Wo die Vielfalt gefeiert wird

In Rochlitz findet am Wochenende ein Begegnungsfest statt. Während Deutschland über Fremdenfeindlichkeit diskutiert, wollen die Veranstalter zeigen, wie das Zusammenleben von Rochlitzern und Zugezogenen funktioniert.

Rochlitz.

Nur dort, wo Begegnung stattfindet, kann auch Vertrauen wachsen. Und nur durch gegenseitiges Kennenlernen können Vorurteile abgebaut werden. Davon sind Julia Hupfer und Denny Kucharz vom Migrationsdienst der Diakonie Rochlitz überzeugt. Zum dritten Mal veranstaltet die Diakonie am Samstag gemeinsam mit der Stadt in Rochlitz ein Begegnungsfest. Nachdem es in Chemnitz zu Demonstrationen mit rechtem und linkem Hintergrund, Ausschreitungen und Angriffen auf Migranten kam, wollen die Rochlitzer zeigen, dass es auch anders geht.

"Wir wollen ein Fest für alle feiern und hoffen auf Besucher aus allen Bevölkerungsschichten, allen Altersklassen, mit Migrationshintergrund und ohne", sagt Denny Kucharz vom Migrationsdienst. Die Veranstaltung ist Teil der Interkulturellen Woche, einer bundesweit jährlich stattfindenden Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, die zum Ziel hat, auf die Bedeutung gesellschaftlicher Vielfalt aufmerksam zu machen. "Es gilt, die verbindende Kraft der Vielfalt öffentlich in Erinnerung zu rufen. Rassismus und Nationalismus verstärken das Trennende und schüren Ängste", heißt es von der Bischofskonferenz.

So sehen das auch Rochlitzer, die das Fest organisieren. "Vielfalt ist eine Herausforderung, aber auch eine Bereicherung. Vor allem aber ist Vielfalt Alltag", beschreibt Julia Hupfer das Motto der Interkulturellen Woche, das auch hinter der Veranstaltung in Rochlitz stehe. Ziel sei, verschiedene Kulturen einander näher zu bringen. Die Diakoniemitarbeiterin erklärt, dass in Mittelsachsen ihren Informationen nach 9537 Ausländer leben. Die meisten von ihnen stammten aus Syrien, Polen und Rumänien. Das seien aber nicht ausschließlich Asylbewerber sondern auch sehr viele Menschen, die seit Jahren in der Region zu Hause sind. "In Rochlitz hat sich das Zusammenleben sehr gut entwickelt. Gerade im kleinstädtischen Umfeld gelingt das sicher leichter, als in großen Städten", sagt Hupfer. "Ich finde es schön, wenn man gefragt wird, ob überhaupt noch Ausländer da sind. Denn wenn es nicht mehr auffällt, dann ist das doch gelungene Integration", sagt sie. Auch Oberbürgermeister Frank Dehne (parteilos) setzt beim Fest darauf, dass Rochlitzern und Zugezogenen die Möglichkeit gegeben wird, ins Gespräch zu kommen und einander kennenzulernen. "Es ist immer ein Signal, wenn man versucht, gegenseitig Respekt und Verständnis zu zeigen", sagt er. Das Zusammenleben zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gestaltet sich nach Dehnes Meinung in Rochlitz gut. "Die vielen ehrenamtlichen Helfer haben einen wesentlichen Beitrag geliefert." Dennoch ist der OB nach Ausschreitungen bei Demos und Angriffen auf Migranten in Chemnitz wachsam: "Was in Chemnitz passiert ist, kann auch bei uns nicht gänzlich ausgeschlossen werden, auch wenn es dafür momentan keine Ansätze gibt", sagt er.

Jana Lang, Fraktionschefin der Linken im Stadtrat, betont, dass es in Rochlitz stets ruhig und friedlich ist. "Darauf sollten sich die Leute besinnen. Das Miteinander funktioniert in unserer Stadt sehr gut. Auch als einige Asylbewerber hier lebten, gab es keine Vorkommnisse", sagt sie.

Wie das Landratsamt auf Nachfrage der "Freien Presse" mitteilt, lebt in Rochlitz ein einziger Asylbewerber. Insgesamt seien in Mittelsachsen 1597 Männer und Frauen untergebracht, die Asyl beantragt haben: 555 leben den Angaben zufolge beispielsweise in Freiberg, 110 in Frankenberg. In Mittweida wohnen 17 Asylbewerber, in Burgstädt 16, keine in Penig.

Martin Grzelkowski, CDU-Chef im Stadtrat, befürwortet das Fest ebenfalls, vor allem, dass es nicht nur zur Begegnung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund dienen soll, sondern von allen. "Wir brauchen mehr Gemeinschaftsgefühl. Denn das ist es, was immer mehr schwindet", sagt er. Er wünsche sich, dass dahingehend von Rochlitz ein Signal ausgeht.


Vier Stunden Programm auf dem Rochlitzer Markt

Essen aus aller Welt: Zum Begegnungsfest, das am Samstag von 13 bis 17 Uhr auf dem Rochlitzer Markt stattfindet, gibt es ein kleines Buffet mit Gerichten aus verschiedenen Ländern. Angeboten werden beispielsweise Couscous-Salat, Baklava und ein mediterraner Nudelsalat. Für die Besucher ist das Essen kostenfrei, es wird aber um eine Spende gebeten.

Spiele für alle Altersgruppen: Den gesamten Nachmittag über werden verschiedene Spiele veranstaltet, außerdem wird es unter anderem eine Torschusswand geben, eine Graffiti-Aktion und Kreativangebote für Kinder und Erwachsene. So soll eine "Straße der Vielfalt" gestaltet werden. Dabei können die Festbesucher auf eine große Stoffbahn ihre jeweiligen Lieblingsorte aufmalen. Das Bild soll dann in der Beratungsstelle der Diakonie in Burgstädt aufgehängt werden.

Viele Unterstützer: Zahlreiche Vereine und Einrichtungen unterstützen das Fest, darunter die Jugendfeuerwehr, die Berufsschulen und das Gymnasium. (fpe)

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