Wasser aus Talsperre und Mulde: Zum Trinken reicht es nicht

Ein Verein aus Mittweida bietet Untersuchungen von Wasser und Boden an. Auch in Rochlitz machte er Station. Die "Freie Presse" war dabei und hatte zwei Proben im Gepäck.

Rochlitz/Mittweida.

Welche Qualität hat das Wasser aus der Talsperre Kriebstein und der Zwickauer Mulde in Rochlitz? Die "Freie Presse" hat das gestern im Rochlitzer Rathaus teilweise untersuchen lassen.

Zum Termin hatte die Arbeitsgruppe für Umwelttoxikologie eingeladen. Die Arbeitsgruppe haben 1991 Studenten aus Bielefeld gegründet, der Verein arbeitet heute von Mittweida aus. Regelmäßig bietet er Interessierten die Möglichkeit, Wasser- und Bodenproben analysieren zu lassen. Auch gibt er unter anderem Tipps, wie Wasser gefiltert und Boden gedüngt werden kann.

Heike Schölzke von der Arbeitsgruppe empfing gestern rund ein Dutzend Gäste in Rochlitz. Sie alle hatten Proben mitgebracht. Die "Freie Presse" hatte zwei Flaschen Wasser dabei: Eine aus der Talsperre, entnommen in Lauenhain, eine aus der Mulde an der Rochlitzer Insel. Eine kleine Menge füllte Schölzke mit einer Pipette in Messbecher, gab noch eine Lösung dazu, um die Messung vornehmen zu können. Mit Messstäben wurden die Proben dann getestet.

Das Ergebnis auf den elektronischen Geräten: Das Wasser aus Lauenhain hat einen pH-Wert von 5,9, das aus der Mulde von 5,95. Der pH-Wert ist der Säuregrad des Wassers. Damit Wasser als Trinkwasser eingestuft werden kann, muss es einen pH-Wert haben, der zwischen 6,5 bis 9,5 liegt, so Schölzke. "Das Wasser hat also keine Trinkwasserqualität." Der Wasserzweckverband ZWA, der auch die Regionen Frankenberg, Mittweida und Rochlitz mit Trinkwasser versorgt, bezieht dieses hauptsächlich aus den Talsperren Lichtenberg und Einsiedel.

Das Wasser aus der Talsperre Kriebstein und der Mulde sei sauer, was zeige, dass es aus der Natur kommt. Bei einem Wert unter 7 können Rohre angegriffen werden, sodass Trinkwasser mit giftigen Metallen belastet wird. Anders sieht es bei beiden Proben bei der Nitratkonzentration aus. Die Stickstoffverbindung, die etwa durchs Düngen in der Landwirtschaft ins Grundwasser gelangen kann, kann vor allem für Kleinkinder giftig sein. Der Grenzwert am Wasserhahn liegt bei 50 Milligramm pro Liter. Bei der Talsperre sind es 22,8, bei der Mulde 26,6.

"Ich bin vom Ergebnis beim Nitrat positiv überrascht", so Thomas Caro, Geschäftsführer vom Zweckverband Kriebsteintalsperre. Er verweist darauf, was auf dem Weg der Zschopau vom Fichtelberg bis zur Talsperre alles ins Wasser gelangen könne. Generell würden aber nicht regelmäßig Proben aus der Talsperre entnommen. "Wir sind kein Badegewässer". Eine Ausnahme bildete der Sommer 2018, als wegen Blaualgen mehrmals getestet wurde.

Auch auf Eisen, Kupfer, Arsen und andere Parameter kann man über den Verein Wasser testen lassen. Das erfolgt dann in Laboren. Die Analysen kosten je nach Umfang 10 bis 90 Euro. Auf das Ergebnis wartet man rund zwei Wochen.

Für eine kleine Analyse des Wassers aus einem rund 100 Jahre alten Brunnen hat sich gestern Bernd Schumann aus Beedeln entschieden. "Ich nutze das Wasser für die Toilette, Gartenzwecke und die Pferde und möchte wissen, in welchem Zustand es ist", sagte er.

Laut Heike Schölzke vom Verein bringen die Leute Wasser aus Brunnen, Quellen, Teichen, Gartenanlagen oder auch Regenwasser sowie Boden vom Blumenbeet, Rübenacker, Rasen und auch aus Hochwassergebieten mit. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und bis in die Berliner Gegend sind die sieben Mitstreiter des Vereins unterwegs.

Lässt sich allgemein etwas zur Qualität des Wassers in der Region sagen? Pauschal nicht, so Ramona Stephan, die ebenfalls beim Verein tätig ist. "Man kann zwei Brunnen fast nebeneinander haben. Bei zwei verschiedenen Wasseradern kann das Wasser ganz unterschiedlich in der Qualität sein."

Der Verein verweist selbst darauf, dass die Ergebnisse zur Orientierung dienen und nicht amtlich sind.

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