Was ein Abwasserkanal verändern soll

13,5 Millionen Euro teure Bauarbeiten sollen bis 2029 dauern - Startschuss für ersten Abschnitt erfolgt - Keine Gebührenerhöhung geplant

Burgstädt.

Ein sieben Kilometer langer Abschnitt des Abwasserkanals zwischen Burgstädt und Hartmannsdorf soll erneuert werden. Die Arbeiten haben mit dem Umverlegen von Strom- und Trinkwasserleitungen begonnen. Bei einer Einwohnerversammlung wurden einige Fragen geklärt.

Warum muss der Abwasserkanal erneuert werden?

Der zwölf Kilometer lange Kanal wurde 1927/28 gebaut. Die Leitung war ein Trennsystem. Das heißt: Häusliche Abwässer wurden abgeleitet, das Niederschlagswasser nicht erfasst. Gebaut wurden Klinkerkanäle mit einem Durchmesser von 40 bis 55 Zentimetern. Vermutlich seit 1945 wurde die Leitung als Mischwasserleitung genutzt. Durch die Zunahme der Wassermenge war das Netz zunehmend überlastet. Das hatte auch den Verschleiß der Rohre zur Folge. Risse bildeten sich, Verstopfungen häuften sich. Die Anzahl der Reparaturen nahm zu. Aufgrund des Alters und der Schäden muss der Kanal - Mannsbachschleuse genannt - erneuert werden.

Woher rührt der Name?

Der Kanal ist nach Freiherr Mannsbach, dem einstigen Chef der Amtshauptmannschaft Rochlitz, benannt. Burgstädt und Hartmannsdorf gehörten wie Taura und Claußnitz des Abwasserzweckverbandes AZV zur Amtshauptmannschaft Rochlitz (1838 bis 1939). Das war ein Verwaltungsbezirk im Königreich Sachsen und im späteren Freistaat, von 1939 bis 1952 Landkreis Rochlitz.

Was wird konkret gebaut?

Der Hauptsammler zwischen der Gaststätte "Goldener Löwe" in Burgstädt und Oberer Hauptstraße/Bahnhofstraße in Hartmannsdorf wird auf einer Länge von sieben Kilometern erneuert. Dazu wird Kunststoffrohr mit einem Durchmesser von 50 bis 120 Zentimetern verlegt. Elf historische Regenüberlaufbecken werden entfernt, sechs neue gebaut. Außerdem wird die Kläranlage zur Behandlung von Mischwasser saniert. Der Zufluss von 220 Liter pro Sekunde wird auf 350 l/s erhöht.

Wie verläuft die Sanierung?

Gebaut wird in sechs Abschnitten. Im ersten wird von der Gaststätte "Goldener Löwe" an der Burkersdorfer Straße bis zum Brausebachweg gebaut. Der zweite Abschnittwird bis zur Gustav-Wolf-Straße weitergeführt, der dritte bis zum Brunnenweg/Burkersdorfer Stra- ße 31. Im vierten bis sechsten Abschnitt wird die Kläranlage in Heiersdorf saniert - mit neuem Belebungsbecken, Schlammstrecke und Zufahrt. Weitere Abschnitte bis Hartmannsdorf sind noch nicht im Detail geplant.

Wie ist der zeitliche Ablauf?

Bis Ende 2020 soll der erste Abschnitt beendet sein. Jeweils ein Jahr dauern zweiter und dritter Abschnitt. Abhängig ist der Ablauf laut AZV-Geschäftsführer Frank Kaiser von Fördermitteln, Wetter und Baufirmen. Geplant ist mit einem Zeitraum von 2019 bis 2022.

Was kostet die Investition?

Im ersten Bauabschnitt wird mit 1,9 Millionen Euro gerechnet. Der AZV rechnet mit einer Investition von 13,5 Millionen Euro über zehn Jahre.

Wie verläuft die Umleitung?

Für die Sonderlinie 611 (Schülerverkehr) wird am Quellenberg und für die Linie 659 am Quellenberg/Einmündung Gückelsbergstraße eine Ersatzhaltestelle eingerichtet. Die offizielle Umleitung erfolgt über die Gückelsbergstraße und Mohsdorfer Straße und entgegengesetzt.

Wie ist die Aus- und Zufahrt zu Grundstücken gesichert?

Laut Kaiser gewährleistet die Baufirma den Fußgängerverkehr. Außerdem ist jederzeit eine Zufahrt für Rettungskräfte, Feuerwehr und Müllabfuhr sicherzustellen. Der Polier der Baufirma sei jederzeit über Handy bei Anfragen zu erreichen. Bei Notfällen könnten Stahlplatten auf Gräben gelegt werden.

Welche Auswirkungen hat der Kanalbau auf den Brückenbau am Gartenweg?

Die Stadt Burgstädt will die marode Brücke über den Brauselochbach am Gartenweg abreißen und ein neues Bauwerk errichten. Baustart kann erst sein, wenn der Abwasserkanal dort fertiggestellt ist.

Werden neben der Hauptleitung noch andere Kanäle gebaut?

Nein. Das ist laut AZV-Chef Kaiser nicht geplant.

An manchen Stellen verläuft der Kanal über private Flächen. Kann das jetzt reguliert werden?

Der Kanal sollte immer auf öffentlicher Fläche verlaufen. Ausnahmen könnten durch Engstellen notwendig sein. Grundstücksbesitzer sollten den Wunsch rechtzeitig vor den Planungen äußern, so Kaiser.

Werden die Gaststätten "Goldener Löwe" und "Pári Csárda" immer erreichbar sein?

Die Bauabschnitte sind laut Kaiser so geplant, dass die Gaststätten immer jeweils von einem Ende der Burkersdorfer Straße erreichbar sind.

Bei Starkregen laufen regelmäßig an der Damaschke- und Burkersdorfer Straße die Keller voll. Wird das noch vorkommen?

Ganz ausschließen will der AZV-Chef das nicht. Aber mit der Sanierung werde die Ansiedlung von Gewerbebetrieben und der Bau von Wohnhäusern einfacher, sagt Bürgermeister Lars Naumann. Bisher gebe es aufgrund des veralteten Abwassersystems strenge Bauauflagen.

Werden sich mit dem Kanal-Neubau die Abwassergebühren erhöhen?

Durch den Neubau werden sich die Abwassergebühren nicht erhöhen, sagt AZV-Chef Kaiser. Jedoch sei es möglich, dass sich durch die allgemeine Preissteigerung Veränderungen ergeben. Aber der AZV versuche, die Mehrkosten an anderer Stelle einzusparen - beispielsweise durch Senkung der Klärschlammmenge, deren Menge zuletzt deutlich zugenommen hat. Außerdem werde die Anzahl der Reparaturen sinken. bj

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