Wuschelige und gefiederte Schönheiten

Auf dem Kleintiermarkt in Wiederau wird nicht fix verkauft, sondern ausgiebig beraten. Die Besucher schätzen das und die Verkäufer mögen das Fachsimpeln unter sich.

Wiederau.

Zwischen Zwitschern und Gackern ist in dem großen Gebäude in einem Wiederauer Vierseithof das Gemurmel von Stimmen zu hören. Es gehört zu Männern und Frauen, die beisammenstehen und sich austauschen. Schließlich haben sie sich eine Weile lang nicht gesehen und freuen sich nun, sich beim ersten Wiederauer Kleintiermarkt nach der Sommerpause bei Familie Lehmann in der Steiner Straße wieder zu treffen.

Unter den Anbietern von Kleintieren sind Mandy und Olaf Graupner. Sie bieten Wellensittiche, Zebrafinken und Meerschweinchen an. "Seit Jahren, und immer wieder gern", sagt Mandy Graupner. Die beiden nehmen dafür gern die etwa einstündige Fahrt von Witzschdorf nahe Zschopau nach Wiederau in Kauf. "Hier ist einfach ein gutes Klima, man kann sich austauschen und die Käufer sehr gut beraten. Schließlich wollen und können wir mit unserem Hobby nicht reich werden. Wir sind hier, weil es uns Spaß macht", sagt Mandy Graupner. Sie züchtet seit vielen Jahren Meerschweinchen, um die 60 hat sie zur Zeit. Die Tiere sollen ein Zuhause finden, in dem es ihnen gut geht und Besitzer, die glücklich sind mit ihnen. Da sei Beratung wirklich wichtig, sagt Mandy Graupner und erzählt von einer Frau, die unbedingt ein schwarzes Meerschweinchen für ihr bereits vorhandenes Tier als Kamerad haben wollte. "Wir haben gesagt, sie solle ihr Tier mitbringen. So konnten wir es mit in den Käfig setzen und schauen, zu welchem Tier es sich hingezogen fühlt. Das war dann eben kein schwarzes, sondern ein gelbes Meerschweinchen, das die Frau auch mitnahm", berichtet die Züchterin, die auch an diesem Markttag wieder Tiere an den Mann beziehungsweise im Fall von Annett Schulze und deren zehnjähriger Tochter Joelina an die Frauen gebracht hat. "Wir haben zwei Rosettenmeerschweinchen gekauft. Damit haben wir nun zu Hause fünf Meerschweinchen und vier Hasen, die sich in einem neu gebauten großen Stall auf zwei Etagen wohlfühlen können. Das ist ein kleines Tierparadies geworden", berichtet Annett Schulze, die zu den Stammkunden des Marktes gehört. Ebenso ist Madleen Skarupski regelmäßig in Wiederau. Sie kaufe aber eher selten etwas sagt sie. "Aber wir schauen uns gern um", erzählt sie und zeigt auf Töchterchen Resi, das sie auf dem Arm hat. Die Zweijährige betrachtet interessiert Wellensittiche und andere exotische Vögel.

Solche bietet unter anderem Frank Unger aus Beierfeld an. "Ich bin jedes Mal da, habe kleine und größere Vögel mit, unter anderem Rot- und Königssittiche", sagt er. Wie die anderen schätzt er die Atmosphäre und den Austausch.

Unterdessen sind Monika und Kurt Lehmann zufrieden mit dem ersten Markt nach der Sommerpause. "Es hat ja geregnet am Morgen. Trotzdem waren viele Anbieter und auch viele Besucher da. Wir freuen uns, dass der Markt den Leuten gefällt", sagt Monika Lehmann. Für die beiden heißt es, wenn sich 12 Uhr die Pforten bis zum ersten Sonntag des Folgemonats wieder schließen, aufzuräumen und zu putzen. "Natürlich ist das Arbeit. Aber wir können sie uns ja einteilen, sind beide zu Hause", sagen die 65- und der 70-Jährige.

Vor 25 Jahren haben sie den ersten Kleintiermarkt veranstaltet. Als Kurt Lehmann Anfang der 1990er-Jahre den Vierseithof in Wiederau, auf dem er groß geworden ist, erwarb, richtete er sich nicht nur ein neues Zuhause mit seiner Frau Monika ein, sondern es entstand gleichzeitig eine Idee: Die Gebäude, die nach dem Rückzug der LPG nicht mehr landwirtschaftlich genutzt wurden, sollten nicht leer stehen, sondern eine sinnvolle Bestimmung haben. So wurde im März 1993 von Familie Lehmann der erste Kleintiermarkt organisiert. "Nur wenn Gebäude einen Zweck erfüllen, sei es auch nur wenige Tage im Jahr, macht es Sinn, die finanziellen Mittel und auch die Mühen einer Instandhaltung beziehungsweise Sanierung auf sich zu nehmen", sagen Kurt und Monika Lehmann.

Zuerst seien es nur wenige gewesen, die ihre Tiere oder andere Produkte zum Verkauf anboten und auch nur wenige, die sich für diesen Markt interessierten. Doch die Veranstaltung sprach sich herum. "Wir meinen, dass wir durch Solidität, Sauberkeit und Umsicht den Zuspruch vieler Kleintierfreunde gewinnen konnten, denn bereits am Ende des ersten Jahres waren es viele hundert Gleichgesinnte, die unseren Markt besuchten. Bis heute haben wir einen regen Zuspruch", freuen sich die Lehmanns.

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