Warum Radfahrer noch nicht im Chemnitztal weiterkommen

Strecke soll ab Juli ausgebaut werden - Dorfbrücke muss noch saniert werden - Verzögerungen in Auerswalde

Claußnitz.

Der Zweckverband Chemnitztalradweg hat den Streckenausbau zwischen Markersdorf und Diethensdorf an eine Firma vergeben. Doch die Kosten sind gestiegen. Das bringt die Pläne durcheinander. "Freie Presse" beantwortet einige Fragen.

Warum ist der Weiterbau des Chemnitztalradweges ins Stocken geraten?


Der 2,2 Kilometer lange Abschnitt zwischen Markersdorf und Diethensdorf sollte dieses Jahr befahrbar sein. Doch weil sich die Baukosten verteuert hatten, schrieb der Zweckverband Chemnitztalradweg erst nach und nach die Arbeiten aus. Einzelne Gewerke mussten erneut ausgeschrieben werden. Eine Vergabe der Arbeiten könne nur bei Zusage von Fördermitteln erfolgen, sagt auf Nachfrage Verbandschef Günter Hermsdorf. Im Mai 2019 wurden vom zuständigen Landesamt für Straßenbau und Verkehr Zuwendungen in Höhe von rund einer Million bewilligt. Der Antrag auf Nachförderung war bereits 2017 gestellt worden. "Es sind zwei Jahre ins Land gegangen, das bedeutete Zeitverlust", so Hermsdorf.

Was wird zurzeit gebaut?

Die Arbeiten an zwei Stahlbetonbrücken sind beendet. "Wir warten noch auf die Endabnahme", sagt Hermsdorf. Anwohner hatten bemerkt, dass dort Holzlatten verlegt wurden, die aber für den Radverkehr nicht geeignet sind. "Das war vor dem Aufbringen der Stahlauflagen", erklärt Hermsdorf. Die Fahrspur könnte theoretisch also schon benutzt werden.

Wann beginnt der Streckenausbau mit Asphaltierung?

Weil der Nachtrag für Fördermittel so spät bewilligt wurde, konnten die Arbeiten erst im Juni vergeben werden. Sechs Firmen hatten sich beworben. Eine Chemnitzer Firma erhielt den Zuschlag in Höhe von rund 548.000 Euro. Baubeginn soll laut Hermsdorf bis 22. Juli sein. Dann werde die Baustelle eingerichtet. Details werden zur Bauanlaufberatung am Donnerstag, 11. Juli, vor Ort geregelt.

Seit Jahresbeginn befürchten die Bewohner der dortigen Naherholungsanlage, dass ihre Zufahrt wegen des Radwegbaus gesperrt wird. Wann erhalten sie eine Antwort?

Verbandschef Hermsdorf hatte im März gesagt, dass zwischen 15. Juni und 1. Oktober die Brücke über den Dorfbach - die letzte der insgesamt vier Brücken - saniert wird. Der Zeitraum sei vorgegeben wegen der Fischschonzeit. "Vorausgesetzt, die Baukosten stimmen und es gibt eine Fördermittelzusage", so Hermsdorf damals. Doch diese Aussage ist überholt. Denn der Verband entschied, erst die Strecke auszubauen und dann die letzte Brücke zu sanieren. "Wir müssen sehen, wie das Geld reicht", so Hermsdorf. Weil sich die Arbeiten verzögert hatten, konnten die Gartenbesitzer auch nicht über die Sperrung informiert werden. "Ich bin aber im Gespräch mit dem Vereinschef", so Hermsdorf.

Wie ist die Vorgehensweise beim Streckenbau? Wann ist eine Sperrung zur Gartenanlage notwendig?

Gebaut wird laut Hermsdorf in drei Abschnitten. Die Grundstücke sind bei Arbeiten zwischen Alter Mühle und der Dorfbachbrücke nicht mehr per Auto erreichbar. Wann das ist, wird zur Bauanlaufberatung diskutiert. Aus Richtung Schweizerthal und Diethensdorf sei in diesem Zeitraum eine Zufahrt möglich.

Wie können Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge im Notfall die etwa 30 Gärten erreichen?

Dieses Problem will der Zweckverband mit dem Baubetrieb klären. "Es wird eine Lösung geben; wie die aussehen soll, steht noch nicht fest", so Hermsdorf.

Auf der jetzigen Baustraße im Schweizerthal soll ein Parkplatz für die Gartenbesitzer eingerichtet werden. Haben dort alle Fahrzeuge Platz?

"Wir gehen davon aus, dass der Platz ausreichend ist", sagt Chef Hermsdorf. Er wolle mit dem Vereinschef und dem Baubetrieb klären, wie die Anordnung erfolgt.

Was sollten Laubenbesitzer tun, wenn sie größere Anlieferungen von Materialien erwarten?

"Dies sollte nicht in der Zeit der Sperrung erfolgen", sagt Hermsdorf. Aber der Eisenbahnverein hat die Bereitschaft signalisiert, dass im Notfall mit der Draisine, die auf den alten Bahnschienen zu besonderen Anlässen fährt, Materialien transportiert werden können.

Wann wird die letzte Brücke gebaut?

Anlieger der Gartenanlage hatten gesagt, dass schon viele Jahrzehnte die Dorfbachbrücke Lkw- und Autoverkehr ausgehalten hat, und bezweifeln die Notwendigkeit der Sanierung. Hermsdorf entgegnet, dass eine Instandsetzung notwendig ist. Bis Herbst 2019 will die Verbandsversammlung klären, wie und wann die Sanierung erfolgt. Geplant sei das für das Jahr 2020.

Müssen Radfahrer noch so lange warten, bis sie die Strecke befahren können?

Nein. Wenn die Strecke asphaltiert ist, kann theoretisch schon die Strecke befahren werden. Eine Endabnahme erfolgt aber erst, wenn die Dorfbachbrücke saniert und die Ausschilderung erfolgt ist.

Der Radweg zwischen Chemnitz und Claußnitz ist Ende 2016 fertig, warum wird noch in Auerswalde gebaut?

Die Landesbehörde bezeichnet die Brücke, die zum ehemaligen Bahnhof Auerswalde-Köthensdorf führt, als Bauwerk 9, das Bestandteil des Chemnitztalradweges ist. "Die Brücke dient auch der Anbindung des Radweges an die B 107", sagt eine Sprecherin. Dafür werden 1,2 Millionen Euro investiert. Die Bauarbeiten sollten Ende 2018 abgeschlossen sein. Aber zusätzliche bauliche Leistungen seien notwendig gewesen, "die erst nach Freilegen des Bestandsbauwerkes erkennbar waren", erläutert die Sprecherin. Dadurch verschiebt sich die Fertigstellung des Vorhabens - erst bis Mitte 2019, jetzt bis Anfang September. Der Zugang der Anwohner wird bis zur Verkehrsfreigabe weiterhin über die Behelfsumfahrung sichergestellt, so die Sprecherin. bj

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