Warum ein Burgstädter Udo Lindenberg doubelt

Zum Burgstädter Stadtfest schlüpft ein Bauingenieur in die Rolle seines Idols. Er ist allerdings auch noch Fan eines weiteren Sängers, den er 2019 imitieren will.

Burgstädt.

Wer zum Architekturbüro von Olaf Scheithauer in der Dr.-Robert-Koch-Straße in Burgstädt will, wird im Flur zuerst von Udo Lindenberg begrüßt. Fotos, Plakate, Schallplatten, Bücher Kleidung und ein Räuchermann vom Rocker sind aufgereiht. Am Garderobenhaken hängen ein schwarzer Frack und Fan-Jacken des Idols. Selbst schwarzer und brauner Hut, Sonnenbrille und Zigarre dürfen nicht fehlen.

Auf einem Tisch steht die jüngste Errungenschaft: eine Mini-Bronze-Statuedes Originals, das 2015 in Lindenbergs Geburtsstadt Gronau enthüllt worden ist. Olaf Scheithauer sieht Udo Lindenberg nicht ähnlich, er ist korpulenter, seine Haare sind voller. Aber als er ein Lied anstimmt, kann man den Sänger sehen. Im Hintergrund erklingt Musik aus der Konserve, dann singt Scheithauer: "Wir sind auf Odyssee, Odyssee - und keiner weiß, wohin die Reise geht", den Refrain des Liedes "Odyssee".

Und Scheithauer setzt sich den braunen Hut auf, nimmt einen Schluck Eierlikör und kommt ins Plaudern. "Eigentlich bin ich erst richtig seit 2003 Fan vom Alten, wie Lindenberg von Freunden genannt wird." Seit der neunten Klasse der Erweiterten Oberschule (EOS, heute Gymnasium) Burgstädt spielte Scheithauer Gitarre und etwas Schlagzeug. "Alles habe ich mir selbst beigebracht", sagt der 63-Jährige. 1972 gründete er mit Freunden die Schülerband ICKSS. Bei Auftritten wurde auch mal ein Lied von Peter Maffay und Udo Lindenberg angestimmt, erzählt er. Im Frühjahr 2003 war es, als ein Freund ihn aus Penig anrief und sagte: "Der Alte ist da!" Seine Familie ist einer der größten Fans von Lindenberg, sagt Scheithauer. Familie Seidler hat ein privates Lindenberg-Museum eingerichtet. "Und dort sah ich Udo zum ersten Mal privat", so Scheithauer. Er sei ganz natürlich, habe mit ihm über "Gott und die Welt" gesprochen, aber auch viel über Musik, sein Hotel in Hamburg. Seitdem gehört der Burgstädter zur Fangemeinde und hat selbst knapp 100 Exponate vom Idol gesammelt.

Nicht nur die bekannten Rock-Titel, sondern auch die Balladen und politischen Texte ließen ihn nicht mehr los. "Udo hat sich sein Leben lang für die Wiedervereinigung von Deutschland eingesetzt und ist immer gegen Krieg", sagt Scheithauer. Lindenberg sei immer für Frieden und gegen Gewalt eingetreten. Deshalb habe es bei Konzerten nie Gewalt gegeben, sagt der Burgstädter. "Wir sind eben eine große Panik-Familie", zitiert er Lindenberg. Seit 2003 besuchte Scheithauer fast alle Lindenberg-Konzerte. Höhepunkt war für Scheithauer 2012 der Besuch seines Idols bei der Lindenberg-Ausstellung im Schloss Augustusburg. Die Seidlers hatten die Ausstellung mitorganisiert.

Scheithauer begann, die raue, rauchige Stimme Lindenbergs nachzuahmen, merkte sich Textzeilen, seine Gesten und Aussprüche. Und irgendwann trat er bei Familienfeiern als Udo-Lindenberg-Double auf. Der Erfolg gab ihm recht. Mittlerweile hat er etwa sechs bis acht Lieder im Repertoire. Dabei dürften Hits wie "Der Sonderzug nach Pankow", "Cello" und "Mein Ding" nicht fehlen. "Vor so einem Auftritt schaue ich mir immer noch mal Videos an, auch bei einem Bierchen", sagt Scheithauer. "Bei einem Bier kommen die besten Ideen und außerdem traut man sich eben auch, in die Rolle von Udo zu schlüpfen." In dieser Rolle ist Scheithauer erstmals zum Burgstädter Stadtfest zu erleben. Morgen wird er ab etwa 21.30 Uhr auf der Bühne am Brühl stehen. "Ich freu mich drauf", sagt er.

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