Wenn die Dorngrasmücke viral geht - 28-Jährige sahnt Preis ab

Ökologische Vielfalt trotz Folgen des Bergbaus - die Freiberger Doktorandin Stefanie Walter hat sich an ein bislang einzigartiges Projekt gewagt. Das sorgt auch international für Aufsehen. Für ihre Forschungsergebnisse wird sie heute ausgezeichnet.

Penig/Freiberg.

Zu ihren Arbeitsplätzen gehörten neben der Hochschule Mittweida und dem Institut für Bergbau und Spezialtiefbau an der TU Bergakademie Freiberg vor allem auch die Kiesgruben rund um Penig. Stefanie Walter war nicht allein dort, sondern mit Schülern der 9. und 10. Klassen des Freien Gymnasiums Penig. Ihnen und auch der Öffentlichkeit wollte sie bei einem Projekt vermitteln, dass Kiesabbau und Bergbau-Folgen nicht zwangsläufig Kahlschlag bedeuten, sondern dass sie durchaus mit Artenvielfalt und dem Erhalt des Lebensraums für selten gewordene Tiere einhergehen können.

"Ich habe überlegt, wie man Akzeptanz für Energie- und Rohstoffprojekte schaffen kann. Ich wollte herausfinden, ob ich bei Schülern für dieses Thema Interesse wecke, wenn ich ihnen dazu Wissen vermittle", erklärt die 28-Jährige, die in Mittweida Medienmanagement studiert hat, derzeit zu diesem Thema forscht und Mitte nächsten Jahres ihre Doktorarbeit, in der es um Akzeptanzkriterien und -szenarien in der Energie- und Rohstoffwirtschaft geht, in Freiberg verteidigen möchte.

"Soziale Natur - Die Dorngrasmücke geht viral" nannte sie ihr Projekt, das sie beim internationalen Forschungswettbewerb "Quarry Life Award", der von dem weltweit agierenden Unternehmen Heidelberg-Cement veranstaltet wird, einreichte. "Die Dorngrasmücke habe ich gewählt, weil dieser selten gewordene Vogel Abbaugebiete liebt und sich - entgegen mancher Annahme - in rekultivierten Abbaustätten ansiedelt.Und "viral" bedeute, dass sich die gewonnenen Erkenntnisse im Internet verbreiten. Dort gibt es dazu Fotos, kurze Filme und Informationen.

"Circa 40 Schüler von uns waren im Profilunterricht an dem Projekt beteiligt", sagt Kathrin Köllner-Rabold, die als Lehrerin am Freien Gymnasium Penig das Vorhaben betreut hat. "Es war schön, zu sehen, wie sich die Schüler durch die Verbindung von Naturwissenschaften und Medien entwickelten und zum Abschluss noch einmal richtig Vollgas gegeben haben." So hätten sie vor allem erfahren, wie Medien funktionieren. Zudem habe Stefanie Walter Wissenswertes über journalistische Darstellungsformen vermittelt. Und die Schüler konnten sich auch das Studio im Mittweidaer Zentrum für Medien und Soziale Arbeit der Hochschule anschauen.

Was die junge Doktorandin zu Tage förderte, gefällt auch Ulrich Schnarre, Prokurist der zur Heidelberg-Cement-Gruppe gehörenden Sandwerke Biesern. "Rohstoffe umweltverträglich und gemeinnützig abzubauen, ist unsere Aufgabe", erklärt er. Er sehe das Projekt daher sehr positiv. Bergbaufolge-Landschaften würden in Sachen Artenvielfalt, Umwelt und Natur ihresgleichen suchen. "Das bringt dieses Projekt eindeutig hervor und der Bevölkerung näher", sagt Schnarre.

Die Jury fand: Dieses Projekt mache das Thema Abbau und Umweltverträglichkeit spannend erlebbar. Die Idee sei auch an anderen Standorten umsetzbar. Stefanie Walter bekommt deshalb am Freitag in Freiberg den mit 2500 Euro dotierten 2. Preis in der Kategorie "Forschung" überreicht.

http://social-nature.de


Wettbewerb international

Der Quarry Life Award ist ein Forschungswettbewerb, der die Förderung der Artenvielfalt in Steinbrüchen und Kiesgruben von Heidelberg-Cement zum Ziel hat. Alle national umgesetzten Projekte kommen in die Auswahl des Preises, der am 5. Dezember in Brüssel vergeben wird.

Insgesamt konkurrierten mehr als 110Projekte weltweit. Für den Quarry Life Award 2018 in Deutschland wurden 15 Projektvorschläge eingereicht. Eine Jury wählte für die Bereiche "Gesellschaft" und "Forschung" je drei Projekte aus, aus denen die Gewinner ermittelt wurden. (ule)

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2Kommentare
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  • 1
    0
    helgalötzsch
    28.01.2019

    Eine Dorngrasmücke macht noch keinen Sommer
    Im Artikel „wenn die Dorngrasmücke viral geht“ feiert sich Heidelberger Zement selbst, denn wer zahlt, gewinnt. Auftraggeber und Gewinner sind nicht nur die gleichen, sie verfolgen auch das gleiche Ziel - sie wollen uns den Kiesabbau schmackhaft machen. Ja, die Dorngrasmücke ist hier seltener geworden, aber wir haben uns das mit der Flächenpolitik selbst eingebrockt. Die junge Frau hat vielleicht den ADEBAR Brutvogelatlas nicht gelesen. Das Hauptverbreitungsgebiet dieser Grasmücke befindet sich im Nordosten und im Südwesten Deutschlands. In Deutschland leben etwa 3-4% des europäischen Bestandes (Atlas DEutscher Brutvogel ARten 2014). Hier im Osten und in Süddeutschland gibt es sie nur noch seltener. Die Dorngrasmücke liebt Ruderalflächen, die der Bergbau leider nur vorübergehend schafft. Danach kommt oft die lukrative Verfüllung der Gruben mit Abraum. Eine vernünftige, d.h. langfristig ökologisch orientierte Flächenpolitik, die Landwirtschaft, Städtebau, Umweltschutz und alle anderen Nutzer unseres Bodens einbezieht, wäre sinnvoller. Hoffentlich darf die Grasmücke dort noch lange bleiben. Es ist richtig und notwendig, die Bergbauunternehmen zu einer Wiedergutmachung für Naturzerstörung und Flächenverbrauch bei sehr hohen Gewinnen zu verpflichten.
    Jede Münze hat eben zwei Seiten.
    Verein für verantwortungsvolle Nutzung des Lebensraumes Claußnitz und Umgebung e.V.

  • 0
    0
    VaterinSorge
    25.01.2019

    Was es alles gibt. Ich wusste immer schon: Penig kommt mal ganz groß raus. Es gibt immer wieder was neues und nie ist was so schlecht, dass es nicht für irgendwas gut sein könnte.



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