Wechselburg hat neuen Hausarzt

Ludger Mende öffnet im Januar seine erste Praxis. Bei seiner künftigen Tätigkeit im Ort baut er auf jahrelange Erfahrung als Klinikarzt. Beruflich und privat haben es ihm hohe Berge angetan.

Wechselburg.

Im Januar betritt Dr. Ludger Mende Terrain, das ihm ein Stück weit unbekannt ist. Dies ist weniger auf den Ort als auf die Aufgabe bezogen, die ihn erwartet. Denn zum Jahresbeginn wird der 46-jährige Mediziner seine erste Hausarztpraxis eröffnen - in Wechselburg. "Das ist für mich eine Entscheidung der Lebensmitte. Es wird ein spannender Lebensabschnitt, den ich ganz neu gestalten kann. Ich freue mich sehr darauf", sagt Mende, der zuletzt als Oberarzt am Sana-Klinikum in Borna tätig war.

Derzeit lässt Ludger Mende seine Praxis am Wechselburger Marktplatz, dort, wo sich einst die Immobilienverwaltung der Sparkasse befand, herrichten. Dass Mende sich überhaupt einmal als Hausarzt niederlassen wird, habe er nie gedacht, sagt er. Nicht einmal sein Weg zum Medizinstudium war vorbestimmt, obwohl der Vater Zahnarzt war und die Mutter Krankenschwester.

Geboren wurde Mende 1969 in Leipzig, in der Stadt wuchs er auch auf. An der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" begann er noch in der DDR mit dem Studium von Oboe und Klavier. "Nach der Wende hatte ich ein bisschen eine Sinnkrise in der Musik", sagt er. So absolvierte er beim Arbeiter-Samariter-Bund in Leipzig seine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Zum Praktikum ging es an das Bornaer Klinikum. "Im OP hatte ich eine Eingebung: Ich möchte Medizin studieren", erinnert er sich. So begann er damit 1991 an der Universität Leipzig. "Mein Studium habe ich finanziert, indem ich im Rettungs- und im Notarztwagen mitgefahren sowie im Rettungshubschrauber mitgeflogen bin."

Nach der Facharztausbildung in der Inneren Medizin folgte ab 2006 die Facharztausbildung in der Intensivmedizin am Inselspital in Bern. Zurück ging es an das Leipziger Uniklinikum, als stellvertretender Leiter in der Inneren Intensivmedizin, und im März 2014 nach Borna, wo er in der Klinik für Anästhesie die Intensivmedizin leitete. Intensivmedizin - das sei "ein Fach, in dem man in Extremsituationen Ruhe bewahren muss, um eine rationale und abgewogene Entscheidung zu treffen", beschreibt Ludger Mende. "Extremsituationen" hat er auch andernorts erlebt, konkret in extremer Höhe.

2013 war er mit einem Ärzteteam und 40 Probanden im Himalaya, am und auf dem 7126 Meter hohen Himlung Himal. Unter anderem mit Ultraschalluntersuchungen am Gehirn wollte die Gruppe vor Ort herausfinden, wie sich die Höhe auf den Körper auswirkt. Mende erlebte dabei selbst die Höhenkrankheit mit Symptomen wie Kopfschmerzen und Übelkeit. Seine Begeisterung für die Berge schmälerte dies nicht: "Seit meiner Kindheit bin ich Bergsportler, habe dies immer als faszinierend empfunden." Einige Berge über 6500 Meter im Himalaya und den Anden hat er bestiegen.

Zudem betrieb Mende früher leistungsorientiert Triathlon. Der Arzt hat eine 17-jährige Tochter und lebt mit seiner Frau nahe Grimma. Er reist und fotografiert dabei gern und mag moderne Malerei. "In meiner möchte ich die Werke befreundeter Künstler zeigen", sagt er. Im Januar soll es einen Tag der offenen Tür geben. Zwei erfahrene Schwestern aus der Gegend werden Mende in der Praxis zur Seite stehen.

Warum eigentlich ist es Wechselburg geworden? Zum einen gibt es in der Gemeinde mit rund 2000 Einwohnern keinen Hausarzt mit ständigem Sitz. Auch habe sich Bürgermeisterin Renate Naumann (CDU) sehr um ihn bemüht. Nicht zuletzt kennt er die Region: vom Rennradfahren und den Osterspaziergängen, die ihn mit den Eltern stets von Rochlitz nach Wechselburg und zurück führten.

"Ich will keine Konkurrenz zu den Kollegen in der Umgebung sein, sondern eine Unterstützung", betont er. In seine Arbeit sollen die Erfahrungen, die er in der klinischen Medizin gesammelt hat, einfließen. Als einige Eckpunkte nennt er Erkrankungen von Herz und Lunge, Sport-, Höhen- und Reisemedizin sowie Gesundheitsvorsorge, Palliativmedizin und Beratung zur Patientenvorsorge. Auch Ultraschalluntersuchungen wird er anbieten. Unterstützt werde der Praxisneubau zu einem großen Teil vom Freistaat.

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