Wie läuft der Tag eines Redakteurs ab?

Lokalredakteurin Babette Philipp stand gestern Schülern der Evangelischen Oberschule in Lunzenau Rede und Antwort

Lunzenau.

Bereits zum fünften Mal beteiligt sich die Evangelische Oberschule Lunzenau am Projekt "Zeitung im Unterricht". Mit der "Freien Presse" wird nach Auskunft der stellvertretenden Schulleiterin Annett Tomoscheit, die 2013 die erste Teilnahme organisierte, in vielen Fächern gearbeitet. Sie bezieht die Zeitung in den Deutschunterricht ein, unter anderem bei den Siebtklässlern. Vier Mädchen stellten, auch stellvertretend für ihre Klassenkameraden, Fragen an Babette Philipp, Lokalredakteurin der "Freien Presse" in Rochlitz.

Lia: Wie lange braucht man, um einen Zeitungsartikel zu schreiben?

Babette Philipp: Das ist sehr unterschiedlich und richtet sich bei mir vor allem nach dem Inhalt. Ein Bericht über ein Selbstbehauptungstraining im Hort geht ziemlich schnell voran. Man schreibt auf, was man gesehen und von Kursleiter, Horterzieherinnen und vor allem den Kindern noch erfahren hat. Ich versuche, das so zu gestalten, dass der Leser das Gefühl bekommt, dabei gewesen zu sein. Schwieriger ist es, einen Artikel zu einem Thema wie der Planung von Windkraftanlagen zu schreiben. Dazu müssen viele Informationsquellen, unter anderem Behörden, gehört werden und es braucht eine umfangreiche Recherche.

Renee: Wie kommt man überhaupt zu Themen?

Dafür gibt es viele Wege. Man berichtet über aktuelle Ereignisse, geht auf Anregungen oder Fragen von Lesern ein, greift Themen aus Stadt- oder Gemeinderatssitzungen auf, informiert sich bei Vereinen oder Schulen über aktuelle Vorhaben. Genauso beschreiben wir die Folgen von landesweit geltenden Entscheidungen für die Menschen in der Region. Das ist zum Beispiel jüngst geschehen bei der Frage, ob durch die neuen Festlegungen zur Bildungsempfehlung in der vierten Klasse ein Ansturm auf Gymnasien einsetzt. In einem Artikel dazu konnten wir den Lesern aufzeigen, dass das in unserer Region nicht der Fall ist.

Elisabeth: Wie verläuft der Arbeitstag eines Redakteurs?

Nicht jeder Tag verläuft für jeden Redakteur nach dem gleichen Schema. Für mich beginnt der Arbeitstag oft mit dem Lesen von E-Mails . Oft ergibt sich daraus schon ein Thema, zum Beispiel eine Frage zu einer Baumaßnahme. Nicht selten muss ich auch auf aktuelle Ereignisse reagieren. Wie erst kürzlich geschehen, als eine Auseinandersetzung zwischen zwei Frauen in Rochlitz, bekannt wurde. Dazu habe ich bei Polizei und Staatsanwaltschaft nachgefragt, um schildern zu können, was passiert ist. Zudem habe ich mich vor Ort umgeschaut und Leute befragt, ob sie von dem Ereignis etwas mitbekommen haben. Meist nehme ich auch Termine wahr, wie beispielsweise den Besuch in eurer Schule heute, über den ich dann berichte. Daneben recherchiere ich natürlich auch zu Themen, über die ich in den nächsten Tagen schreiben will. Das geschieht dann auch per E-Mail und mit Telefonaten. Am Abend lesen und korrigieren wir zudem die Artikel auf den Lokalseiten der Zeitung.

Michelle: Wie viele Artikel schreibt ein Redakteur pro Tag?

Das ist nicht jeden Tag gleich. Manchmal sind es zwei längere und noch dazu kürzere Berichte, manchmal nur drei Meldungen. Man sieht gerade den Meldungen oft nicht an, wie viel Rechercheaufwand in ihnen steckt. Es gibt auch Tage, an denen man mehrere Termine wahrnehmen muss. Die Zeit wird ebenfalls genutzt, um Organisatorisches zu klären oder Texte, die man im Block hat, vorzuschreiben.

Renee: Kann sich der Fotograf raussuchen, was er fotografiert?

Also, wie er das Foto gestalten wird, ist eine Aufgabe des Fotografen, dafür ist er ja der Fachmann. In der Regel wird er von den Redakteuren beauftragt, ein bestimmtes Fotomotiv zu einem Thema ins Bild zu setzen, zum Beispiel das jetzt von euch. Er bringt aber von seinen Fahrten durch die Region auch Fotos und die Informationen dazu mit. Nicht selten recherchieren die Redakteure auch die Informationen zu einem Foto, was beispielsweise den Anlass und das Ziel einer Baumaßnahme betrifft.


Das medienpädagogische Projekt

"ZimU - Zeitung im Unterricht" gibt Schülern der Klassen 7 bis 10 in Mittelsachsen Gelegenheit, vier Wochen die "Freie Presse" kostenlos zu lesen. Hauptprojektpartner ist Envia M. Neben der klassischen Zeitung kann der spannende Weg durch die Medienwelt außerdem via Tablet begleitet werden.

Mehrere Klassensätze davon stellt die Komsa AG Hartmannsdorf zur Verfügung.

Im Vorjahr hatten sich 5418 Jugendliche aus 121 Schulen beteiligt.

Bereits 15 Schulen in Mittelsachsen

haben sich angemeldet. Die

Möglichkeit zur Anmeldung speziell

für Tabletklassen besteht noch bis

Mitte April. "

www.freiepresse.de/zimu

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