Wirtschaftsminister: "Neue Erfolgsgeschichten erzählen"

Beim Peniger Wirtschaftsstammtisch war das Thema Fachkräfte- und Lehrlingsmangel in Betrieben ein Schwerpunkt. Die IHK fordert ein Umdenken von Eltern und weniger Erwartungsdruck an die Kinder.

Penig.

Beruflicher Erfolg muss neu definiert werden. Das sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Freitagabend beim Peniger Wirtschaftsstammtisch. Dabei berichteten mehrere Unternehmer aus der Stadt dem Politiker, wie groß inzwischen die Probleme sind, offene Stellen mit Fachkräften zu besetzen und Lehrlinge zu finden.

"Das Problem in Deutschland ist, dass das Bildungsideal immer mit dem Gymnasium verbunden ist", so Dulig. Aber es dürfe nicht sein, dass jemand, der die Oberschule besucht und danach eine Ausbildung macht, sich minderwertig fühlt. "Wir müssen anfangen, neue Erfolgsgeschichten zu erzählen. Nämlich, dass jemand, der eine Ausbildung in Handwerk oder Industrie macht, auch erfolgreich sein und gut verdienen kann", forderte der SPD-Politiker.

Dem stimmte die Geschäftsführerin der Regionalkammer Mittelsachsen der Industrie- und Handelskammer (IHK), Annette Schwandtke, zu. "Wir haben ein gesellschaftliches Problem. Es kann nicht normal sein, dass nach der Grundschule 50 Prozent der Schüler aufs Gymnasium gehen. Das schwächt die Gymnasien, weil dort zu viele Schüler sind, die für diese Laufbahn eigentlich zu schwach sind. Wir haben dann aber auch keine guten Oberschulen, weil dort nur noch sehr viele sehr schwache Schüler lernen", sagte sie. Später schlage sich das Problem an Universitäten und Hochschulen nieder, wenn Studenten das Studium nicht schaffen, weil sie beispielsweise die Anforderungen in Mathematik nicht erfüllen können. "Wir müssen dazu kommen, dass jedes Kind den schulischen Weg nimmt, der individuell der richtige ist", so Schwandtke. Dafür müsse sich die Erwartungshaltung von Eltern ändern, für die nur eine akademische Laufbahn ihrer Kinder infrage kommt. "Leute, die drei Jahre eine Ausbildung und dann ihren Meister gemacht haben, sind in Betrieben gefragter, als diejenigen, die einen rein akademischen Werdegang haben", so die IHK-Geschäftsführerin.

Die Peniger Stadträtin Carolin Schneider-Delau plädierte dafür, die Schulen stärker in die Pflicht zu nehmen. "Es wird nicht genug darauf eingegangen, welche Berufe es überhaupt gibt und auch die Praxis fehlt", sagte sie. Dafür sprach sich auch der Wirtschaftsminister aus. "Wir müssen bei der Berufsorientierung früher anfangen", sagte er. Es sei problematisch, dass in Sachsen inzwischen jeder vierte Jugendliche seinen Ausbildungsplatz frühzeitig verlässt. Immer wieder stoße auch er auf das Problem, dass viele Jugendliche gar nicht wissen, welche Ausbildungsberufe es überhaupt gibt. "Davon zeugt auch, dass bei den Top Ten der beliebtesten Berufe seit Jahren immer wieder die gleichen Berufe auftauchen, etwa Mechatroniker", sagte der Minister. Eine Ursache für das fehlende Wissen ist aus Sicht des 44-Jährigen, dass in Deutschland das "haptische Erlebnis von Industrie" verloren gegangen sei, man sehe und rieche das produzierende Gewerden kaum noch. Daher müsse man verstärkt für die Berufe werben.

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