Wird die Talsperre schon 2020 abgelassen?

Die Staumauer soll saniert werden. Das ist aber nur möglich, wenn Kriebstein auf dem Trockenen sitzt. Wann das passiert, scheint bisher eine vage Prognose.

Mittweida/Kriebstein.

Im nächsten Jahr wird es definitiv kein Motorbootrennen auf der Talsperre Kriebstein geben. "Weil dann voraussichtlich kein Wasser mehr da sein wird", erklärte der Mittweidaer Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) zur Stadtratssitzung. Das Wasser der Talsperre soll abgelassen werden, erläuterte Stadtsprecherin Francis Pohl auf Nachfrage der "Freien Presse". Begründung: Laut "mündlicher Information durch den Eigentümer sollen bereits im Jahr 2020 die Sanierungsarbeiten an der Staumauer beginnen."

Die Talsperre dient auch der Stromerzeugung. Eigentümer des Flusskraftwerks ist die Karl-Gruppe aus Innernzell in Bayern. Das Unternehmen habe mitgeteilt, dass die Grundablässe gebaut werden sollen, so Pohl. Grundablässe sind Öffnungen zum Entleeren, größtenteils befinden sie sich an der Talsohle. Nach Unternehmensangaben erzeugt das Kraftwerk im Durchschnitt 25 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr und damit die Energie für rund 9000 Haushalte in der Region.


Nach Informationen von Thomas Caro, Geschäftsführer des Talsperrenzweckverbandes, sollen die Unterlagen der Firma Karl zum Planfeststellungsverfahren demnächst bei der Landesdirektion eingereicht werden, die Bearbeitung werde einige Zeit dauern. "Die Bauarbeiten werden mit dem Zweckverband abgestimmt", so Caro. "Wir werden der Firma sicher entgegenkommen und ihr die nötige Zeit lassen. Eine komplette Saison ohne Wasser steht aber nicht zur Debatte."

Das Wasser der Talsperre könne nicht erst im Oktober abgelassen werden. Caro geht davon aus, dass dies ab Mitte August geschehen müsse. "Sicher erst nach Talsperrenfest und Hauptsaison auf der Seebühne", so der Geschäftsführer. "Es dauert eine Weile, bis das Wasser raus ist. Und wenn der Sommer so trocken wie in den vergangenen beiden Jahren wird, dann wird sich auch der Wiederanstau über Monate hinziehen."

Mittweidas OB Ralf Schreiber (CDU), der Vorsitzender des Zweckverbandes ist, geht davon aus, dass im nächsten Jahr im September das Wasser schon abgelassen ist. Aber er auch er erwartet, dass die Veranstaltungen von Theater und Mittelsächsischem Kultursommer auf der Seebühne nicht betroffen sein werden, wenn erst Mitte August das Wasser abgelassen werde.

Die Sanierung der Hafenanlage in Kriebstein durch eine Spezialfirma sei laut Caro unabhängig von den Arbeiten an der Staumauer geplant. Auch bei normalen Wasserspiegel könne gearbeitet werden, allerdings wohl erst ab Herbst 2020 beginnend mit dem Neubau des Fähranlegers. Federführend beim Sanierungs- und Neubauprojekt soll die Stadtverwaltung Mittweida sein. Rund 2,6 Millionen Euro werde der Umbau kosten. Mehr als 1,9 Millionen Euro gebe es als Zuschuss. Der Bescheid sei im August eingetroffen, sagte Schreiber. Wie Stadtsprecherin Pohl erklärte, handelt es sich um Geld aus einem Förderprogramm des Freistaates zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur. Bezuschusst würden in dem Projekt "die Sanierung der Hafenmauern und des Anlegesteges, die Schaffung von Barrierefreiheit und das Errichten eines Aufzugsgebäudes mit Infopoint". Die Gesamtmaßnahme solle bis 2022 abgeschlossen sein.

Nachdem die Finanzierung gesichert sei und gebaut werden könne, finde laut Pohl die Abstimmung zwischen der Stadt und dem Eigentümer der Staumauer statt. Nach dessen Aussagen gehe man davon aus, dass die Talsperre für die Arbeiten an der Staumauer komplett abgelassen wird. Das werde etwa fünf bis acht Monate dauern. Genauere Aussagen sind nach Angaben einer Unternehmenssprecherin derzeit nicht möglich. Der Zweckverband trifft sich am Donnerstag, um die nächsten Schritte zu beschließen.


Die Talsperre ohne Wasser? Theater und Mittelsächsischer Kultursommer sind überrascht

Das Mittelsächsische Theater hat die Saison 2020 auf der Seebühne der Talsperre längst geplant und auch schon mit dem Kartenverkauf begonnen. "Sollte bereits im Frühsommer das Wasser abgelassen werden, wäre das für uns natürlich eine Katastrophe", erklärte Pressedramaturg Christoph Nieder nach Rücksprache mit der Theaterleitung. Nach aktuellem Stand der Pläne für die Arbeiten würde das Wasser aber erst nach der Theater-Freiluftsaison abgelassen. "Wir wussten von den Plänen bislang nichts und können uns das auch nicht vorstellen." Dass im Hafenbereich gebaut werden soll, sei jedoch bekannt. Ein komplettes Ablassen des Stausees sei aber ein anderes Thema. Vom 12. Juni bis 14. Juli 2020 soll "Die Csárdásfürstin" bei 19 Terminen zu erleben sein. Für die Operette sind schon mehr als 2100 Karten verkauft worden.

Der Mittelsächsische Kultursommer (Miskus) hat den Termin für die Kultursommernächte schon fest geplant: Der 7. bis 9. August 2020. Auch beim Talsperrenfest sei der Miskus Partner. Die Traditionsveranstaltung, zu der auch wieder die Aktion "Kunst am Wasser" gehören soll, steht am 25. und 26. Juli 2020 im Kalender. Miskus-Geschäftsführer Jörn Hänsel will zunächst eine Erklärung des Talsperrenzweckverbandes zum Wasserstand im nächsten Jahr abwarten. Die Arbeiten am Fähranleger sind ihm bekannt. Von einem Ablassen der Talsperre habe er erst von "Freie Presse" erfahren. (fa)

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2Kommentare
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    0
    thelittlegreen
    11.09.2019

    "September 2029: So kennen Besucher den Blick über Hafen und Seebühne zur Staumauer der Talsperre Kriebstein. Fähranleger und Ufermauer wurden 2020 gebaut."
    Haben sich bei den Zahlen zwei kleine Fehler eingeschlichen?

  • 3
    0
    Deluxe
    11.09.2019

    Früher war die Talsperre jeden Winter abgelassen.
    Das wäre auch eine gute Gelegenheit, die seit Jahrzehnten überfällige Entschlämmung durchzuführen, die besonders im Bereich Lauenhain dringend notwendig ist. Dafür wird es aber vermutlich keine Finanzmittel geben. Ein erheblicher Teil des Stauvolumens ist zwischenzeitlich mit Sediment zugesetzt und somit verschlammt, weil es keine Vorsperre gibt.



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