Wohngebiet: Grüne haben Angst um Tiere

Die Planung des neuen Peniger Areals "Lindengarten" gerät in die Kritik. Grünen-Landtagsabgeordneter Wolfram Günther sieht Mängel im Verfahren beim Umgang mit geschützten Tierarten. Die Stadtverwaltung weist die Vorwürfe zurück.

Penig.

Zauneidechsen, Libellen und Fledermäuse fühlten sich jahrzehntelang heimisch in der Peniger Kleingartenanlage "Frohsinn". Doch wegen der geplanten Umwandlung eines 5800 Quadratmeter großen Stücks in ein Wohngebiet mit 15 Grundstücken befürchten Umweltaktivisten, dass diese geschützten Tierarten dort verschwinden. Denn 32 Kleingärten sollen weichen, damit die Häuser gebaut werden können. Umweltschützer üben seit Monaten Kritik. Nun gibt es Debatten um die Frage, wie untersucht wurde, welche Tiere und wie viele von ihnen im künftigen Baugebiet leben.

Diese Fragen beschäftigen auch Wolfram Günther, Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag. Er hat sich deshalb vor wenigen Tagen mit einer Anfrage an die Staatsregierung gewandt. Die soll in den nächsten Wochen Antworten geben. Vom Bebauungsplan für das künftige Wohngebiet "Lindengarten" seien Flächen betroffen, auf denen streng geschützte Populationen der Zauneidechse und der Libellenart Grüne Keiljungfer leben, so Günther. Bei den Libellen sei nicht überprüft worden, wie viele von ihnen im Gebiet vorkommen. Zudem kritisiert Günther, dass durch Umbauarbeiten der Lebensraum der Fledermäuse so verändert worden sei, dass deren Existenz nur noch schwer nachzuweisen ist. An die Staatsregierung gewandt, will er darüber hinaus wissen, warum Zauneidechsen nicht fachgerecht umgesiedelt werden und wie man deren Bestand ermitteln konnte, ohne die Gärten zu betreten.


Auf Nachfrage der "Freien Presse" hat die Peniger Stadtverwaltung am Dienstag Stellung zu den einzelnen Fragen genommen. "Es wurde eine Zauneidechse gefunden", erklärt Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt. Gängige Praxis sei, derartige Zahlen mit dem Faktor 10 zu multiplizieren, um die Bestände zu ermitteln. Dieses Vorgehen bei der Planung entspricht aus ihrer Sicht den Standards und stehe nicht im Widerspruch zum Bundesnaturschutzgesetz.

Zum Prozedere, wie die Tierbestände ermittelt wurden, erklärt sie, es habe an vier Tagen im gesamten Gebiet ausführliche Begehungen gegeben. Da die gemähten Flächen gut einsehbar waren, seien die Verbindungswege zwischen den Gärten zur Beobachtung genutzt worden, so die Stadtsprecherin. Zudem habe man Parzellen, Gartenlauben, Schuppen und sonstige Anbauten, die nicht mehr genutzt wurden, untersucht. Für die Ermittlung aller Tiergruppen seien an 13 verschiedenen Tagen und zu unterschiedlichen Zeiten Ortsbegehungen durchgeführt worden. Zweimal seien sogenannte Horchboxen aufgehängt worden, mit denen Laute der Fledermäuse aufgezeichnet werden können. Das Ergebnis: Die Aufnahmen der Horchbox belegen drei beziehungsweise elf Rufe in der jeweiligen Nacht, "was auf die Anwesenheit von Einzeltieren im Rahmen einer Nutzung als Zwischenquartier weist", so Tschök-Engelhardt. Zusätzlich habe es weitere Begehungen gegeben, bei denen geprüft wurde, ob es neue Ansammlungen von Fledermauskot gibt. "Das blieb jedoch ergebnislos", erklärt sie.

Was die Libellenart betrifft, so habe die Untere Naturschutzbehörde nicht verlangt, deren Bestand zu prüfen.Die Stadtverwaltung verweist zudem auf einen Vertrag zwischen der Stadt und dem zuständigen Unternehmen, das dieses Eigenheimgebiet erschließt. Darin sei geregelt, dass zur Vermeidung von Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz vor und während der Bauphase eine Baubegleitung unter ökologischen Gesichtspunkten zu erfolgen habe. Die Stadtsprecherin bedauert, dass für die Recherche und die Beantwortung dieser Fragen wieder wertvolle Zeit aufgewendet werden musste, "die für die Arbeit im Interesse unserer übrigen 8800 Peniger Einwohner verloren geht".

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...