Warum eine Blumenwiese in Rochlitz zum Zankapfel wird

Ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz - doch offenbar ein großes Problem: Seit Monaten wird über eine Blühfläche diskutiert. Nun steht der Standort endlich fest. Doch nicht allen gefällt er.

Rochlitz.

Die Odyssee begann mit einem gut gemeinten Vorschlag, der bereits im November vorigen Jahres unterbreitet worden war. Damals hatte SPD-Stadtrat Torsten Hahn angeregt, in Rochlitz eine Blumenwiese anzulegen. Damit könne die Stadt einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, sagte er. Der Vorschlag stieß auf offene Ohren, doch die Standortsuche gestaltete sich schwierig.

Die Verwaltung brachte mehrere Areale ins Gespräch, unter anderem die Grünfläche an der Hohen Gasse, die vom Planungs- und Bauausschuss auch befürwortet wurde. Doch die Stadt hatte ihre Rechnung ohne die dortigen Anwohner gemacht. Denn diese protestierten laut Stadt dagegen. Ihre Argumente: Sie seien nicht gefragt worden. Außerdem sehe eine Blumenwiese ungepflegt aus, erklärten sie.

So wurde eine neue Fläche gesucht. Zur Auswahl standen vier Standorte - und zwar ein Areal an der Brückenstraße unweit der Muldebrücke, eines in der Gartenanlage "Am Klinkborn", eines am ehemaligen Hartplatz an der Hochuferstraße und eines an einer zurückgebauten Straße in Stöbnig. Auch über das frühere List-Gelände war diskutiert worden. Alternativvorschlag der Verwaltung und des Ausschusses: der Standort Brückenstraße, Nähe Muldebrücke. Doch dazu gab es Zoff in der jüngsten Stadtratssitzung. "Diese Fläche ist intakt, wurde nach dem Hochwasser 2013 mit viel Geld wiederhergestellt", schimpfte FDP-Stadtrat Sven Krause über den Vorschlag. Mit einer Blumenwiese an dieser Stelle entstünden der Stadt weitere Kosten, auch der Bauhof habe zusätzliche Arbeit. Laut Krause seien auf der Muldeinsel genügend Blühflächen vorhanden, die von Bienen angenommen würden. Linken-Stadträtin Bettina Schlegel sah das anders und fand den Standort Brückenstraße, wie sie sagte, "sehr gut". Das sei eine Stelle, wo niemand gestört oder eingeengt werde.

Auch die Kosten spielten bei der Debatte eine Rolle. SPD-Stadtrat Wilfried Hänchen warf die Frage auf, wer die Pflege bezahlen soll. Sein Vorschlag: Patenschaften mit Schulen abschließen. "Die Kosten werden nicht anders, wenn das Saatgut an anderer Stelle in die Erde gebracht wird", wie CDU-Stadtrat Heiko Dost sagte. Stadtrat Marcel Berger (RGG) wandte sich direkt an Sven Krause, sprach ihn auf das Saatgut hin an. "Sollen wir es wegschütten?", fragte er. Denn das hat die Stadt bereits gekauft - Kostenpunkt laut Cornelia Quaas, Leiterin des Amtes für Bauen und Stadtentwicklung, etwa 580 Euro.

Dass der Samen schon da ist, begründete OB Frank Dehne (parteilos) mit der Ausschussentscheidung und der Zeitschiene. Denn angesichts der Jahreszeit müsse das Saatgut in den nächsten Wochen in den Boden. Gespannt blickten alle Stadträte schließlich auf die Bauamtschefin, denn die konnte erstmals mit konkreten Kosten aufwarten. Zu den 580 Euro kämen, wie sie sagte, weitere 5700 Euro für das Vorbereiten der etwa 500 Quadratmeter großen Pflanzfläche hinzu. "Es ist keine billige Angelegenheit." Zudem müsse die Fläche mindestens einmal im Jahr gemäht und öfter von Unkraut befreit werden. Die Stadträte machten letztlich der Odyssee ein Ende: acht stimmten für die Blumenwiese an der Brückenstraße, zwei dagegen, einer enthielt sich.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Interessierte
    30.09.2019

    Das ist in einer Demokratie eben so , da zankt sicher jeder mit jedem und am Ende kommt gar nichts dabei raus , ihr Geld bekommen die aber trotzdem für ihren Job ....

  • 6
    0
    Tauchsieder
    27.09.2019

    So kann man sich lächerlich machen. Blumenwiese und Pflege - einmal im Jahr mähen und Basta. Ist genau das Gegenteil von der Vorstellung einiger Ratsmitglieder. Wo entstehen hier zusätzliche Kosten, wenn auf den anderen "gepflegten" Wiesen mehrfach im Jahr gemät werden muss?
    Vorschlag zur Güte, mal ne Umfrage bei den Insekten machen!



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