Weihnachtsfeier mit Protest - Erlauer gegen Sparkassen-Aus

Im Landgasthof Crossen lagen am Mittwoch Adventsfreude und Zorn eng beieinander. Denn das mittelsächsische Geldinstitut will zum Jahresende auch die Erlauer Filiale schließen.

Erlau.

Weihnachtslieder, Kaffee und Stollen - eigentlich sollte es eine ungetrübte Feier werden, zu der Erlaus Bürgermeister Peter Ahnert (parteilos) am gestrigen Mittwochnachmittag die Senioren des Ortes in den Landgasthof Crossen eingeladen hatte. Doch zu groß ist die Sorge bei den Rentnern, wie sie künftig an ihr Erspartes kommen, wenn die Sparkasse in wenigen Wochen die Erlauer Filiale samt Geldautomaten schließt. 612 Unterschriften haben die Vorsitzende der Ortsgruppe der Volkssolidarität, Christa Poch, und der DGB-Ortsverbandsvorsitzende Dieter Mirowsky von besorgten Einwohnern zusammengetragen und während der Weihnachtsfeier dem Bürgermeister übergeben. Dieser werde die Unterschriftensammlung an die Sparkassenvorstände und den Landrat übergeben, versicherte er.

"Wer diesen Abbau zu verantworten hat, der müsste bestraft werden", fand Bärbel Ziffert deutliche Worte. Die 77-Jährige wohnt im Oberdorf. Nach der Sparkassenschließung müsste sie jedes Mal nach Mittweida oder in eine andere Stadt fahren, wenn sie mal Bargeld abheben muss. Dass die Sparkasse angekündigt hat, eventuell zweimal im Monat mit dem Servicebus zum Generationenbahnhof zu kommen, reicht ihr nicht. "Bei allem, was so passiert, trauen sich alte Leute nicht, dort Geld abzuheben", sagte sie. Auch Doris Biegel, die im Erlbachtal wohnt, müsste acht bis neun Kilometer nach Mittweida fahren oder 15 Kilometer bis nach Rochlitz, um an Bargeld zu kommen. Für die Rentner sei das eine Zumutung: "Mit der Sparkasse ist es wie mit der Schule. Wenn sie weg ist, stirbt das Dorf."

Auch für Christa Poch, die die 178 Mitglieder ihrer Ortsgruppe bei dieser Protestaktion vertritt, ist die Sache klar: "Wenn die Filiale schließt, geht wieder ein Stück Lebensqualität auf dem Dorf verloren. In den Wahlversprechen hieß es immer, der ländliche Raum muss gestärkt werden. Was hier gerade passiert, ist da kontraproduktiv."

Dieter Mirowsky, der rund 400 Gewerkschaftsmitglieder im Ortsverband hinter sich weiß, ist ebenfalls besorgt und zornig. "Dies ist ein Einschnitt in unser Leben. Und es ist erst der Anfang. Ich weiß nicht, was man uns noch alles wegnehmen will - hoffentlich nicht auch noch die Buslinien", sagte er.

Wie Bürgermeister Peter Ahnert erklärte, habe er bei der Sparkasse angefragt, ob die Kunden eventuell kostenfrei den gleich daneben befindlichen Geldautomaten der Volksbank nutzen könnten. Doch das sei abgelehnt worden. "Auch lehnt sie ab, einen Geldautomaten in jene Räume zu integrieren, aus denen sie auszieht, wenn diese dann wieder anderweitig gewerblich genutzt werden", so Ahnert.


43 Sparkassen-Filialen gibt es aktuell im Landkreis - 16 davon sollen geschlossen werden

Die Sparkasse Mittelsachsen schließt Ende dieses Jahres 16 ihrer 43 Filialen im Landkreis. Laut Vorstandschef Ferdinand Schramm werden die Objekte aus Kostengründen komplett geräumt und auch keine Automaten als Ersatz für die Schalter aufgestellt. Als Grund nannte er die Niedrig- und Negativ-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Im Gegenzug sollen aber eine neue Direktfiliale eröffnet und der Tourenplan des Sparkassenbusses erweitert werden. Die Direktfiliale will Montag bis Freitag von 8 bis 19 Uhr eine Beratung über Telefon und Internet anbieten, heißt es.

Von der Schließung betroffen sind die Geschäftsstellen in Erlau, Wechselburg, Königshain-Wiederau, Markersdorf, Marbach, Siebenlehn, Reinsberg, Oberschaar, Oberschöna, Lichtenberg, Rechenberg-Bienenmühle, Sayda, Großhartmannsdorf, Erdmannsdorf, Falkenau, und das Servicecenter Lauenhainer Straße in Mittweida.

Pro Jahr will das Geldinstitut ein bis zwei Millionen Euro in die bleibenden Filialen investieren - als nächstes werde in Rochlitz modernisiert. (ule)

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