Weihnachtsmarkt in Rochlitz abgesagt

Stadtverwaltung und Gewerbeverein ziehen die Reißleine. Weder der Charakter, noch das festliche Flair könnten gewährleistet werden.

Rochlitz.

Fünf Wochen vor der Weihnachtsmarkteröffnung sehen sich Stadtverwaltung und Gewerbeverein mit den Corona-Auflagen konfrontiert. Deren Umsetzung würde, so die einhellige Meinung, sowohl Besucher- als auch Händlererwartungen massiv eintrüben. Deshalb ist entschieden worden, den Weihnachtsmarkt abzusagen, teilte Stadtsprecher Jörg Richter am gestrigen Freitag mit.

Noch Anfang vergangener Woche feilten die Organisatoren an Hygienekonzepten, um ein bisschen Normalität im vorweihnachtlichen Veranstaltungskalender einziehen zu lassen. Doch der Verlauf der Pandemie nimmt darauf keine Rücksicht, so die Veranstalter. Der aktuell von der Bundesregierung verordnete Lockdown light, der zunächst bis Ende November gilt und Veranstaltungen während dieser Zeit ausschließt, ist alles andere als ein Garant für bessere Zeiten im Dezember, heißt es in der Mitteilung der Stadtverwaltung.

Dabei standen die Ampeln vor vier Wochen noch auf Grün. In seiner September-Sitzung hatte der Rochlitzer Stadtrat einstimmig den Beschluss zur Öffnung der Geschäfte am zweiten Adventssonntag gefasst. Beschlussgrundlage war ein Antrag des Gewerbevereins in Verbindung mit der Durchführung des städtischen Weihnachtsmarktes, an den die Sonntags-Ladenöffnung gekoppelt ist.

"Wir waren optimistisch, ein Hygienekonzept zu erstellen, das den gesetzlichen Anforderungen gerecht wird und trotzdem, wie bei den Triathlonwettbewerben, den Veranstaltungscharakter nur marginal beeinträchtigt", erklärt Oberbürgermeister Frank Dehne (parteilos). Doch das sei nicht realisierbar.

Denn bei der aktuellen Infektionszahl im Landkreis würde das bedeuten, dass maximal 100 Besucher auf dem rund 6000 Quadratmeter großen Marktplatz gleichzeitig verweilen könnten. Um diese Gesamtzahl nicht zu überschreiten, müsste der gesamte Marktplatz umzäunt werden, sodass ein unkontrollierter Zugang von Anwohnern aus Haupt- und Rathausstraße sowie vom Markt vorsorglich ausgeschlossen wird. Hinzu käme eine Maskenpflicht und die Kontaktdatenerfassung. Sowohl beim Betreten als auch beim Verlassen des Weihnachtsmarktes müsste die lückenlose Verweildauer aller Besucher dokumentiert werden, so der Oberbürgermeister.

"In Abwägung von Risiken, Kosten und Realisierbarkeit haben Stadtrat und Verwaltung den diesjährigen Weihnachtsmarkt abgesagt", so OB Dehne. Der Gewerbeverein, der Mitveranstalter war, sehe in den gesetzlichen Rahmenbedingungen ebenfalls keinen Spielraum.

"100 Besucher, Maskenpflicht, keine Bühne, kein Weihnachtsmann, ein geschlossenes Rathaus und Abstandhalten - eine solche Veranstaltung hat wenig mit unserem traditionellen Weihnachtsmarkt zu tun. Die Leute wollen weihnachtliches Flair genießen, bei Glühwein und Bratwurst gemütlich zusammenstehen. Das alles bleibt bei den Hygienekonzepten auf der Strecke. Wir müssen das akzeptieren, Alternativlösungen haben auch wir nicht", sagt Karsten Stölzel, Vorsitzender des Rochlitzer Gewerbevereins.

Bei dem aktuellen Infektionsgeschehen sei es besser, jetzt die Reißleine zu ziehen als weiter Hoffnungen zu schüren. Schließlich müssten sich die Händler mit Personal und Waren auf den Weihnachtsmarkt vorbereiten, eine kurz- fristige Absage wiege dann umso schwerer. (bp)

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