Warum Wasser verschiedene Farben hat

Regelmäßig hat ein Peniger Gymnasiast Proben aus drei Seen entnommen. Er konnte nachweisen, dass der See, der industriell genutzt wird, bei der Qualität nicht schlechter als die anderen abschneidet. Seine Analysetechnik stellte er bei "Jugend forscht" vor.

Penig.

Tom Scheider ist Segelflieger. Bei einem seiner Flüge hat der 18-Jährige im Grenzgebiet zwischen Sachsen und Thüringen drei Seen entdeckt - dicht beieinander liegend und dennoch von anderem Farbton. "Also natürlich nicht im Sinne von bunt. Sie hatten andere Farben im blauen und grünen Bereich. Ich wollte herausfinden, was das zu bedeuten hat", sagt Tom, der die 12. Klasse des Peniger Freien Gymnasiums besucht. Anderthalb Jahre lang hat er sich mit den Seen befasst. Die Ergebnisse seiner Analysen hat er beim Wettbewerb "Jugend forscht" in Chemnitz vorgestellt.

"Es war für mich super, dort dabei zu sein. Ich habe viele interessante Leute kennengelernt und denke, dass ich mich gut geschlagen habe", sagt er. Dass er keinen Preis gewonnen hat, enttäusche ihn nicht. Er sei nicht der große Redner vor vielen Leuten. Aber genau das musste er am Wochenende: sein Projekt vorstellen, Fragen beantworten. "Reden geht vor vielen und bei so einer öffentlichen Veranstaltung, ich kann das. Das ist Sieg genug", sagt er.

Und er konnte schon mal trainieren für die Verteidigung seiner "Bell". Das bedeutet "Besondere Lernleistung" - und eine solche hat er mit seinem Seenprojekt erbracht. Über eine Zeit von anderthalb Jahren hinweg hat er monatlich Proben aus den drei Gewässern entnommen und sie analysiert. "Ich habe zum Beispiel ausgewertet, ob es wetter- oder nutzungsbedingte Unterschiede gibt", sagt er zu der sehr komplexe Arbeit. Zwei der Seen sind früher wirtschaftlich genutzt worden, zum Beispiel zur Fischaufzucht, fand er heraus. Vor 20 Jahren wurden sie der Natur zurückgegeben. "Es hat sich ringsum ein tolles Biotop entwickelt. Wir haben beim Probennehmen zum Beispiel unzählige Libellen gesehen und auch Fischotter", sagt Kathrin Köllner-Rabold. Die Chemielehrerin hat die "Bell" und Tom Schneiders Arbeiten betreut.

In einem der Seen wird Sand und Kies abgebaut. "Er hat eine andere Farbe. Das liegt unter anderem daran, dass er flacher als die anderen beiden ist und durch den Abbau entsprechend aufgewühlt wird", erklärt Tom Schneider. Er hat bei seinen Analysen aber herausgefunden, dass das keinen Einfluss auf die Wasserqualität hat. "Die ist bei allen drei Seen genauso in Ordnung", sagt er. Er habe keine bedenklichen Stoffe wie Nitrate oder Phosphate im Wasser gefunden.

Eingesetzt hat er für seine Untersuchungen ein selbst entwickeltes Analyseverfahren. "Das gibt es in dieser Form noch nicht, und allein das wäre für mich ein Grund für einen Preis gewesen", sagt der stellvertretende Schulleiter Armin Frei. Doch so wie für den Schüler ist für ihn die Teilnahme am Wettbewerb entscheidend. "Das allein ist immer schon ein Gewinn", sagt er. An der Bildungseinrichtung ist die Teilnahme am Wettbewerb Tradition. Ein Problem habe es in diesem Jahr gegeben: Was bei "Jugend forscht" präsentiert wird, wird vorher eingereicht. Dazu musste die mehr als 100 Seiten umfassende Abhandlung, die Tom Schneider in seiner "Bell" geschrieben hatte, auf weniger als 20 Seiten reduziert werden. "Es ist schon möglich, dass so Zusammenhänge, die er herausgearbeitet hat, nicht deutlich genug dargestellt werden konnten", sagt Frei. Auch Kathrin Köllner-Rabold verweist auf diesen Fakt. Der 18-Jährige habe sich unheimlich viel Fachwissen angeeignet und sei verbissen am Thema drangeblieben. "Das ist schon ungewöhnlich", lobt sie die Leistung, die er zum Wettbewerb in Chemnitz leidenschaftlich rübergebracht habe. Nun fließen die Ergebnisse der "Bell" in sein Abitur ein.

Nach diesem, so ist sich der junge Forscher bereits sicher, möchte er "irgendetwas mit Chemie" studieren. Verfahrenstechnik, Chemie- Ingenieurwesen oder auch Lehramt, zählt er auf. Bei fast lauter Einsen dürfte dem naturwissenschaftlich begeisterten Gymnasiasten vor den Prüfungen, einem Studium und dann dem beruflichen Weg nicht bange sein. "Dass er selbstständig, wissenschaftlich, mit Konzept und vor allem ausdauernd arbeiten kann, hat er eindrucksvoll bewiesen", so seine Mentorin Kathrin Köllner-Rabold.

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