dazu Valentin Lippmann.

Lunzenau ist aber nicht nur ein offenbar häufiger besuchter Auftrittsort für den Berliner Neonazi. Im Herbst 2017 trafen sich Anhänger einer völkisch-national eingestellten Gruppe namens "Sturmvogel - Deutscher Jugendbund" im Ortsteil Cossen zu einer Feier. Wie Sachsens Innenministerium dazu erklärt, hätten Polizisten bei einer Kontrolle zwischen 60 und 70 Personen angetroffen, darunter Kinder. Die Kinder hätten olivgrüne Uniformen getragen mit dem Ärmelabzeichen der Gruppe. Es zeigt einen schwarzen Vogel auf rot-weißem Grund. Die Erwachsenen seien im Stil der 30er-Jahre gekleidet gewesen. Die Organisation ging aus der verbotenen rechtsextremen Vereinigung "Wiking-Jugend" hervor. Experten für Rechtsextremismus stehen der Gruppe misstrauisch gegenüber. Bürgermeister Hofmann sieht dafür keinen Grund. "Das ist für mich völlig anders zu bewerten. Das sind Leute, die anders leben und sehr konservativ sind, aber keinesfalls Rechtsradikale", sagt er.


Berliner saß bis 2008 im Gefängnis

Als "Lunikoff" tritt der Berliner Michael Regener auf. Er ist der ehemalige Sänger der neonazistischen Musikgruppe Landser. Die Band wurde vom Bundesgerichtshof unter anderem aufgrund volksverhetzender Inhalte als kriminelle Vereinigung eingestuft.

Im Dezember 2003 wurde Regener als Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung, wegen Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung und weiteren Delikten vom Berliner Kammergericht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt. "Die Band produzierte CDs mit Liedern überwiegend rechtsradikalen und nationalsozialistischen, auch antisemitischen und ausländerfeindlichen Inhalts", so eine Sprecherin des Gerichts. 2005 hat der Bundesgerichtshof das Urteil bestätigt. Regener saß bis 2008 in Haft. (fpe)

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 2 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 12
    11
    Blackadder
    20.03.2019

    Willkommen in Sachsen.

    Nein, es gibt kein Problem, gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen!



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...