Warum ein Holzhaufen kein Abfall ist

Im Herbst sollen die Bauarbeiten für den Radweg, der Waldheim mit Rochlitz verbinden wird, beginnen. Doch vorher werden erst einmal die Eidechsen in Sicherheit gebracht.

Geringswalde/Rochlitz.

Das musste sich Geringswaldes Bürgermeister Thomas Arnold (parteilos) genauer anschauen: Schräg gegenüber der Handelsniederlassung eines Agrarbetriebes am Oberen Hohlweg sieht es auf dem unbebauten Terrain, neben dem künftigen Radweg, der einmal die Stadt Waldheim mit Rochlitz verbinden soll, ziemlich wild aus. Es türmen sich wurzelreiche Baumstümpfe, umgeben von Sand und Steinen. Das Ganze umfriedet von einem Reptilienschutzzaun.

Zwar mutet das etwas struppige Ersatzhabitat für die streng geschützten Eidechsen etwas seltsam in der sonst aufgeräumten Landschaft an. Dennoch ist es laut dem für den Bau des Radweges zuständigen Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) unerlässlich. Auf dem alten Bahngelände, das an den Oberen Hohlweg grenzt, wurden auf rund 400 Quadratmetern Fläche Schutzräume für die Kriechtiere angelegt. Laut Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert wurden Bodenmulden ausgehoben und mit groben Steinen gefüllt sowie seitlich mosaikartig gewaschener Sand, Baumwurzeln und Holzstämme verteilt. Das gesamte Areal ist mit einem Zaun umgrenzt.


Zudem wurde die künftige Radtrasse am Bahnhof großzügig mit einem Zaun eingefasst. "Im Randbereich der Reptilienzäune stehen Fangeimer", so Siebert weiter. "Mit deren Hilfe werden die Tiere von Biologen eingesammelt und in die vorbereiteten neuen Lebensräume umgesiedelt." So könne vermieden werden, dass die Tiere später bei den Bauarbeiten verletzt oder getötet werden.

"Geplant ist der Baubeginn für den Abschnitt zwischen Hartha und Geringswalde ab Herbst dieses Jahres", kündigt die Lasuv-Sprecherin an. Der Bereich des Naturgebiets Fröhne werde vorerst ausgespart. "Zunächst werden dazu Variantenuntersuchungen erstellt und in einem Baurechtsverfahren geprüft", sagt Siebert. Solange soll der Radverkehr auf den vorhandenen Wegen durch das Waldgebiet durchgehend erlaubt sein.

Insgesamt rechnet die Straßenbaubehörde mit Baukosten für den Radweg von insgesamt 5 Millionen Euro. Gebaut wird in vier Abschnitten. Der erste von Waldheim nach Geringswalde umfasst 8,4 Kilometer und wird rund 1,85 Millionen Euro kosten.

Viele Geringswalder schauen jetzt schon neugierig auf die künftige Baustelle. Ein Anwohner radelt beim Vor-Ort-Termin der "Freien Presse" vorbei, bleibt stehen und sagt: "Da wird man sich auf einiges gefasst machen müssen." Eine Rennstrecke für Motorräder werde aus dem Radweg werden, sobald der Asphalt aufgetragen ist. "Und die Radler werden ihren Müll an der Piste zurücklassen." Ein zweiter macht Halt. "Ich wohne am Hohlweg, und ich freue mich darauf, künftig bis zum 'Waldfrieden' durchfahren zu können", sagt er.

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