Wenn das Kleid für den Abiball im Schrank bleiben muss

Am 4. Juli wollen die Rochlitzer Abiturienten eigentlich ganz groß feiern. Doch ob die Veranstaltung stattfinden kann, ist derzeit noch völlig ungewiss.

Rochlitz.

Die Prüfungen gemeistert, das letzte Zeugnis nach mehr als einem Jahrzehnt Schule in der Hand, nun kann der große Tag kommen - der Tag, an dem die Absolventen ihren Abschlussball feiern. Doch in diesem Jahr ist vielleicht alles anders. In Sachsen gilt wegen der Coronapandemie bis mindestens 5. Juni: Es dürfen nur die Personen zweier Hausstände zusammen feiern. Alle größeren Feiern sind untersagt.

Mit Sorge blicken auch Josephine Fleck und Greta Plume auf die wenigen Wochen, die bis zum 4.Juli noch bleiben. Dann wollten die beiden 18 Jahre alten Abiturientinnen des Johann-Mathesius-Gymnasiums Rochlitz mit ihren Mitschülern im Rochlitzer Bürgerhaus den Abiball feiern. Ob dieser stattfinden kann, ist ungewiss. "Natürlich können wir es nicht ändern. Aber es wäre verdient und die feierliche Zeugnisausgabe nach zwölf Jahren Schule eine Anerkennung", sagt Greta Plume.

Schon mehrere Höhepunkte, auf die sich die Rochlitzer Abiturienten früherer Jahrgänge freuen konnten, sind ausgefallen. Dazu zählt die Mottowoche im Frühjahr. Von Montag bis Freitag widmen sich die Zwölftklässler dabei jeden Tag einem anderen Motto. "Helden der Kindheit", "Schwarz-weiß", "Casino Royale" und "Berufe" waren in der Vergangenheit unter vielen anderen die Themen dieser besonderen Tage.

Ins Wasser fiel ebenso der Chaos-Tag am 9. April. An diesem letzten Schultag vor den Abiturprüfungen ziehen die Zwölftklässler durchs Schulhaus, das sie dekoriert haben. Dann necken sie ihre Mitschüler mit Lippenstift und Duftspray, machen Spiele mit den Lehrern und gehen auf Tour durch die Stadt. "Abi Westminster - der Adel dankt ab" wäre in diesem Jahr das Thema gewesen. "Darauf freut man sich seit der fünften Klasse. Wir waren alle traurig", so Josephine Fleck.

Der Abiball werde seit anderthalb Jahren vorbereitet, informieren die Abiturientinnen, die auch im Ball-Komitee aktiv sind. Kümmern muss man sich unter anderem um Technik, Bands und darum, wie die Miete fürs Bürgerhaus gestemmt wird. Zur Finanzierung sammeln die Zwölfer Geld. So wurden zwei Abi-Partys in einer Diskothek ausgerichtet, auch eine Aktion mit dem Blutspendedienst Haema wurde im Herbst initiiert. Die Spender konnten entscheiden, ob sie das Geld, das sie erhielten, in die Abiballkasse stecken. Zudem wird für den Abschlussball ein Programm vorbereitet: "Ein Chor hat sich gebildet, der nicht üben kann. Auch sollen Schüler ausgezeichnet und Tutoren geehrt werden", sagt Josephine Fleck.

Ein Kleid hat sie schon. Sie hat es bereits beim Abschlussball im Auslandsschuljahr in den USA getragen. Möglich, dass es im Schrank bleibt. Hoffnung haben die Schülerinnen aber noch: "Vielleicht gibt es für die Abschlussbälle eine Sonderregelung. Es ist ja einmalig im Leben", so Josephine Fleck.

Auch Marco Seifert, Betreiber des Bürgerhauses, hofft. "Drei Monate ohne Veranstaltungen - das langt. Ich stehe in den Startlöchern." Die Sitzpläne für die Veranstaltungen mit bis zu 400 Personen sind erstellt, der Kartenverkauf hat wegen der Coronakrise aber noch nicht begonnen. Auch die Rochlitzer Oberschule "An der Mulde" und das Gymnasium Geithain wollen im Bürgerhaus feiern. Der Abiball des Freien Gymnasiums Penig im Haus ist abgesagt.

Mit gemischten Gefühlen blicken die beiden jungen Frauen auf eine Verschiebung in den Herbst, wenn alle eigene Wege gehen, inklusive sie selbst. Greta Plume will sich zur Medizinischen Fachangestellten ausbilden lassen, Josephine Fleck Medizin oder Psychologie studieren.

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